Die beste Frage besteht aus nur vier Wörtern: Woher weißt du das?

Fragen zu stellen ist wichtig. Vielleicht sogar wichtiger als die Antworten, zumindest im ersten Schritt. Leider kann man auch sinnlose oder irreführende Fragen stellen. Es ist nicht immer einfach, gute Fragen zu stellen, aber es ist wichtig, sich zu überlegen, ob eine Frage gut ist oder nicht.

Ich möchte hier kurz über eine, meiner Meinung nach, sehr gute Frage, vielleicht eine der besten (vielleicht sogar die Beste?) reden, nämlich die Frage: „Woher weißt du das?“

Weshalb halte ich diese Frage für so gut? Was sind Kriterien, die eine Frage als „gut“ kennzeichnen?

Erstens ist die Frage „Woher weißt du das?“ ziemlich allgemein gehalten, d.h. man kann sie fast immer und zu jedem Thema stellen. Das bedeutet nicht, dass eine sehr spezifische Frage schlecht ist, ganz im Gegenteil, aber der Vorteil dieser allgemeinen Frage ist ihr äußerst großer Anwendungsbereich.

Zweitens, und das ist noch viel wichtiger als der erste Punkt, ist diese Frage ein „Diskussionsöffner“, d.h. sie kann den Beginn einer interessanten Diskussion anregen. Diese Frage ist neutral, offen gestellt und der Gefragte hat alle Freiheiten darauf so zu antworten, wie er will.

Drittens, was eng mit zweitens zusammenhängt, sorgt diese Frage dafür, dass man nachdenken muss, und zwar sowohl derjenige, der die Frage stellt und natürlich auch derjenige, der diese Frage gestellt bekommt. Manchmal ist man selbst überrascht, wenn man diese Frage gestellt bekommt, vielleicht weil man es für selbstverständlich hält, was man glaubt oder weil man Probleme hat, darauf zu antworten. Eben deshalb ist die Frage so gut, weil man gezwungen ist, klar auszudrücken, wie der eigene Standpunkt ist und noch wichtiger, wie man dazu gekommen ist, diesen zu haben.

Viertens muss und kann man dem Fragesteller den Weg Schritt für Schritt erklären, warum man aktuell die Meinung X zum Thema Y hat. Man macht seine Gedankengänge transparent und der Fragesteller kann selbst nachvollziehen, weshalb man Meinung X hat.

Fünftens ist man zu einer Art Rechtfertigung gezwungen, d.h. wenn man will, dass der andere versteht, warum man Meinung X hat und/oder wenn man will, das der Fragesteller eventuell auch Meinung X haben sollte, muss man dies rechtfertigen. Das Wort „Rechtfertigung“ mag für manche sehr negativ klingen, so nach dem Motto „Ich habe etwas falsch gemacht und muss mich nun dafür rechtfertigen“. Aber von dieser negativen Bedeutung sollte man sich frei machen und nicht einschüchtern lassen. Es ist nicht nur gut, wenn man seine Ansichten und Meinungen erklären, rechtfertigen und damit verteidigen kann, sondern es ist sogar notwendig und unausweichlich. Man muss in der Lage sein darzulegen, welche Gründe und Argumente einen selbst überzeugt haben, zu seiner aktuellen Meinung zu kommen. Das mag manchmal schwierig für einen selbst sein, wenn man sich nicht im Klaren darüber ist, warum man eine bestimmte Meinung zu einem Thema hat, aber es ist notwendig, wenn man jemand anderem das ernsthaft erklären will.

Sechstens, und das ist für mich der wahrscheinlich wichtigste Punkt, sorgt diese Frage dafür, dass man eine Chance hat, die Wahrheit zu erkennen. Erst wenn alle Gründe, Argumente und Belege „auf dem Tisch“ liegen, kann sich jeder überlegen, was man davon halten soll. Sind die Gründe, Argumente und Belege gut oder schlecht? Wurde etwas übersehen oder vergessen? Dann kann man sich überlegen, ob die Meinung X zu rechtfertigen ist mit den vorliegenden Gründen, Argumenten und Belegen oder ob nicht eine andere oder sogar die gegenteilige Meinung viel plausibler ist. Mit ein wenig Glück erkennt man durch diese Frage sogar, ob eine Meinung oder Behauptung (wahrscheinlich) wahr oder falsch ist. Dafür gibt es natürlich keine Garantie, aber zumindest hat man sich Mühe gegeben und alles gegeben, um die Meinung zu verstehen, nachzuvollziehen und dann im eigenen Urteil entweder abzulehnen oder zu akzeptieren.

Die zwei Hauptstärken der Frage „Woher weißt du das?“, liegen also in dem Anstoß nachdenken zu müssen und in der erreichten Transparenz.

Was mir persönlich an dieser Frage noch so gefällt, ist ihre Unscheinbarkeit. Sie sieht so harmlos aus und klingt vielleicht anfangs auch völlig harmlos. Aber sie ist scharf wie ein Samurai-Schwert, äußerst mächtig, unerbittlich und gnadenlos zu jedem, der sie unterschätzt.

Das schöne ist, sie ist auch gerecht und fair. Sie entlarvt sinnlose, lächerliche oder einfach falsche Behauptungen und Meinungen als das, was sie sind. Das macht sie nicht mit sinnvollen, gut begründeten und (wahrscheinlich) wahren Behauptungen und Meinungen, ganz im Gegenteil.

Erweise ich dieser Frage zu viel Ehre? Gibt es noch bessere oder zumindest ähnlich gute Fragen? Vielleicht, ich weiß es nicht. Aber solange ich nichts von einer noch besseren Frage weiß, bleibt die Frage „Woher weißt du das?“ meine Nummer eins!


1 Kommentar

  1. Gute Frage, das werde ich mir merken und selbst benutzen. Ansonsten ist noch: “Unter welchen Bedingungen gilt das?” ganz nützlich.

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