Wer nichts weiß, muss alles glauben

Wer wahre von falschen Behauptungen nicht unterscheiden kann, wem also nicht klar ist, wie (also mit welcher Methode) man sich davor schützt, falsche Behauptungen irrtümlich für wahr zu halten, muss eigentlich alles glauben.

Warum ist das so? Man kann nur drei Positionen zu einer Behauptung einnehmen. Man hält sie für wahr, für falsch oder enthält sich absichtlich eines Urteils. Das Problem ist, dass man jeden Tag unzählige von Entscheidungen treffen muss und treffen wird, ob man will oder nicht. Daher ist es unmöglich auf Dauer die Position einzunehmen, dass man sich eines Urteils enthält, sich also keine Meinung bildet, ob etwas wahr oder falsch ist.

Man muss sich also irgendwann entscheiden. Wie macht man das nun aber, wenn man überhaupt nicht in der Lage ist, nicht die Fähigkeit dazu besitzt, wenig Übung darin hat, wahr von falsch zu unterscheiden?

Im Prinzip verlässt man sich auf seine Intuition, seine Gefühle. Zumindest machen dies viele Menschen so. Leider ist das ein wenig wie raten, man gibt einen Tipp ab, der mehr oder weniger sicher ist.

Das Interessante daran ist nun, dass man in vielen, wahrscheinlich sogar den meisten Fällen richtig liegen wird, mit seiner eigenen Intuition, etwas für wahr oder falsch zu halten. Woran liegt das? Sind unsere Intuitionen, unsere Gefühle der beste Weg, die beste Methode, wahr und falsch unterscheiden zu können.

Nein, das sind sie nicht. Sie sind nur die zweitbeste Methode. Die schlechteste Methode, wahr und falsch zu unterscheiden, ist raten. Man wird zu 50% richtig und zu 50% falsch liegen, im Durchschnitt wohlgemerkt. Unsere Gefühle und Intuitionen, sind sehr viel besser als nur zu raten, weil wir in der Vergangenheit Erfahrungen gemacht haben und „gelernt“ haben, was funktioniert, was eher wahr und was eher falsch ist.

Man wird also bei Behauptungen, die alltägliche Dinge betreffen, bei denen jeder ausreichend Erfahrungen gemacht hat, mit ziemlicher Sicherheit zwischen wahr und falsch unterscheiden können. Man könnte hier böse hinzufügen, dass genau dies der Grund ist, dass sogar Menschen, die nicht besonders viel nachdenken, relativ gut durchs Leben kommen. Man muss kein Raketeningenieur sein, um verfaultes Brot zu erkennen (und nicht zu essen), die Toilette zu finden oder sonstige alltägliche Dinge zu erledigen, ohne sich großen Schaden zuzufügen.

Wäre es nicht schön, wenn das Leben nur aus diesen einfachen Entscheidungen bestehen würde, bei denen quasi jeder ziemlich leicht wahr und falsch unterscheiden kann?

Ja, vielleicht wäre es das, es ist aber nun einmal leider nicht so. Wir müssen Entscheidungen treffen, manche öfter manche seltener, über Dinge, mit denen wir vorher noch nie irgendetwas zu tun hatten, über die wir keinerlei Erfahrung haben.

Diese Entscheidungen sind oft schwerwiegender, als Alltagsentscheidungen, wie die, ob man nun 3-lagiges oder 4-lagiges Toilettenpapier benutzt. Bei wichtigeren Entscheidungen wäre „nur raten“ fatal. Gefühle und Intuitionen können hier auch kaum noch helfen, aus den oben genannten Gründen. Man kann es zwar damit versuchen, viele Menschen tun dies auch, aber es ist reine Glückssache, ob die Intuitionen von „bekannten Situationen, Behauptungen und Entscheidungen“ sich auch erfolgreich auf neue anwenden lassen.

Wer etwas sicherer sein will, sollte sich auf das mächtigste Werkzeug verlassen, welches wir Menschen haben, nämlich Rationalität. Seine Vernunft und seinen Verstand zu benutzen ist die mit Abstand wirksamste Methode und das beste Vorgehen, um zwischen wahr und falsch unterscheiden zu können. Nachdenken, reflektieren, analysieren, kritisch und skeptisch begutachten, aus mehreren Perspektiven betrachten, das alles ist unsere schärfste Waffe, unser bestes Werkzeug, um wahr von falsch, um Sinnvolles von (gefährlichem) Blödsinn unterscheiden zu können.

Ich kann nur alle Menschen ermutigen und dazu aufrufen, Gebrauch von diesem Werkzeug zu machen. Die Alternative, also sich nur auf „blindes Raten“ oder „Gefühle und Intuition“ zu verlassen,  ist einfach:

Wer nichts weiß, muss alles glauben, also selbst den größten Blödsinn und gefährlichsten Schwachsinn.

Ich möchte an dieser Stelle auch noch auf folgenden, wie immer hervorragenden, Artikel hinweisen:

Die Homöopathie-Lüge

Ich kann und muss Ulrich Berger (leider) völlig zustimmen, denn auf dem Klappentext des Buches, ist folgendes festgehalten, man kann es nicht schöner sagen:

Teuer und wirkungslos wecken sie falsche Hoffnung und verhindern im schlimmsten Fall echte Therapien. Vor allem aber untergraben sie ein Denken, das auf rationalen Kriterien beruht – wer Homöopathie für möglich hält, muss alles für möglich halten.


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