Meinungen, Ansichten, Ideen, Überzeugungen, Entscheidungen und Handlungen

Jeder von uns hat bestimmte Ansichten, Meinungen und Ideen über bestimmte Themen. Manche (oder sogar sehr viele) unserer Meinungen sind uns nicht einmal explizit bewusst. Die meisten Menschen haben z.B. die Meinung, dass die Erde die Form einer „Kugel“ hat.

Wir sind uns all unserer Meinungen nicht immer bewusst, einfach weil es viel zu viele Dinge und Themen gibt, über die wir irgendeine Meinung haben. Es gibt aber natürlich auch Dinge oder Themen, über die wir keinerlei Meinung haben, weil wir zum Beispiel kein Interesse an dem Thema haben oder uns die minimalen und notwendigen Informationen fehlen, um uns überhaupt irgendeine Meinung bilden zu können.

So weit ist das alles unspektakulär, banal und trivial.

Es gibt nun das Grund- bzw. Menschenrecht der Meinungsfreiheit und der Freiheit der Meinungsäußerung (zumindest in den „zivilisierten“ Ländern). Ich halte diese beiden Grundrechte für äußerst wichtig. Jeder hat das Recht, seine Meinung zu einer bestimmten Sache oder über ein bestimmtes Thema zu behalten, also die Freiheit seine Meinung nicht durch äußeren Zwang ändern zu müssen. Und jeder hat auch das Recht, seine Meinung frei (in der Öffentlichkeit) äußern zu dürfen und nicht durch äußere Zwänge gewaltsam daran gehindert zu werden. (Diese beiden Rechte können auch an Grenzen stoßen, aber das soll nicht das Thema hier sein.)

Wir alle leben unser Leben nun nach den Ansichten, die wir uns gebildet haben. Wir haben Meinungen, Überzeugungen und Ideen, und diese beeinflussen entscheidend, wie und welche Entscheidungen wir treffen und wie wir demzufolge handeln. Auch das mag sehr banal klingen, aber ich halte es für wichtig, sich dessen bewusst zu sein.

Die mit großem Abstand wichtigsten zwei Fragen für mich sind nun die, ob unsere Meinungen wahr sind und wie wir herausfinden können, ob sie wahr sind. Die erste Frage, also ob unsere Meinung wahr ist, ist deshalb so wichtig, weil wir Entscheidungen aufgrund unserer Meinung treffen und danach handeln.

Wenn jemand z.B. denkt, dass nur Vitamintabletten seinen Darmkrebs heilen können, dann schluckt er nur Vitamintabletten und geht nicht mehr zu einem Arzt. Sollte seine Meinung nun falsch sein, und Vitamintabletten heilen seinen Darmkrebs überhaupt nicht, dann wird er (schneller, früher, schmerzvoller etc.) sterben. Man kann sich jetzt unendlich viele Beispiele dafür ausdenken, welche Konsequenzen eine bestimmte Meinung bei einem bestimmten Thema hat.

Der Punkt ist der, dass eine falsche Meinung fast immer negative Konsequenzen haben wird. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Meinungen wahr sind, oder wir sollten zumindest anstreben so viel wie möglich „wahre Meinungen“ und so wenig wie möglich „falsche Meinungen“ zu haben.

Die zweite Frage ist viel schwieriger und langwieriger zu beantworten, also wie wir herausfinden, ob eine Meinung wahr ist oder nicht. Ich will versuchen es so kurz wie möglich zu erklären: Zuerst muss geklärt werden, was „wahr“ überhaupt bedeutet. Aus der Erkenntnistheorie kommt die „Korrespondenztheorie der Wahrheit“, die besagt, dass eine Meinung (Behauptung) dann wahr ist, wenn sie mit der Wirklichkeit (Realität) korrespondiert, also übereinstimmt. Das klingt jetzt sehr hochgestochen und theoretisch, ist aber relativ einfach erklärt: Wenn man die Meinung hat, dass die Erde eine Kugelform hat (Man stellt also die Behauptung auf: „Die Erde hat eine Kugelform!“), dann ist diese Meinung dann, und nur dann, wahr, wenn die Erde in der Wirklichkeit tatsächlich eine Kugelform hat. Wenn die Erde z.B. eine Scheibenform hätte, dann wäre die Meinung falsch, da die Meinung „Kugelform“ nicht mit der Realität „Scheibenform“ übereinstimmen würde.

Anderes Beispiel: Wenn jemand die Ansicht hat, dass er gestern im Kino war, dann ist diese Ansicht nur dann wahr, wenn er tatsächlich in der Realität gestern im Kino war.

Letztes Beispiel: Jemand denkt, dass zwei Äpfel und drei Äpfel zusammen fünf Äpfel ergeben, dann ist diese Meinung wahr, wenn in der Realität zwei Äpfel und drei Äpfel zusammen tatsächlich fünf Äpfel ergeben.

Es gibt zwar erkenntnistheoretische Einwände gegen die „Korrespondenztheorie der Wahrheit“, aber das geht zu sehr ins Detail und für unsere Zwecke hier ist diese Definition von Wahrheit erst einmal ausreichend.

Nachdem ich nun definiert habe, was „wahr“ bzw. was „Wahrheit“ ist und was man darunter verstehen kann, kommen wir zu der zweiten Hauptfrage zurück, wie man feststellen und herausfinden kann, ob eine Meinung, Ansicht, Behauptung wahr oder falsch ist. Das ist die schwierigste Frage und weil sie so schwierig ist, hat sich ein ganzes System, eine Methode oder ein Prozess extra dafür entwickelt: Die Wissenschaften.

Vereinfacht gesagt sind die Wissenschaften dafür da, herauszufinden ob eine Meinung (Behauptung) wahr oder falsch ist. Aber man muss nicht unbedingt ein Wissenschaftler sein, um diese Frage in sehr vielen Fällen beantworten zu können. In den Wissenschaften wendet man bestimmte Methoden an und benutzt bestimmte „Werkzeuge“, um herauszufinden, ob etwas wahr oder falsch ist. Und diese Methoden und „Werkzeuge“ stehen jedem Menschen offen und frei zur Verfügung. Es gibt nur eine einzige Voraussetzung, die man mitbringen muss, und die besteht darin, dass man sich wirklich dafür interessiert, ob etwas wahr oder falsch ist. Denn wenn es einem egal ist, ob eine Meinung oder Behauptung wahr oder falsch ist, dann wird man sich auch nicht dafür interessieren, wie man herausfindet, ob etwas wahr oder falsch ist.

Was sind denn nun einige der „Werkzeuge“ um die Wahrheit herauszufinden? Zum Beispiel Denken. Ja, „Denken“ ist wirklich ein Werkzeug, und sogar das Allerwichtigste. Das klingt so einfach und selbstverständlich, ist es aber leider nicht. Unter dem Werkzeug „Denken“ fasse ich viele „Unterwerkzeuge“ zusammen, wie Verstand und Vernunft benutzen, zweifeln, skeptisch und kritisch sein, Rationalität, Analyse, Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachten, nachdenken, reflektieren und ähnliches.

Ein weiteres äußerst wichtiges „Werkzeug“ ist die Überprüfung, der Test von Meinungen und Behauptungen. Stimmt eine Meinung oder Behauptung mit Tatsachen, Fakten, Daten und Informationen, die wir über die Welt und die Zusammenhänge der Behauptung haben, überein? Hier müssen wir wieder und zugleich das erste Werkzeug, nämlich „Denken“ benutzen, um entscheiden zu können, ob eine Meinung oder Behauptung einem Test und einer Überprüfung standhält oder nicht.

Es gibt noch viele weitere „Werkzeuge“, aber ich will jetzt einmal etwas konkreter werden und ein Beispiel nennen.

Manche Menschen denken, dass es die Erde seit erst 6000 Jahren gibt, sie also erst 6000 Jahre alt ist. Diese Meinung kann, wie jede Meinung, nun wahr oder falsch sein. Alleine von der Radiometrischen Datierung wissen wir, dass die Erde viel älter ist, nämlich ca. 4,5 Milliarden Jahre. Wir wissen das auch aus geologischer Sicht, denn die ganzen Gebirge können sich nicht zu solchen Höhen auftürmen in so kurzer Zeit. Wir wissen von der Evolutionstheorie, dass sich die ganzen Lebewesen nicht in so kurzer Zeit entwickelt haben können. Und dies sind nur einige wenige Dinge, die gegen ein Erdenalter von nur 6000 Jahren sprechen.

Hinzu kommt, dass die Menschen, die denken, die Erde sei nur 6000 Jahre alt, keine guten Argumente und Belege präsentieren können, die die Wahrheit ihrer Behauptung nahelegen oder wahrscheinlich machen, von beweisen gar nicht zu reden.

Diese Behauptung hält einer rationalen Überprüfung also nicht stand, ist nicht zu rechtfertigen und daher sollte man sie für falsch halten.

Wie schon gesagt, hat jeder Mensch das Recht diese Behauptung für wahr zu halten, er hat also das Recht auf seine eigene Meinung. Er hat sogar das Recht darauf diese Meinung (öffentlich) zu äußern. Worauf er aber kein Recht hat, sind seine eigenen Tatsachen. Er hat auch kein Recht darauf, dass seine Behauptung (Meinung) nicht kritisch überprüft wird. Und er hat kein Recht darauf, dass ihm nicht (öffentlich) widersprochen wird.

Zusammengefasst will ich folgendes sagen: Es sollte jedem wichtig sein, ob eine Meinung (Behauptung) wahr ist oder nicht. Denn wenn man eine Behauptung für wahr hält, wird sie automatisch zu der eigenen Meinung und Überzeugung. Unsere Überzeugungen sind hauptsächlich dafür verantwortlich, welche Entscheidungen wir treffen und unsere Entscheidungen beeinflussen entscheidend unsere Handlungen. Sollten wir nun irrtümlich eine Behauptung für wahr halten, die eigentlich falsch ist, dann treffen wir (wahrscheinlich) falsche Entscheidungen und handeln falsch. Falsche Entscheidungen und Handlungen sind (fast) immer negativ und schaden uns und/oder anderen.

Genau deshalb ist es wichtig, sich dafür zu interessieren, ob eine Behauptung (Meinung) wahr oder falsch ist.


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