An alle “Homöopathie-Gläubigen”

Mir ist es bei vergangenen Diskussionen über die Homöopathie wieder einmal wie Schuppen von den Augen gefallen. Ich denke, nun weiß ich, was der Hauptgrund dafür ist, warum Menschen Befürworter von Homöopathie sind.

Nein, der Hauptgrund ist nicht der, dass viele Anhänger der Homöopathie schlecht oder gar nicht darüber informiert sind, was Homöopathie überhaupt ist.

Nein, der Hauptgrund ist ebenfalls nicht der, dass viele Anhänger der Homöopathie ein geschlossenes Weltbild haben und für Kritik und Diskussionen nicht offen sind.

Nein, der Hauptgrund ist auch nicht der, dass viele Anhänger der Homöopathie sich nicht für die Wahrheit von Behauptungen interessieren, bzw. nicht wissen, wie man feststellt, ob eine Behauptung wahr ist, also mit der Realität übereinstimmt oder nicht.

Und nein, der Hauptgrund ist im Übrigen nicht der, dass viele Anhänger der Homöopathie nicht wissen, wie man testet und feststellt, ob ein Medikament, eine Therapie oder eine sonstige Behandlung wirkt und hilft.

Ja, diese Dinge treffen auf sehr viele Anhänger der Homöopathie mehr oder weniger zu.

Aber ganz ehrlich, meiner Meinung nach ist der Haupthinderungsgrund, zu erkennen, dass Homöopathie Blödsinn ist und nicht funktioniert, ja nicht funktionieren kann, neben den gerade erwähnten, der, dass Anhänger der Homöopathie denken, sie könnten sich niemals irren.

Sie haben eine unglaublich starke Überzeugung, dass das, was sie sehen, erleben und selbst erfahren, eins zu eins die Wahrheit und Realität darstellt. Irrtum ausgeschlossen!

Wie meine ich das? Ich möchte das an einem Beispiel erläutern und was bietet sich da besser an, als die Schilderung einer Diskussion mit einem Anhänger der Homöopathie.

Jede, und ich meine wirklich jede, Diskussion mit einem Anhänger von Homöopathie verläuft so, dass er eine Anekdote, ein Beispiel entweder aus seinem Leben, mit seinem Partner, seinen Kindern, seiner drei Freundinnen oder Freunde zum Besten gibt und mit stolz geschwellter Brust und im Ton völliger Überzeugung sagt:

„Also mein Kind/Freund/Freundin hat 3 Jahre lang die Beschwerde/Krankheit/Verhalten X gehabt. Es wurde alles versucht und nichts hat geholfen. Dann haben wir einmal für 2 Tage, 1 Woche oder 2 Wochen homöopathische Globuli genommen, und schon war alles im Lot. Die Krankheit war geheilt und alles Bestens. Also wenn das kein Beweis dafür ist, wie sensationell Homöopathie hilft und wirkt, dann weiß ich auch nicht. Was willst du dazu denn noch sagen?“

Ähm…ja, genau, was will man dazu noch sagen? Mir fällt eine ganze Menge dazu ein, und ich werde das auch gleich hier in Kürze schreiben, aber ich will noch auf zwei Punkte vorher hinweisen:

1.)    In der Überschrift habe ich nicht umsonst „Homöopathie-Gläubige“ geschrieben. Ich habe bisher immer feststellen müssen, dass egal, welches Argument man benutzt und egal wie man ihnen zu erklären versucht, warum ihre Ansicht falsch ist, es wird wahlweise nicht zugehört, Argumente nicht beantwortet und man „glaubt“ einfach weiter.

2.)    Der Grund für den ersten Punkt ist eben der, dass Anhänger der Homöopathie denken, sie könnten sich niemals irren. Sie haben es doch selbst miterlebt, wie Homöopathie gewirkt und funktioniert hat. Deshalb machen sie die Schotten dicht und sind nicht mehr offen für Argumente und Erklärungen. Sie denken ja, dass sie auf jeden Fall Recht haben, warum also noch diskutieren?

Nun will ich noch, wie versprochen ein paar Dinge zu dem Klassiker, also der Geschichte, der Anekdote von oben sagen. Wie schon gesagt, das grundsätzliche Problem mit vielen Anhängern der Homöopathie ist das, dass sie denken, sie irren sich nicht.

Was ist denn, wenn sich ihr Gedächtnis schlecht oder falsch erinnert, an die Abläufe von damals. Vielleicht ging die Krankheit vorher weg oder es stimmt gar nicht, dass die Krankheit genau nach der Gabe der Globuli verschwunden ist?

Warum nimmt man für echte medizinische Studien mehr Teilnehmer als einen, 3 oder 15? Weil Anekdoten, keinerlei Beweiskraft haben und man sich dabei an viel zu vielen Stellen irren kann!

Warum nimmt man bei medizinischen Studien zwei Vergleichsgruppen, also eine Gruppe mit 1000 Personen, denen man Globuli gibt und eine zweite Gruppe mit 1000 Personen, denen man einfach ein Placebo (eine bunte Pille völlig ohne Wirkstoffe) gibt? Nun ganz einfach, weil man den Placeboeffekt bei einer echten Wirksamkeit herausrechnen muss. Alles wirkt mehr oder weniger als Placebo, daher muss man, wenn man die Wirksamkeit von Globuli herausfinden will, den Placeboeffekt herausrechnen.

Vielleicht ist die Krankheit auch nur zufällig gerade zu dem Zeitpunkt weggegangen?

Und der wichtigste Punkt, den noch nie ein einziger Anhänger von Homöopathie verstanden hat: Korrelation ist nicht gleich Kausalität!

Was bedeutet das? Wenn ich morgens dusche und die Sonne geht danach auf, dann bedeutet das nicht, dass die Sonne aufgeht WEIL ich geduscht habe. Mein Duschen war nicht die Ursache dafür, dass die Sonne aufgegangen ist.

Wenn jemand Globuli nimmt und dann geht (zufällig) seine Krankheit weg, dann bedeutet das ebenfalls nicht automatisch, dass die Einnahme der Globuli die Ursache dafür war, dass seine Krankheit weggegangen ist!

Bei einem einzelnen Menschen ist es völlig unmöglich (schon aus rein theoretischen Überlegungen) selbst dem besten Mediziner und Wissenschaftler, im Nachhinein mit Sicherheit zu sagen, was der Grund und die Ursache für seine Krankheit oder das Verschwinden seiner Krankheit war.

Es ist verständlich, dass Menschen denken, wenn sie X machen und kurz darauf Y passiert, dann muss X die Ursache für Y sein. Aber genau hier sind wir wieder bei dem Punkt, dass Menschen denken, ihre eigene Erfahrung könne sie nicht trügen und sie können hier doch nicht irren.

Leider ist genau das das Problem. Sie irren sich eben doch!  Cum hoc ergo propter hoc


Keine Kommentare

Trackbacks/Pingbacks

  1. Homöopathie und Co.: “Therapiefreiheit bedeutet nicht Therapiebeliebigkeit” @ gwup | die skeptiker - [...] alle “Homöopathie-Gläubigen”, Nachdenken … bitte am 23. November [...]
  2. Homöopathische Märchen @ gwup | die skeptiker - [...] alle “Homöopathie-Gläubigen”, Nachdenken … bitte am 23. November [...]
  3. Begrenzte Homöopathen-Denke @ gwup | die skeptiker - [...] alle “Homöopathie-Gläubigen”, Nachdenken bitte am 23. November [...]
  4. Homöopathie im “Spiegel”: Globuli-affine Eltern @ gwup | die skeptiker - [...] alle “Homöopathie-Gläubigen”, Nachdenken … bitte am 23. November [...]

Einen Kommentar schreiben