Medizin


Medizin ist keine Naturwissenschaft, aber sie bedient sich der Erkenntnisse von Physik, Chemie und Biologie (und auch Mathematik) mit dem Ziel Krankheiten zu beseitigen, bekämpfen und heilen oder wenigstens Beschwerden zu lindern.

Die durchschnittliche Lebenserwartung des Menschen hat sich alleine in den letzten 200-300 Jahren verdoppelt, auf über 80 Jahre. Ein Teil davon geht sicherlich auf die bessere medizinische Versorgung zurück, die hauptsächlich durch neue und gesicherte Erkenntnisse über den menschlichen Körper und dessen Funktionen vorangetrieben wurde. Die Botschaft lautet, dass wir Menschen im Durchschnitt immer länger leben und dabei immer länger gesund bleiben.

Das Thema „Medizin“ ist ein Sammelbecken an Vorurteilen, Fehlurteilen  und Missverständnissen.

Gerade deshalb sollte für diesen Bereich das wissenschaftliche Motto gelten: Behauptungen müssen belegt werden und je außergewöhnlicher eine Behauptung ist, umso besser müssen die Belege für die Wahrheit sein. Wer behauptet, man könnte mit Therapie X, Arzneimittel Y oder Verhalten Z, die Krankheiten oder Beschwerden K, L, O, R, F, W, P, Ö, C und A wirksam heilen, der trägt die Beweislast und hat mit (guten) Argumenten und vor allem (guten und starken) Belegen zu zeigen, dass seine Behauptung wahr ist und das Ganze funktioniert und wirkt.

Kann er dies nicht leisten, dann sollte man Therapie X, Arzneimittel Y oder Verhalten Z als nicht wirksam, Zeit- und Geldverschwendung und gefährliche Ablenkung bei der Suche nach wirklich wirksamen Dingen einstufen und die Finger davon lassen!

Kurz gesagt, es gibt wirksame und funktionierende Medizin, die man auch evidenzbasierte, nachweisorientierte oder wissenschaftliche Medizin nennt (diffamierend wird diese Medizin auch „Schulmedizin“ genannt).

Bei allen anderen „Arten von Medizin“ ist entweder nicht bewiesen, dass sie wirksam sind oder es ist sogar bewiesen, dass sie unwirksam sind. Für diese „Medizin(en)“ gibt es ganz viele Namen und Bezeichnungen, wie Alternativmedizin, Komplementärmedizin, integrative Medizin, CAM (englisch für Complementary and alternative medicine), Ganzheitliche Medizin, sanfte Medizin, natürliche Medizin, Naturheilverfahren, heilpraktische Verfahren und ähnliche Begriffe.

Ich wiederhole es gerne noch einmal, weil es so wichtig ist, dies zu verstehen: Alle Therapien X, Arzneimittel Y oder Verhalten Z, die unter diese „Arten von Medizin“ fallen, bei diesen ist entweder nicht nachgewiesen, dass sie funktionieren, wirken und heilen und bei einem beträchtlich hohen Teil ist sogar nachgewiesen, dass sie nicht funktionieren, nicht wirken und nicht heilen.

Ständig werden Menschen geschädigt (finanziell, zeitlich, gesundheitlich), weil sie leichtgläubig und naiv den Versprechungen dieser unwirksamen „Arten von Medizin“ folgen, anstatt sich zu überlegen, wie man prüfen kann, ob etwas wirksam ist und funktioniert.

Es gibt nur einen „Goldstandard“ wie man nachweisen kann, ob etwas wirkt und funktioniert und das ist eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie.

Heute, da der Arzt an die Stelle des Priesters getreten ist und, dank des blinden Glaubens an ihn, der den weitaus kritischeren Glauben an den Pfarrer abgelöst hat, mit dem Parlament und der Presse praktisch tun kann, was er will, hat der Zwang, die Arzneien des Arztes einzunehmen, so giftig sie auch sein mögen, ein Ausmaß erreicht, das die Inquisition entsetzt und Erzbischof Laud fassungslos gemacht hätte. Unsere Leichtgläubigkeit ist krasser als die des Mittelalters, weil der Priester kein so unmittelbares pekuniäres Interesse an unseren Sünden hatte wie der Arzt an unseren Krankheiten.

George Bernhard Shaw

In der Medizin gibt es nichts Schöneres als das Vertrauen. Und nichts Gefährlicheres.

Gerhard Kocher