Das Goldene Brett vorm Kopf

Das Goldene Brett vorm Kopf gebührt der Person oder der Institution, die im vergangenen Jahr den irrwitzigsten Unfug verbreitet hat. Wer hat es geschafft, unsinnige Theorien am weitesten zu verbreiten? Wer hat – vielleicht sogar mit dem Tarnmäntelchen der Wissenschaftlichkeit – unwissenschaftlichem Unfug zum Durchbruch verholfen? Wer hat durch Medienpräsenz, durch Bücher oder Filme dem Aberglauben und der Unwissenschaftlichkeit neuen Auftrieb gegeben? Wem ist es auf besonders kreative Weise gelungen, mit wirkungslosen oder unsinnigen Produkten Geld zu verdienen?

Zu diesem Thema gibt es hier und hier zwei schöne Artikel.

Die drei Finalisten sind völlig verdient ins Finale eingezogen und es ist sehr schade, dass es nur einen Sieger geben kann, denn jeder dieser drei hätte diesen Preis verdient.

 

Die Begründungen der Gesellschaft für Kritisches Denken (GkD) für die Finalteilnehmer:

 

Harald Walach besetzt eine von der Homöopathie-Industrie finanzierte Stiftungsprofessur am Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und fungiert als Leiter des dort angebotenen Masterstudiengangs „Kulturwissenschaften – Komplementäre Medizin“. In dieser Funktion hat Harald Walach es geschafft, alternativmedizinischem und esoterischem Humbug zu akademischen Weihen zu verhelfen.

Mit dem Engagement eines Astrologen als Gastprofessor, mit der Kooperation mit einem Verein von Hokuspokus-Medizinern und mit der Zulassung einer Masterarbeit über ein esoterisches Hellseher-Spielzeug hatte Prof. Walach wesentlichen Anteil daran, dass die Viadrina als „Hogwarts an der Oder“ zum Gespött der Medien wurde.

Seine herausragenden Leistungen wurden schließlich sogar von der Brandenburgischen Hochschulstrukturkommission gewürdigt, die der Universität nachdrücklich die Schließung von Walachs Institut und die Einstellung seines Lehrgangs empfahl. Die Jury schloss sich dieser Würdigung an und bescherte Prof. Walach den Einzug ins Finale.

Homöopathie, Applied Kinesiology, Anthroposophische Medizin und Chinesische Diagnostik – gerade im Bereich der Alternativmedizin wird eine Vielzahl von Verfahren angeboten, die entweder keinen Wirksamkeitsnachweis aufweisen können oder bereits wissenschaftlich widerlegt sind. Die ÖÄK (Österreichische Ärztekammer) zeigt allerdings keine Berührungsängste mit paramedizinischen Heilmethoden. Im Gegenteil: für die genannten, teils haarsträubenden Therapiemethoden bietet die ÖÄK sogar Ausbildungsdiplome an und verleiht ihnen damit ungerechtfertigterweise die Aura von „anerkannten“ Methoden.

Mit dieser herausragenden Leistung im Bereich der Unterminierung wissenschaftlicher Erkenntnisse durch esoterischen Irrglauben hat sich die ÖÄK für das Finale des Goldenen Bretts 2012 qualifiziert.

In wenigen Wochen ist es soweit: der 21.12.2012 naht, und damit auch der diesmal wirklich unausweichliche Weltuntergang. Laut dem sich selbst als “Biophysiker” bezeichnenden leider-doch-nicht-Dr. Dieter Broers muss sich die Menschheit auf so einiges gefasst machen: “Naturkatastrophen, die mit dem destabilisierten Erdmagnetfeld einher gehen … Gebäude werden zusammenstürzen, Überschwemmungen werden ganze Landstriche fluten, … Gewaltige Gewitter fegen über die Erde hinweg mit Blitzen von immenser Intensität. Sogar Vulkane können ausbrechen, deren Aschewolken den Himmel verdunkeln.”

Broers springt damit auf den PR-trächtigen Zug der Maya-Kalender-Panikmache auf. Angebliche Prophezeihungen verknüpft er mit wissenschaftlich unhaltbaren Behauptungen: Ein „Synchronisationsstrahl“ aus dem Zentrum der Milchstraße werde uns treffen und das Bewusstsein der Menschheit verändern. Wissenschaftlich sind solche Aussagen natürlich hanebüchen, was Broers aber nicht davon abhielt, seine Thesen in dem Buch „(R)Evolution 2012“ und in dem Film „Solar (R)Evolution“ zu verbreiten.

Mit dieser 2012-Panikmache und zahlreichen weiteren Höchstleistungen auf dem Gebiet der Pseudowissenschaft, wie zum Beispiel mit der Erfindung eines „Lebensfeldstabilisators“, hat sich Dieter Broers als Finalist für das Goldene Brett 2012 auf eindrucksvolle Weise qualifiziert.

 

 

 

 

 

 

 


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