Denk nach! Warum du alles in Frage stellen solltest

Die Überschrift ist Programm. Wir sollten alle einen Filter besitzen, der fragwürdige, absurde und einfach falsche Behauptungen davon abhält von uns (also unserem Gehirn) als richtig und wahr akzeptiert zu werden.

Das erfordert ein wenig Training und Übung. Aber das ist es mehr als wert, denn es kann einem das Leben retten.

Wie funktioniert das nun? Wie macht man das?

Nun, man beginnt damit, darüber nachzudenken, wie außergewöhnlich und wichtig eine gerade gehörte Behauptung für einen ist. Je außergewöhnlicher und je wichtiger diese ist, umso mehr sollte man darüber nachdenken und umso schärfer und rigoroser sollte der Filter im eigenen Gehirn diese überprüfen.

Was spricht dafür, dass die Behauptung wahr ist und was spricht dagegen? Welche Informationen habe ich und welche fehlen mir vielleicht, um eine gute Entscheidung treffen zu können? Wie wahrscheinlich ist es, dass die Behauptung wahr ist und wie wahrscheinlich, dass sie falsch ist? Was ist der wissenschaftliche Konsens über die Wahrheit dieser Behauptung?

Wenn ihr genauer wissen wollt, wie man hier beginnt und wie das skeptische, kritische Denken funktioniert, dann solltet ihr unbedingt dieses Buch kaufen und lesen:

Think: Why You Should Question Everything

Leider gibt es das Buch nur auf Englisch und das ist eine Schande. Warum ihr notfalls Englisch lernen solltet, macht euch vielleicht die Einleitung dieses Buches des Autors Guy P. Harrison klar, die ich im folgenden wiedergebe und der ich nur zustimmen kann. Ich werde demnächst noch ein anderes Buch des gleichen Autors empfehlen, welches man unbedingt gelesen haben sollte. Viel Spaß beim Lesen:

 

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EINLEITUNG

Mein Leben war besser gewesen, aufgrund einer Schlüsselentscheidung, die ich vor vielen Jahren getroffen hatte. Ich bin nicht sicher, wann genau es passiert ist oder ob es sich sogar in einem einzelnen Moment ereignet hat, aber irgendwo auf meinem Weg habe ich mich entschieden ein guter Skeptiker zu sein und jeden Tag wie ein Wissenschaftler zu denken. Diese einfache, aber entscheidende Wahl hat mir Zeit, Geld und wahrscheinlich auch viele Peinlichkeiten und Leid erspart. Wer weiß? Vielleicht hat es mein Leben gerettet.

Ich habe diesen Weg nicht gewählt, um mich überlegen zu fühlen oder auf andere herunterzuschauen, weil sie Dinge glauben, die wahrscheinlich nicht wahr sind. Skeptizismus ist keine Arroganz. Ich habe diese Entscheidung nicht getroffen, weil ich ein kaltes und gefühlloses Leben frei von Mysterien wollte. Skeptizismus entfernt keine Freude aus dem Leben; in Wirklichkeit kann dadurch viel Freude hinzukommen.

Nur weil man wie ein Wissenschaftler denkt, bedeutet das nicht, dass man keine Freude an Science Fiction und Fantasie haben kann oder auch von unmöglichen Dingen träumt. Skeptisch zu denken verlangt von einem bestimmt nicht, die vielen unbeantworteten Fragen überall um uns herum zu verleugnen oder zu ignorieren. Ich dachte einfach nur, dass es sinnvoll ist, den Skeptizismus zu umarmen, weil ich den Teil meines Lebens, den ich auf Lügen, Fehler und Täuschungen verschwende, minimieren will. Ich wollte ebenfalls nicht das Risiko eingehen, auf Betrüger hereinzufallen oder Ihnen eine leichte Beute sein.

Wenn ich nicht skeptisch gegenüber jeder ungewöhnlichen und wichtigen Behauptung gewesen wäre, die über die Jahre meinen Weg gekreuzt haben, an wie viele verrückte medizinische Behandlungen hätte ich mein Geld vergeudet? Hätten manche davon meiner Gesundheit geschadet? Es ist unmöglich das zu wissen, aber ich bin froh dies nicht riskiert zu haben.

Wie viele glattzüngige Betrüger und verführerische, aber wertlose, Produkte haben es nicht geschafft, mich in die Irre zu führen? Wie vielen Organisationen, die auf Lügen oder unrettbar fragwürdigen Behauptungen basieren, bin ich nicht beigetreten, wodurch ich keine kostbaren Stunden, Tage oder Jahre meines Lebens verschwendet habe? Wie viel stärker und selbstbewusster habe ich jedem neuen Tag ins Gesicht geblickt, weil praktisch alle meine Ängste und Sorgen davon begrenzt wurden, wo die bekannte Realität endet?

Ich mache mir Sorgen um diejenigen, die schwache Skeptiker sind. Es macht mich traurig zu sehen, wie Menschen straucheln. Es sollte nicht so viele Opfer geben. Ich glaube, dass jeder wie ein Wissenschaftler denken kann und jeder sollte es wollen. Dieses Buch wird Ihnen zeigen wie das geht. Wenn sie schon ein guter Skeptiker sind, kann es Ihnen helfen ein noch besserer zu werden. Es wird Ihnen ebenfalls effektivere Wege zeigen, wie sie diese Botschaft unter Freunden und Familienmitgliedern, die vielleicht ein wenig zu leichtfertig in ihrem Glauben sind, verbreiten könnten.

Wie ein Wissenschaftler zu denken, garantiert natürlich niemandem ein perfektes Leben ohne Fehler und frei von jeder Gefahr. Aber es versetzt sie in die bestmögliche Position um erfolgreich ihren Weg durch unsere verrückte Welt zu gehen. Unzureichender Skeptizismus ist vielleicht die am wenigsten bemerkte globale Krise von allen. Energisch und lückenlos angewandt, könnte der Skeptizismus die Menschheit über Nacht verbessern.

Es ist unsere am stärksten vernachlässigte Verteidigung und ungenutzte Waffe.

Politiker erwähnen es nie.

Lehrer bringen es kaum bei.

Wenige Eltern ermutigen dazu.

Deshalb macht die Welt, Generation für Generation, gegen wenig Widerstand, mit ihren Lügen und Täuschungen weiter. Die Kosten dafür, so viele unbewiesene Behauptungen und falsche Ansichten nicht zu hinterfragen, sieht man in beschränkten und verlorenen Leben. Die meisten Leute unterschätzen, wie einfach gesunde und aufgeweckte Menschen, sich selbst eingeschlossen, von irrationalen Ideen anderer verführt werden oder von den natürlichen Prozessen ihres eigenen Gehirns ins Land der Fantasie geführt werden. Eines der Ziele dieses Buches liegt darin sicherzustellen, dass sie diesen Fehler nicht begehen.

Ich nehme an, dass man es als ein lehrreiches oder aufklärerisches Buch beschreiben könnte, aber es ist für den Leser sehr wichtig zu verstehen, dass es keine Sammlung von Tatsachen oder eine Darbietung von Argumenten ist, um Leuten zu sagen, was sie denken sollen. Dieses Buch geht darum, wie man denken soll.

Ich suche nicht nach loyalen Kameraden und hoffe auch nicht darauf die Menge derer zu vergrößern, zu denen ich predigen kann. Ich will die Leser dazu anregen für sich selbst zu denken und zwar auf eine vernünftige Weise, die es ihnen ermöglicht, ihren eigenen Kurs im Leben festzulegen, ohne ständig von irgendeinem irrationalen Glauben aus dem Konzept gebracht zu werden. Ich will wirklich nicht, dass die Leser mich als eine Autorität ansehen, auf die sie sich verlassen können, als eine Art Abkürzung für ihr eigenes Denken. Ich denke zum Beispiel nicht, dass ein Medium Gedanken lesen und eine zwei-Wege Unterhaltung mit toten Menschen ausüben kann. Aber verlassen sie sich nicht auf mein Wort. Finden sie es für sich selbst heraus, wie ein guter Skeptiker es machen würde. Ich habe mich schon geirrt; vielleicht irre ich mich auch hier.

Dieses Buch erfordert Selbstständigkeit. Es geht um sie. Um in der realen Welt zu leben und hoffentlich zu vermeiden, das mitleiderregende Spielzeug von Betrügern, Verrückten oder ehrlichen-aber-irregeleiteten Menschen zu werden, müssen sie ihr Gehirn benutzen und sich darauf verlassen. Sicher, Expertenmeinungen und Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen sind wichtig, aber nicht annährend so wichtig, wie ihre eigene Fähigkeit weise zu reagieren, wenn außergewöhnliche Behauptungen an ihre Türe klopfen. Sich selbst zuliebe, müssen sie wissen, wie sie herausfinden können, ob sie diese hereinlassen oder die Tür zuknallen.

Ohne Zweifel gibt es eine unendliche Zahl seltsamer Behauptungen, ungewöhnlicher Ideen, gefährlicher Ideen und wahrscheinlich-nicht-wahrer Ansichten, die sie jeden Tag belästigen. Menschen erfinden jeden Tag neue Behauptungen und deshalb können wir kaum maßgeschneiderte, vorbereitete Antworten für jede davon in unseren Kopf haben. Ein guter Skeptiker ist für alle davon bereit, einfach weil er weiß, wie kritisches Denken funktioniert und weil er die Weisheit verinnerlicht hat, alles in Frage zu stellen.

Ein guter Skeptiker muss auch die grundlegenden Tatsachen darüber kennen, was das menschliche Gehirn benötigt, um gut zu funktionieren, denn hier beginnt alles. Forscher sammeln weiterhin Belege, die zeigen, dass Ernährung und physische Aktivität noch viel wichtiger sind, als wir je vermutet hatten. Beim Verbreiten der Informationen über Wissenschaft und Skeptizismus an andere, kann eine minimale Kenntnis von Hintergrundinformationen und alternativen Erklärungen für einige der verbreitetsten Ansichten ebenfalls hilfreich sein. Dieses Buch wird auch bei diesen Dingen helfen.

Skeptizismus ist eine wichtige Sache für jeden. Es ist etwas, was wir alle benötigen, unabhängig von Intelligenz, Bildung, Wohnort, sozialem Status oder Einkommen. Die bloße Tatsache, dass sie ein menschliches Gehirn haben, macht sie extrem verwundbar dafür, Dinge zu glauben, die nicht wahr sind. Dem können sie nicht entkommen. Die natürlichen Prozesse und Instinkte, die wir alle in uns tragen, legen uns darauf fest, auf Dinge hereinzufallen, die nicht wahr oder real sind. Das folgt einfach aus dem Menschsein. Wenn sie das leugnen und denken immun dagegen zu sein, dann sind sie nur noch gefährdeter für Unsinn und Täuschungen.

Glücklicherweise kann dasselbe Gehirn, welches uns so oft hinters Licht führt und täuscht, ebenfalls sehr gut darin sein, uns zu beschützen. Es kann der wachsamste und effektivste Beschützer sein, den sie jemals haben können. Oder es kann eine Quelle von ständigen Problemen sein.

Es liegt ganz an Ihnen.

— Guy P. Harrison


4 Kommentare

  1. Antonia

    Hallo Stephan,

    du scheinst dich wohl sehr mit dem Thema “Religion” zu befassen, besonders mit der Frage nach der Existenz Gottes. Für jemanden, der sich aber seiner Meinung ziemlich sicher ist, stellst du diese sehr oft. Wartest du etwa auf den Tag, an dem dir jemand ein Argument liefert, das dich umstimmt? ;)

    Ich habe mir nun einiges von dir durchgelesen und würde gerne etwas von dir wissen. Du bist ein Atheist. Das hast du deutlich zum Ausdruck gebracht, aber auch als Atheist kann man gewisse Vorstellungen haben z.B. vom “Anfang” und vom “Ende”. Wie siehst du das? Wie ist deiner Meinung nach die Welt entstanden und was passiert nach dem Tod mit dem Menschen? Das würde mich interessieren.

    Liebe Grüße

    Antonia

  2. Stephan

    Hallo Antonia,

    „du scheinst dich wohl sehr mit dem Thema “Religion” zu befassen, besonders mit der Frage nach der Existenz Gottes.“

    Mich interessieren viele Themen. Religion und die Frage nach der Existenz Gottes, ist eines davon. Mich interessieren z.B. auch die Fragen, ob Religion gut für einzelne Menschen ist oder eine ganze Gesellschaft bzw. die Menschheit. Bringt Religion mehr Nutzen als Schaden?

    Siehe auch hier:
    http://www.nachdenken-bitte.de/sonstiges/warum-und-wie-bin-ich-zu-diesem-blog-gekommen/

    „Für jemanden, der sich aber seiner Meinung ziemlich sicher ist, stellst du diese sehr oft. Wartest du etwa auf den Tag, an dem dir jemand ein Argument liefert, das dich umstimmt? “

    Na ja, ich bin mir meiner Meinung ziemlich sicher, weil es sehr viele gute Argumente und Belege für meine Meinung gibt.
    Und ich stelle die Frage oft, weil es dazu einiges zu sagen gibt, viel viel mehr als ich bisher dazu geschrieben habe.

    In der Tat warte ich darauf, eines Tages ein gutes oder besseres Argument zu hören. Dafür bin ich immer offen. Ich bezweifle zwar, dass dieser Tag kommt, weil ich schon so viele schlechte und falsche Argumente gehört habe und mich immer frage, warum Menschen nicht ihr bestes, überzeugendstes Argument am Anfang einer Diskussion nennen. Aber das tun sie ja, nur ist ihr bestes Argument schon sehr schlecht.

    Aber ich kann mich irren und deshalb bin ich offen dafür, irgendwann doch etwas Besseres zu hören.

    „Ich habe mir nun einiges von dir durchgelesen und würde gerne etwas von dir wissen. Du bist ein Atheist.“

    Richtig, ich bin ein Atheist. So wie alle Menschen bei Ihrer Geburt Atheisten sind. Und so wie alle Menschen auch später noch Atheisten sind, in Bezug auf die meisten Götter. (Fast) Niemand glaubt mehr an Thor, Odin, Zeus oder tausende und abertausende von anderen Göttern.
    Du bist selbst Atheistin in Bezug auf diese.
    Der Unterschied zwischen mir und Menschen, die noch an einen Gott glauben, ist nur der Glaube (oder fehlende Glaube) an die Existenz dieses einen Gottes.

    Und wir sind auch (fast) alle A-Einhornisten oder A-Koboldisten. Niemand glaubt tatsächlich an die Existenz von Einhörnern oder Kobolden, einfach weil es keine guten Argumente, geschweige denn Belege FÜR deren tatsächliche Existenz gibt.

    „Das hast du deutlich zum Ausdruck gebracht, aber auch als Atheist kann man gewisse Vorstellungen haben z.B. vom “Anfang” und vom “Ende”. Wie siehst du das? Wie ist deiner Meinung nach die Welt entstanden und was passiert nach dem Tod mit dem Menschen? Das würde mich interessieren.“

    Völlig richtig, auch als Atheist kann man dazu Ideen haben.

    “Anfang” und “Ende” von was?

    Von mir selbst? Von der Menschheit? Vom Leben? Von der Erde? Vom Universum? Von ALLEM?

    Von mir selbst:
    Ich wurde geboren und werde sterben. Wenn mein Gehirn nicht mehr funktioniert (und sich „aufgelöst“ hat), dann bin „ICH“ weg. Ich existiere dann nicht mehr, habe kein Bewusstsein mehr.
    Mein Gehirn ist „ICH“, dass sieht man z.B. gut an Alzheimer oder Demenz Patienten. Sie verschwinden, also ihr Charakter, ihre Persönlichkeit, alles. Weil ihr Gehirn geschädigt ist, wird auch ihre Persönlichkeit, ihr Bewusstsein geschädigt.
    Wir haben nur dieses eine Leben.

    Von der Menschheit:
    Sie wird aussterben, wie alles Leben. Die Fragen sind nur „wann“ und „wie“. Entwickelt sich die Menschheit „weiter“, so wie Affen sich zum Menschen entwickelt haben, oder stirbt die Menschheit aus wie die Mammuts? Und wie lange dauert das?

    Vom Leben:
    Wie genau das Leben entstanden ist, wissen wir (noch) nicht. Aber irgendwann vor 3,5 Milliarden Jahren auf der Erde.
    Das Ende vom Leben ist dann da, wenn kein Energieumsatz mehr stattfinden kann, also alles im Gleichgewicht ist und das Universum einen Wärmetod „gestorben“ ist.

    Vom Universum:
    Gott sprach, es werde Licht. Und es ward Licht. Am Anfang war das Licht. Dann hat Gott Adam aus Lehm erschaffen und Eva aus einer Rippe von Adam.
    Kleiner Scherz.

    Das Universum ist im Urknall entstanden und wird (wahrscheinlich) einen Wärmetod erleiden.
    http://www.drillingsraum.de/room-universe_end/ende_universum.html

    Viele Grüße
    Stephan

  3. Antonia

    Lieber Stephan,

    wow, ich bin beeindruckt. Du scheinst wirklich sehr gebildet und schreibgewandt zu sein. Da kann ich leider nicht mithalten. Dennoch finde ich deine Meinung interessant, auch wenn ich vom Gegenteil überzeugt bin. Vielleicht kann ich dich nicht umstimmen, aber vielleicht kann ich dir neuen Stoff zum Nachdenken geben.

    Ich denke, dass du auf die Existenz Gottes kein Argument finden wirst. Würde es tatsächlich ein solch starkes Argument geben, würde ich es doch jeden erzählen, damit sich jeder bekehrt und zu Gott findet. Aber so eines gibt es nicht. Du hast doch sicher schon im römisch-katholischen Glauben gehört, dass Gott dem Menschen seine Freiheit lässt. Sogar die Freiheit, ob wir nun an ihn glauben oder nicht. Weil er uns so sehr liebt. Das bedeutet, dass man dieses Entscheidung nicht aufgrund von Fakten treffen kann, sondern nur aus seinen Überzeugungen.

    Glaubst du tatsächlich, dass die Welt bloß aus dem Zufall heraus entstanden ist? Dass all das, was du um dich herum siehst, keinen wirklichen Sinn hat?
    Ich muss nur in die Natur hinausgehen, um aus dem Staunen nicht mehr herauszukommen. Alles ist irgendwie so perfekt geschaffen. So als hätte jemand gewollt, dass diese Blume 5 geschwungene Blütenblätter hat, diese aber 10 gerade Blütenblätter.
    Jetzt kommt natürlich die Aussage, dass sich alles im Laufe der Milliarden von Jahren so entwickelt hat. Man kann mir trotzdem noch so viele „Milliarden von Jahre“ auftischen, damit alles glaubwürdiger erscheint, damit so ein Wunder entstehen kann. Ich glaube fest daran, dass jemand all das so gewollt hat. Hier gefällt mir gut der Spruch: „Jedes Gesetz braucht auch einen Gesetzgeber.“

    Deine Meinung scheint auch immer auf naturwissenschaftlicher Basis zu beruhen. Nehmen wir mal an, dass Gott die Welt geschaffen hat. (Deine Überzeugung über die Nichtexistenz Gottes lassen wir einmal außen vor.) Er hat die Erde, das Weltall, die Planeten, die Sonne, den Mond und auch uns geschaffen. Dann müsste er ja über alle Maßen mächtig und klug sein, oder? Natürlich dann auch klüger als wir, denn wir sind auch Teil seiner Schöpfung und verstehen nicht alles.
    Wir können auf noch so viele Fragen eine Antwort finden. Die Welt wirft immer wieder unbeantwortete Fragen auf.
    Worauf ich hinaus will, ist dieser Gedankengang: Wenn wir Gott verstehen würden, wäre das dann nicht ein erbärmlicher Gott?

    Ich hoffe, ich langweile dich nicht mit meinen Überzeugungen. Es ist gut möglich, dass du das auch schon oft gehört hast. Wenn das der Fall wäre, tut es mir leid, dass ich deine Zeit verschwendet habe.

    Herzliche Grüße

    Antonia

  4. Stephan

    Liebe Antonia,

    „wow, ich bin beeindruckt. Du scheinst wirklich sehr gebildet und schreibgewandt zu sein. Da kann ich leider nicht mithalten.“

    Das brauchst du wirklich nicht zu sein. Frag mal meinen Deutschlehrer vom Gymnasium. Der würde sich totlachen, wenn er hören oder lesen würde, dass mich jemand als schreibgewandt bezeichnet. Und zu Recht würde er lachen. Die letzte Deutsch-Klausur habe ich, nachdem ich meinen Namen und das Datum hingeschrieben hatte, leer abgegeben, weil ich keine Lust auf eine Erörterung und null Ahnung von dem Buch hatte.
    Du kannst da bestimmt mithalten.

    „Dennoch finde ich deine Meinung interessant, auch wenn ich vom Gegenteil überzeugt bin. Vielleicht kann ich dich nicht umstimmen, aber vielleicht kann ich dir neuen Stoff zum Nachdenken geben.“

    Ich denke immer gerne nach. Es stellt sich nur die Frage, warum du von Gegenteil überzeugt bist? Weil du so gute Argumente und Belege für deine Ansicht hast und präsentieren kannst, oder weil du so aufgewachsen bist und es einfach fühlst?

    „Ich denke, dass du auf die Existenz Gottes kein Argument finden wirst. Würde es tatsächlich ein solch starkes Argument geben, würde ich es doch jeden erzählen, damit sich jeder bekehrt und zu Gott findet. Aber so eines gibt es nicht.“

    Warum? Also warum sollte man davon ausgehen, dass es für Gottes Existenz kein gutes Argument oder keinen guten Beleg gibt?

    Für die Existenz von Butter gibt es doch gute Belege. Du kannst dich von der Existenz von Butter in praktisch jedem Supermarkt überzeugen. Warum nicht für Gottes Existenz?

    Was ist mit Autos, Häusern, Menschen, Bäumen, Blumen, Wasser, Computer, Tischen, Hunden, Katzen, Straßen, Bildern, Schulen, Fahrrädern usw.? Warum gibt es dafür so viele gute Belege für deren Existenz?

    Was ist mit Kobolden, Pumuckel, Elfen, Engeln, Dämonen, Einhörnern, dem Loch Ness Monster, Yeti, Big Foot, Sauron, Saruman, Harry Potter, dem echten Weihnachtsmann, dem Osterhasen, usw.? Warum gibt es hier praktisch keine Belege für deren Existenz?

    Hast du vielleicht schon einmal darüber nachgedacht, dass wir deshalb gute und zahlreiche Belege für Dinge haben, weil sie wirklich existieren? Und dass wir vielleicht deshalb keine Belege für Dinge haben, weil sie nicht existieren?

    Könnte das so sein?

    „Du hast doch sicher schon im römisch-katholischen Glauben gehört, dass Gott dem Menschen seine Freiheit lässt. Sogar die Freiheit, ob wir nun an ihn glauben oder nicht. Weil er uns so sehr liebt. Das bedeutet, dass man dieses Entscheidung nicht aufgrund von Fakten treffen kann, sondern nur aus seinen Überzeugungen.“

    Nur mal ein paar Infos über mich:

    Ich bin römisch-katholisch getauft, hatte mit 9 Jahren Bibelunterricht über mehrere Monate, direkt daran die Kommunion, mit 13 oder 14 Jahren Firmung. Ich komme aus Bayern, dem gläubigsten Bundesland.
    Mit 19 Jahren bin ich aus der Kirche ausgetreten. Jetzt bin ich 36 Jahre.

    Wenn wir Gott nicht verstehen können und wir praktisch nichts über ihn wissen, woher willst du (oder irgendjemand) wissen, dass er uns Freiheit oder einen freien Willen gegeben hat? Woher willst du wissen, dass er uns liebt?

    Was ist mit dem ganzen Bösen, mit den Krankheiten, dem Schmerz und Elend, den Naturkatastrophen usw.? Warum lässt er das zu, wenn er uns soooo sehr liebt? Hast du schon einmal von „Theodizee“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Theodizee) gehört?

    Natürlich triffst du und jeder Mensch seine Entscheidungen aus seinen Überzeugungen. Aber es stellt sich doch die Frage, wann und warum man von irgendwas überzeugt ist?
    Das Problem ist, dass wir Menschen uns stärker von Gefühlen überzeugen lassen, als von unserem klaren Verstand und unserer Vernunft.

    „Glaubst du tatsächlich, dass die Welt bloß aus dem Zufall heraus entstanden ist? Dass all das, was du um dich herum siehst, keinen wirklichen Sinn hat?“

    Das habe ich schon lange nicht mehr gehört…ist ironisch gemeint.

    Ich weiß nicht, warum oder wie „die Welt“ entstanden ist. Aber nur weil ich das nicht weiß, bedeutet es erstens nicht, dass die einzigen zwei Möglichkeiten „Zufall“ oder „Schöpfer“ sind. Zweitens ist es viel ehrlicher und klüger, zu sagen, dass man etwas nicht weiß, als sich eine hanebüchene Märchengeschichte auszudenken, die dann angeblich eine „Erklärung“ sein soll.

    Und zum Thema „Sinn“, empfehle ich dir das hervorragende Buch:
    http://www.amazon.de/Der-Sinn-Lebens-Philosophie-Alltag/dp/3492247059

    „Ich muss nur in die Natur hinausgehen, um aus dem Staunen nicht mehr herauszukommen. Alles ist irgendwie so perfekt geschaffen. So als hätte jemand gewollt, dass diese Blume 5 geschwungene Blütenblätter hat, diese aber 10 gerade Blütenblätter.
    Jetzt kommt natürlich die Aussage, dass sich alles im Laufe der Milliarden von Jahren so entwickelt hat. Man kann mir trotzdem noch so viele „Milliarden von Jahre“ auftischen, damit alles glaubwürdiger erscheint, damit so ein Wunder entstehen kann.“

    Das habe ich auch schon lange nicht mehr gehört…

    Puh…was soll ich dazu sagen… Ich finde die Natur und die Welt ebenfalls wunderschön. Aber perfekt ist da gar nichts. Überlege dir nur mal, wie viele verschiedene Krankheiten der Mensch bekommen kann.

    Und du kommst dann mit Blumen an. Was ist denn mit dem ganzen Leid im Tierreich und Pflanzenreich. Löwen reißen Gazellen in Stücke, bei (noch) lebendigem Leib.

    Und die Evolutionstheorie erklärt dies sehr gut, wie alles so kommen konnte. Das hat nichts mit „auftischen“ zu tun.
    Du hast dich offenbar nicht einmal ansatzweise mit der Evolutionstheorie beschäftigt. Vielleicht willst du das ja auch gar nicht. Vielleicht akzeptierst du keinerlei andere Erklärung als das, was du glaubst und glauben willst, egal wie offensichtlich das falsch ist.

    „Ich glaube fest daran, dass jemand all das so gewollt hat. Hier gefällt mir gut der Spruch: „Jedes Gesetz braucht auch einen Gesetzgeber.“

    Ja, siehst du, dieser erste Satz von dir sagt alles. Du „glaubst“ daran, weil du daran glauben willst, dass es einen „Jemand“ gibt. Argumente und Belege sind dir offensichtlich egal.

    „Deine Meinung scheint auch immer auf naturwissenschaftlicher Basis zu beruhen.“

    Richtig, das ist ein wichtiger Teil meiner Informationen, aus denen ich meine Meinung bilde. Dazu gehört aber auch Logik, Philosophie, allgemein die Wissenschaften, kritisches Denken und vielleicht noch ein paar andere Dinge.

    „Nehmen wir mal an, dass Gott die Welt geschaffen hat. (Deine Überzeugung über die Nichtexistenz Gottes lassen wir einmal außen vor.) Er hat die Erde, das Weltall, die Planeten, die Sonne, den Mond und auch uns geschaffen. Dann müsste er ja über alle Maßen mächtig und klug sein, oder? Natürlich dann auch klüger als wir, denn wir sind auch Teil seiner Schöpfung und verstehen nicht alles.
    Wir können auf noch so viele Fragen eine Antwort finden. Die Welt wirft immer wieder unbeantwortete Fragen auf.
    Worauf ich hinaus will, ist dieser Gedankengang: Wenn wir Gott verstehen würden, wäre das dann nicht ein erbärmlicher Gott?“

    Nö. Warum? Nur weil ich verstehe, warum meine Katze für Futter fast alles tun würde, wird sie nicht „erbärmlich“, ganz im Gegenteil.

    Nur weil ich verstehe, wie sich die Planeten und Sonnen im Universum bewegen, sind sie nicht weniger schön oder faszinierend, ganz im Gegenteil.

    Und nur weil ich verstehe, wie sich eine Blume mit Hilfe von Molekülbauprozessen aufbaut, entsteht, wächst und blüht, blüht sie nicht weniger schön in verschiedenen Farben.
    Ich kann so eine Denkweise überhaupt nicht nachvollziehen.

    Nur weil ich irgendwas vielleicht verstehe oder erklären kann, wird es dadurch nicht weniger schön. Ganz im Gegenteil, es kommt Schönheit hinzu durch das Verstehen.

    Da halte ich es mit Richard Feynman:
    http://www.wimp.com/feynmanbeauty/
    http://www.goodreads.com/quotes/184384-i-have-a-friend-who-s-an-artist-and-has-sometimes

    „Ich hoffe, ich langweile dich nicht mit meinen Überzeugungen. Es ist gut möglich, dass du das auch schon oft gehört hast. Wenn das der Fall wäre, tut es mir leid, dass ich deine Zeit verschwendet habe.“

    Nein, du langweilst mich überhaupt nicht mit deinen Überzeugungen. Sei mir bitte nicht böse, wenn du denkst, ich antworte zu direkt und ruppig. Ich meine das überhaupt nicht böse, aber das Leben ist zu kurz für Missverständnisse und Unklarheiten.
    Ich habe diese „Argumente“ oder Überzeugungen schon sehr, sehr oft gehört. Und sie überzeugen mich überhaupt nicht.

    Du kannst, falls es dich interessiert, hier noch einige meiner Gedanken nachlesen:

    http://www.nachdenken-bitte.de/religion/existiert-gott/
    http://www.nachdenken-bitte.de/religion/hat-sich-mir-gott-offenbart-eine-personliche-wahre-geschichte/
    http://www.nachdenken-bitte.de/kritisches-denken/warum-gibt-es-so-viele-verschiedene-religionen-aber-nur-eine-mathematik/
    http://www.nachdenken-bitte.de/religion/wahlt-man-seine-eigene-religion/
    http://www.nachdenken-bitte.de/wissenschaft/warum-wissenschaft-und-religion-vollig-inkompatibel-sind/
    http://www.nachdenken-bitte.de/wissenschaft/der-unterschied-zwischen-wissenschaft-theologie-und-esoterik/
    http://www.nachdenken-bitte.de/religion/das-beste-und-starkste-argument-gegen-religionen/

    Viele Grüße
    Stephan

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