Menschen lieben ihre Ansichten

Lieben Menschen ihre Ansichten? Ich möchte jetzt nicht über „Liebe“ im engeren Sinn reden und auch keine Definitionen für „Liebe“ besprechen. Mir geht es mehr um die Frage, ob und weshalb sich Menschen emotional mit ihren eigenen Ansichten identifizieren.

Deshalb ändere ich die Frage sofort um in: Identifizieren sich Menschen gefühlsmäßig mit ihren eigenen Ansichten?

Ich denke ja, sie machen das oft oder sogar (fast) immer. Auch ich mache das. Meine Ansichten sind mir lieb und teuer.

Hier schließt sich gleich die nächste Frage an: „Ist es gut und positiv, wenn man sich mit seinen eigenen Ansichten identifiziert?“

Ich denke nein, denn die eigenen Gefühle und eine (starke) Identifizierung mit seinen eigenen Ansichten machen es schwer bis unmöglich, Kritik anzunehmen. Sie machen es schwer auf Distanz zu seinen eigenen Ansichten zu gehen, diese zu reflektieren, zu prüfen, zu überdenken und vielleicht sogar diese weiter zu entwickeln und zu ändern.

Man könnte jetzt sagen: „Na und? Wo liegt das Problem?“ Das Problem liegt darin, dass man höchstwahrscheinlich schädliche, falsche und nicht zu rechtfertigende Ansichten hat, wenn man diese nicht überprüft und reflektiert, ob diese wahr sind. Wenn man glaubt, dass die Erde eine Scheibe ist, im Mittelpunkt des Universums ist und Homöopathie wirkt, dann trifft man andere Entscheidungen in seinem Leben. Da diese Entscheidungen auf falschen Annahmen und falschen Ansichten basieren, sind sie ebenfalls falsch. Da man auf seinen Entscheidungen seine Handlungen aufbaut, sind diese ebenfalls falsch und in der Konsequenz schadet man entweder sich selbst oder anderen.

Wer es als ein erstrebenswertes Ziel ansieht, sich selbst und/oder anderen Menschen zu schaden, der sollte seine eigenen Ansichten und Meinungen lieben und niemals hinterfragen, ob sie denn nun eher wahr oder eher falsch sind.


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