Homosexualität

Was gibt es zu diesem Thema zu sagen, bzw. was will ich dazu sagen? Ich fange vielleicht am besten gleich mit zwei Bekenntnissen an: Erstens bin ich heterosexuell und zweitens finde ich es falsch und nicht zu entschuldigen, wenn man Menschen aufgrund ihres sexuellen Verhaltens diskriminiert.

Den ersten Punkt erwähne ich nicht, um mich von Homosexualität zu distanzieren. Wäre ich homosexuell, dann wäre das halt so. Ich erwähne diesen Punkt, um klar zu machen, dass ich Homosexualität nicht verteidige, weil ich selbst damit etwas zu tun habe, sondern ich verteidige es, weil ich es für richtig halte, es zu verteidigen. Die Gründe dafür folgen.

Der zweite Punkt ist der Entscheidende, ich bin strikt dagegen Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechtes oder eben ihres sexuellen Verhaltens (oder Neigung) zu diskriminieren. Das ist nicht zu tolerieren. Ich bin ebenfalls dagegen, Menschen vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben, wenn es privat ist und niemand geschädigt wird.

Was ist nun das mit Abstand häufigste „Argument“, welches Gegner von Homosexualität anbringen? Ja, richtig, sie sagen: „Homosexualität sei wider die Natur, unnatürlich oder nicht natürlich.“ Jedes Mal, wenn ich das höre, frage ich mich, ob jemals einer dieser Gegner wirklich darüber nachgedacht hat, was er/sie da von sich gibt. Dieses „Argument“ ist dermaßen und in mehrfacher Hinsicht falsch, dass es schon fast wieder lustig ist, es trotzdem wieder und wieder zu hören. Offensichtlich plappert man gerne nach, ohne darüber nachzudenken. Warum und was genau ist daran nun falsch:

Erstens ist es so, dass homosexuelles Verhalten und Homosexualität eben nicht unnatürlich sind. Das ist eine Tatsache, nicht meine Meinung. Homosexualität kommt bei sehr vielen Tieren vor, regelmäßig und in der Natur, es ist völlig natürlich:

„Bei mindestens 1500 Tierarten sei homosexuelles Verhalten bisher beobachtet worden. Und bei rund 500 davon seien die Befunde auch sehr gut dokumentiert. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.“

80 Prozent der Zwergschimpansen seien bisexuell. Unter Pinguinen haben Forscher zehn Prozent homosexueller Paare ausgemacht, die auch kleine Pinguin-Waisen ungeachtet des Geschlechtes adoptieren. Bei Vaterschaftstests in einer Möwenkolonie ermittelten verblüffte Zoologen eher zufällig, dass 20 Prozent der Paare dasselbe Geschlecht hatten. Bei Zwergkakadus soll die Schwulen-Quote 40 Prozent betragen.”

Warum nehmen Menschen diese Fakten nicht zur Kenntnis und behaupten weiterhin Dinge, die nicht wahr sind? Ich weiß es wirklich nicht, aber ich vermute, dass es entweder an unserem Widerwillen liegt, Dinge zur Kenntnis zu nehmen, die unseren Ansichten widersprechen und/oder weil sich derjenige einfach nicht für die Wahrheit interessiert und lieber in einer Wunschwelt lebt.

Hier noch eine kurze Bemerkung: Manche sagen auch, dass Homosexualität gegen das „natürliche Gesetz“ verstößt. Dazu ist hier alles gesagt, was man sagen muss.

Zweitens, und diesen Punkt finde ich mindestens genauso wichtig, was wäre denn, wenn der erste Einwand nicht gemacht werden könnte? Nehmen wir einmal an, Homosexualität wäre tatsächlich unnatürlich und wider die Natur (was sie nicht ist, wie wir bereits festgestellt haben, aber einfach mal weitergedacht um des Argumentes willen…). Impliziert der Gegner der Homosexualität damit, dass alles, was gegen die Natur oder unnatürlich ist, schlecht sei? Ich denke ja, das ist genau das, was der Gegner der Homosexualität sagen will. Nur, damit handelt er sich massivste Probleme ein. Warum?

Sind denn Autos, fließendes Wasser aus dem Wasserhahn, gesteuerte Elektrizität, alle Medikamente oder Herzschrittmacher natürlich?

Das Gegenteil von natürlich ist künstlich. Ist denn alles Natürliche immer gut und alles Künstliche immer schlecht? Wenn man also an natürlichem Schlangengift, an einer natürlichen Überflutung oder einem natürlichen Löwenbiss stirbt, dann ist das gut, aber künstliche Medikamente, künstliche Herzschrittmacher, künstliches fließendes Wasser und künstlich gebaute Häuser sind immer schlecht?

Wir Menschen zeichnen uns ja gerade durch unsere Denkfähigkeit aus. Unsere evolutionäre Nische ist es, die Welt und Natur so zu verändern, dass wir überleben. Deshalb bauen und entwerfen wir künstliche Dinge, die uns schützen und uns ein besseres Leben bereiten sollen. Sind diese Dinge prinzipiell deshalb schlecht, weil sie künstlich sind?

Nun möchte ich noch etwas zum zweiten Punkt sagen. Niemand hat das Recht, Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechtes zu diskriminieren, darüber sind sich inzwischen die meisten Menschen einig und würden hier zustimmen. Warum dauert es bei der sexuellen Neigung so lange dies endlich auch zu akzeptieren? Sind wir so konservativ, so intolerant und so beschränkt? Will man, dass andere einem vorschreiben, welche sexuelle Praktik erlaubt und welche verboten ist? Will man, dass andere einem vorschreiben, welches Leben man wie zu führen habe? Nein? Dann sollte man absolut kein Problem damit haben, was erwachsene Menschen, ohne anderen zu schaden, miteinander tun oder nicht tun.

Wenn ich an die Bischöfe und anderen Religioten denke, die ihre blasierten Moralpredigten halten, dann wird mir schlecht, so ekelhaft finde ich das. Diese Leute haben keine Ahnung von Sexualität. Ok, einige davon haben eventuell doch Erfahrungen bei und mit wehrlosen Kindern. Wie können sie es wagen, anderen freien Menschen vorschreiben zu wollen, was zu tun und zu lassen sei? Wie können sie es wagen?!

Sydneys anglikanischer Erzbischof: Schwulsein gefährlicher als Rauchen

USA: Katholische Kirche vergleicht Homo-Ehe mit Mord

Rückwärtsgewandte Katholikenbischöfe

Ganz zum Schluss möchte ich noch einen sehr guten Artikel empfehlen, den man zu diesem Thema unbedingt gelesen haben sollte:  Ich bin es leid

Übrigens, jeder darf trotzdem Homosexualität oder homosexuelle Menschen als falsch, schlecht oder böse ansehen. Man verschone mich nur bitte mit diesem langweiligen, schlechten „Argument“ und suche nach besseren Argumenten (oder wenigstens anderen schlechten, zur Abwechslung). Und bis dahin soll man bitte zugeben, dass diese Meinung ein unbegründetes und nicht verteidigungsfähiges Vorurteil ist, im Gegensatz zu einer wohlüberlegten, begründeten Meinung.
Mit ähnlichen unbegründeten Meinungen wurden vor nicht allzu langer Zeit die Durchsetzung der Grund- und Menschenrechte verzögert. Wir sollten die gleichen Fehler nicht ständig wiederholen, irgendwann sollte man daraus lernen, oder?

p.s.: Wer „argumentiert“, dass Homosexualität „wider die Evolution“ ist, sollte vielleicht hier einmal lesen:

“Wie bereits weiter vorn angeführt, ist auch dieses Argument nicht haltbar, da sich evolutive Vorteile aus der Homosexualität ergeben, ganz abgesehen davon, dass es keine Homosexualität in so breitem Rahmen gäbe, wenn sie die Evolution behindern würde. Ganz im Gegenteil wäre es – nebenbei bemerkt – im Moment eher hilfreich für das Überleben des Menschen, wenn Sie sich explosionsartig überall verbreiten würde, damit sich die irdische Gesamtbevölkerung im Laufe der Zeit auf ökologisch verträgliche Werte reduziert. (Und vielleicht wäre das Risiko neuer Kriege bei abnehmendem Konkurrenzinstinkt zwischen Männern geringer.)”


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