Nürnberger Nachrichten werben unkritisch für Astrologie

Ja, die böse „Lügenpresse“.

Ich kann das Wort „Lügenpresse“ schon nicht mehr hören, vor allem nicht von der Art von Leuten, die es meistens benutzen. Denn es ist eine völlige Überzeichnung dessen, was tatsächlich stattfindet. Es gibt viele gute Berichte, Artikel, Meinungsäußerungen und ähnliches in der Presse und den Medien. Vielleicht sogar wahre und nicht „gelogene“ Beiträge.

Leider gibt es natürlich auch eine andere Seite. Das müssen nicht unbedingt Lügen oder irgendwelche Verschwörungen sein, sondern meistens dürften es einfach schlechte Artikel (aus verschiedenen Gründen) sein.

Dieser Artikel in den Nürnberger Nachrichten (NN) ist einer der sehr schlechten und schwachen „Beiträge“ in unserer Medienlandschaft.

Es mag viele Kennzeichen von gutem Journalismus geben, aber einer der wichtigsten dürfte die Glaubwürdigkeit sein. Dazu gehört, dass man recherchieren kann, eine gewisse Bildung besitzt und kritisch denkt. Man sollte in der Lage sein Fakt von Fiktion zu unterscheiden.

Leider haben sich die Nürnberger Nachrichten mit dem ganzseitigen Beitrag von Fadi Keblawi, einem völlig unkritischen Werbeinterview mit einem Astrologen, keinen Gefallen getan, nicht zuletzt, weil es die Glaubwürdigkeit der Nürnberger Nachrichten stark beschädigen wird.

Es wird keinerlei wirklich kritische Frage gestellt. Man lässt den Sportastrologen den blanken Unsinn vor sich hin brabbeln und schwurbeln. Man gibt ihm eine Werbeplattform, ohne das zu hinterfragen oder zu reflektieren.

Astrologie ist esoterischer Unsinn. Sportastrologie übrigens auch!

Es gibt nicht nur keinerlei wissenschaftliche Belege, dass irgendeine Form der Astrologie funktioniert. Noch schlimmer: Es ist auch noch nicht einmal plausibel, dass sie irgendwie funktionieren könnte. Ja, es ist sogar so, dass man Astrologie wissenschaftlich überprüft hat und sie hat die Prüfungen nicht bestanden und gilt als widerlegt.

Mit fünf Minuten Recherche, ach was sag ich, mit zwei Minuten Recherche, hätte man das herausfinden können, nämlich z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder dort.

Natürlich darf jeder trotzdem „sein Horoskop“ lesen, daran glauben und Astrologie ganz toll finden. Fadi Keblawi darf selbstverständlich auch ein unkritisches Werbeinterview mit dem selbsternannten Astrologie-Profi Jannis Okun machen.

Wenn das allerdings in den Nürnberger Nachrichten erscheint, ohne Hinweis darauf, dass es Satire oder ein Karnevalswitz sein soll, dann beschädigt das die Glaubwürdigkeit und Seriosität der NN. Denn woher soll der Leser noch wissen, ob der nächste Beitrag über irgendein Thema, gut recherchiert ist, auf Fakten anstatt Unsinn und Fiktion beruht? Die Antwort lautet: Er kann es nicht wissen, sondern muss vermuten, dass die gleiche schlampige Nicht-Arbeit gemacht wurde und damit schwindet sein Vertrauen in die NN völlig zu Recht.

Wie wäre es mal, wenn die NN den Wissenschaftsteil ausbauen würden, anstatt den Esoterikteil auszubauen? Wie wäre es Aufklärung zu betreiben, Wissenschaft zu erklären und fördern, anstatt für Aberglauben, Leichtgläubigkeit und Unsinn zu werben?

Ich nehme mir jedenfalls meine Freiheit und kritisiere diesen Käseartikel. Hoffentlich mutieren nicht die ganze Nürnberger Nachrichten zu einem Käseblatt…


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  1. Stirb und Werde, auf und nieder, Astro-Blödsinn immer wieder – in den Nürnberger Nachrichten @ gwup | die skeptiker - [...] Nachrichten werben unkritisch für Astrologie, Nachdenken … bitte am 6. Februar [...]

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