Was schützt mich davor, Blödsinn für wahr zu halten, also zu glauben?

Woran liegt es, dass manche Menschen Dinge für wahr halten, die höchstwahrscheinlich nicht wahr sind?

Warum glauben manche Menschen, dass Horoskope funktionieren, dass noch nie Menschen auf dem Mond waren, dass die Erde nur 6000 Jahre alt ist, dass Homöopathie heilt und wirkt, dass es Telepathie und Telekinese gibt und diese funktionieren, dass Außerirdische unter uns leben, dass die Zahl 13 Unglück bringt  und das es „Gott“ wirklich gibt?

Was unterscheidet Menschen, die solche und ähnliche Behauptungen für wahr halten und damit glauben, von anderen Menschen, die dies nicht tun? Was ist das entscheidende Kriterium, welches den Unterschied ausmacht, ob man die Erde für eine Scheibe hält, oder eben nicht?

Warum glaube ich zum Beispiel nicht auch, dass diese (oder ähnliche) Behauptungen wahr sind?

Bin ich schlauer, cleverer oder intelligenter als Menschen, die diese Behauptungen glauben? Nein, das bin ich nicht unbedingt. Ich kenne viele Menschen, die viel klüger sind und dennoch (teilweise) solche Behauptungen wirklich glauben. Eine gute Bildung ist sicherlich sehr wichtig und stellt ein starkes Schutzschild dar, welches einen davor bewahren kann, Blödsinn zu glauben. Allerdings scheint das nicht ausreichend zu sein, pauschal auf „eine gute Bildung“ als Faktor hinzuweisen, denn es gibt auch gut gebildete Menschen, die Nonsens für wahr halten.

Sind Menschen, die alle möglichen Behauptungen glauben, nicht einfach naiv, leichtgläubig und abergläubisch? Nun, ja, das sind sie in der Tat ziemlich oft, aber warum sind sie es, was ist der tiefere Grund dafür?

Bin ich durch ein bestimmtes skeptisches und kritisches Denken davor geschützt, haltlose Behauptungen für wahr zu halten? Ja, das schützt mich tatsächlich davor. Nur das beantwortet nicht die Frage, warum ich skeptisch und kritisch denke. Wie bin ich dazu gekommen und warum bin ich nicht auch naiv, leichtgläubig oder abergläubisch, wie viele andere Menschen?

Was unterscheidet mich in dieser Hinsicht von anderen Menschen? Warum bin ich so wie ich bin und warum sind sie so wie sie sind?

Ich denke es liegt an der Neugier oder eben an einem Mangel davon.

Leichtgläubige Menschen akzeptieren die erstbeste Antwort auf eine Frage, bzw. sie stellen sehr wenige oder überhaupt keine Fragen. Eigentlich interessiert sie das Thema bzw. die Frage, ob irgendeine spezielle Behauptung wahr oder falsch ist, überhaupt nicht. Sie sind kaum oder überhaupt nicht neugierig darauf, etwas zu verstehen. Wenn doch einmal eine Frage in ihrem Leben auftaucht, egal in welchem Gebiet, dann sind sie leicht und schnell zufrieden zu stellen, mit irgendeiner Antwort. Dann denken sie, dass sie mehr Sicherheit gewonnen haben und alles ist ok. Vielleicht haben sie auch Angst davor Fragen zu stellen oder sie fürchten sich vor den Antworten, die kommen könnten.

Jedenfalls mangelt es ihnen an Interesse und Neugier, was auch immer der tiefere Grund dafür sein mag.

Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich bin unglaublich neugierig, tief erfüllt von einer kindlichen Neugier, die Welt und alles was ich irgendwie verstehen kann, zu erkunden und zu erforschen. Diese Motivation, dieser Antrieb sorgt automatisch dafür, dass ich Fragen stelle. Viele Fragen! Meine Neugier sorgt dafür, dass ich Themen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachte, sie hilft mir, keine lächerlichen oder faustgroben Antworten auf schwierige Fragen und Probleme zu akzeptieren. Meine Neugier hat mich automatisch, wie eine Art Autopilot, dazu gebracht kritisch und skeptisch zu denken, nachzudenken und nur Behauptungen für wahr zu halten, für die es gute Argumente und Belege gibt.

Ich wünsche es jedem, die Neugier in sich zu entdecken.

Sie ist mein Schutzschild, das Wichtigste von allen.


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