Wie stellt man fest, ob etwas wirkt?

Dieser Beitrag geht um den medizinischen Bereich und die Frage ist, wie man feststellen kann, ob und dass etwas wirkt, nicht wie es wirkt.

  • Wie hat man herausgefunden, dass Aspirin gegen Kopfschmerzen helfen und wirklich wirken?
  • Wie hat man herausgefunden, dass Armschienen tatsächlich die beste Behandlungsform ist, wenn man sich den Arm gebrochen hat?
  • Wie hat man herausgefunden, dass Obst zu essen gegen Skorbut hilft?
  • Wie kann man grundsätzlich herausfinden, ob und dass ein Medikament, eine Therapie oder sonstige Behandlungsart wirklich hilft und wirkt?

Dies geht nur mit einer randomisierten Doppelblindstudie.

Will man wissen, ob z.B. ein Medikament gegen Kopfschmerzen wirklich wirkt, dann nimmt man z.B. 1000 Patienten, die Kopfschmerzen haben und teil diese zufällig (randomisiert) drei verschiedenen Gruppen zu:

  • Gruppe 1 bekommt das Medikament, von welchem man wissen will, ob es wirkt
  • Gruppe 2 bekommt ein Placebo, d.h. z.B. eine Zuckerpille, jedenfalls irgendetwas das nicht wirkt
  • Gruppe 3 gibt man überhaupt nichts

In der Praxis ist es unmöglich eine Gruppe 3 zu bilden, da es ethisch nicht vertretbar ist, Menschen leiden zu lassen und nichts zu tun. Man könnte Gruppe 3 auch ein schon erprobtes und wirksames Medikament geben.

Am Ende des Versuchs fragt man die Patienten, wann die Kopfschmerzen weg waren und notiert diese Aussagen. Dann vergleicht man in welcher Gruppe es den Menschen am schnellsten am besten ging und schon kann man eine Aussage treffen, ob das Medikament besser als der Placebo abgeschnitten hat oder nicht.

Die Placebo-Kontrollgruppe benötigt man, weil alles auch einen Placeboeffekt hat und man diesen quasi herausrechnen muss. Wenn das Medikament, welches man testen wollte, die Menschen in Gruppe 1 nicht (deutlich) besser geheilt hat, dann ist es nicht wirksam (nicht wirksamer als ein Placebo = nicht wirksam!).

Diese Studien werden als „Doppelblind“ bezeichnet, weil weder die Patienten wissen, in welcher Gruppe sie sind, noch die Ärzte wissen, ob sie den Placebo oder das Medikament verabreichen. Dadurch vermeidet man Verzerrungen des Ergebnisses. Die zufällige Verteilung (Randomisierung) der Patienten ist notwendig, um eine gleichmäßige Aufteilung der Risiken und anderen Faktoren zu erreichen und damit auch eine Verzerrung des Ergebnisses zu vermeiden.

Studien, die mit mehr Patienten durchgeführt werden, also z.B. mit 10.000 statt mit 100, sind aufgrund der Statistik i.d.R. zuverlässiger und genauer. Für neue Medikamente, die noch eine Zulassung benötigen, werden mehrere Studien durchgeführt, um auch hier zu klaren Ergebnissen zu kommen.

Grundsätzlich mussten sich so alle Medikamente, Therapien oder sonstigen Behandlungsmethoden testen lassen und belegen, dass sie wirksam waren und nicht mehr Schaden als Nutzen haben. Die Ausnahme sind alle pseudomedizinischen Verfahren, wie Homöopathie, Akupunktur, Ayurveda, Bachblütentherapie, Schüsslersalze, Osteopathie oder auch Kinesiologie. Diese „Alternativmedizin“ muss (nach dem Binnenkonsens)  nicht mehr nachweisen, dass diese „Verfahren“ wirksam sind.

Man hat diese „Alternativ-Pseudomedizin“ trotzdem in randomisierten Doppelblindstudien getestet. Die Ergebnisse sind eindeutig, diese Verfahren wirken nicht und funktionieren nicht besser als ein Placebo und damit funktionieren sie überhaupt nicht. Es ist reine Zeit- und Geldverschwendung (und gefährlich, wenn man nicht noch zusätzlich funktionierende Medikamente nimmt) diese Pseudomedizin auszuprobieren. Anhänger davon behaupten oft, dass man diese Verfahren nicht mit einer randomisierten Doppelblindstudie testen könne, ohne jedoch irgendwelche Argumente zu nennen, warum dies nicht möglich sein sollte.


4 Kommentare

  1. Hallo Stephan,
    wie erklärst du den Placebo-Effekt?
    Gruß
    olaf

  2. Das ist der Placeboeffekt:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Placebo
    http://flexikon.doccheck.com/de/Placebo-Effekt

    Er wird immer noch wissenschaftlich untersucht, d.h. eine genaue Erklärung mag schwierig sein.
    Er ist anscheinend sehr mächtig, aber eben auch nicht allmächtig.

    Man kann mit dem Placeboeffekt kaum aputierte Gliedmaßen nachwachsen lassen, noch ist es wahrscheinlich, dass man damit AIDS oder Krebs heilen kann.

    Vor allem Vorhersagen, wie stark er wirkt, sind quasi unmöglich.

    Der Vorteil bei spezifisch wirksamen materiellen Dingen ist der, dass man da genau sagen kann, wie und wie stark diese wirken.

    Warum fragst du genau?

    Grüße
    Stephan

  3. Hallo Stephan,
    ich hätte wohl schreiben sollen “wie erklärst du dir als Skeptiker die Existenz des Placebo-Effekts”…
    Ich teile ja nach der Lektüre etlicher deiner Beiträge anscheinend viele deiner Ansichten, folge dir allerdings in vielen Ableitungen nicht, auch wenn ich sie exzellent argumentiert finde.
    Beim Placebo-Effekt akzeptierst du also die Existenz eines Effektes von wirkungslosen Substanzen auf das Befinden bzw. die Selbstwahrnehmung vieler Menschen. Er ist ja statistisch ausreichend oft nachgewiesen.
    Ich sehe hier Parallelen zu anderen Phänomenen im Menschlichen. Z.B. auch wenn ich selbst nicht religiös bin, habe ich kein Problem damit zu akzeptieren, dass der Glaube an einen (vermutlich nicht existierenden) Gott und die Einhaltung religiöser Regeln vielen Menschen hilft, sich besser zu fühlen und im Leben besser zurecht zu kommen. Das ist vermutlich auch ein Placebo-Effekt.
    Eigentlich nicht möglich und doch existiert er aktuell milliardenfach auf diesem Planeten. Wären diese Menschen alle Skeptiker wie du, fühlten sie sich schlechter.
    Schadet Religion nun oder nützt sie? Man müsste nun eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung aufmachen. Dass Religion von Eiferern zu allen Zeiten und in allen Gegenden der Welt immer wieder missbraucht wird, um Agressionen und Kriege zu schüren, ist sicherlich wahr (auch wenn ich dieses Wissen selbst nur aus den Medien habe). Allerdings schätze ich mal, dass in einem beliebig gewählten Zeitabschnitt der Menschheitsgeschichte immer nur Minderheiten davon faktisch betroffen sind/waren und die Menschheit in Summe von Religion mehr profitiert, als dass es schadet.
    Stimmst du dem zu? Vermutlich nicht ;-) Bin gespannt auf deine Argumente
    Gruß
    olaf

    • Hallo Olaf,

      das wird wohl länger werden, aber ich tue mein Bestes, es so kurz wie möglich zu halten.

      Ich teile die Antwort in zwei Bereiche auf, einmal „Placeboeffekt“ und einmal „Schadet Religion mehr als sie nützt?“.

      Vorher aber zwei ganz grundsätzliche Dinge:

      „Wie erklärst du dir als Skeptiker die Existenz des Placebo-Effekts…“

      Ich bin, oder versuche es eben, so gut ich kann, bei allen Dingen ein Skeptiker. Ich versuche, NICHTS „einfach so zu glauben“. Ich versuche, nichts für wahr zu halten, wenn es keine guten Argumente und Belege dafür gibt.

      Jede Behauptung muss sich durch meinen „skeptischen Filter“ zwängen, den ich um mein Gehirn herum gewickelt habe. Das ist das einzige Schutzschild, welches ich habe, um nicht das Opfer von unsinnigen Behauptungen oder Scharlatanen zu werden, und Dinge für wahr zu halten, die höchstwahrscheinlich falsch sind.

      Und der Placeboeffekt ist keinerlei Herausforderung für skeptisches, kritisches Denken (es klingt so, als würdest du das in deiner Frage implizieren…). Genau genommen ist gar nichts eine Herausforderung für skeptisches, kritisches Denken.

      Das liegt ganz einfach daran, dass es mir egal ist, was am Ende herauskommt, also welche Schlussfolgerung ich als (vorläufig und wahrscheinlich) wahr akzeptiere.
      Ich lasse mich einfach von den guten Argumenten und Belegen zur am besten rechtfertigbaren Schlussfolgerung leiten, wie auch immer diese aussieht.

      Sollte es „Gott“ geben, wunderbar. Mir ist egal, ob Homöopathie wirkt oder nicht. Sollte jemand morgen mit guten Belegen feststellen, dass die Erde doch in Wahrheit eine Scheibe ist, ganz toll, dann ändere ich halt meine Meinung darüber.
      Und so weiter und so fort.

      Mir ist nur der Weg zu der Schlussfolgerung wichtig. Ich will den Weg wählen, der die größte Wahrscheinlichkeit und Sicherheit bietet, um zu einer wahren Schlussfolgerung zu kommen.

      Ich will so viele wahre und so wenig falsche Dinge wie möglich glauben!

      Menschen, die einfach irgendwas „glauben“, können nicht zwischen wahr und falsch oder Fantasie und Realität unterscheiden. Sie wählen, meiner Meinung nach, den falschen Weg. Sie biegen sich Argumente und Belege zurecht, damit diese mit schon festgelegten Meinungen (Schlussfolgerungen), halbwegs übereinstimmen.

      Sie lassen sich nicht von guten Argumenten und Belegen zu einer rechtfertigbaren Schlussfolgerung führen, sondern gehen umgekehrt vor.

      Oder sie ignorieren im Extremfall gleich alle kritischen Fragen, Argumente und Belege, siehe dieses Prachtexemplar:
      http://www.nachdenken-bitte.de/religion/hat-sich-mir-gott-offenbart-eine-personliche-wahre-geschichte/#comment-356

      Falls du es noch nicht gelesen haben solltest, empfehle ich dir stark die folgenden 5 Artikel:

      http://www.nachdenken-bitte.de/kritisches-denken/sind-skeptiker-arschlocher/#more-1904

      http://www.nachdenken-bitte.de/kritisches-denken/denk-nach-warum-du-alles-in-frage-stellen-solltest/#more-1912

      http://www.nachdenken-bitte.de/skeptizismus/50-populare-dinge-die-menschen-fur-wahr-halten-teil-1/#more-1954

      http://www.nachdenken-bitte.de/skeptizismus/1975/#more-1975

      http://www.nachdenken-bitte.de/skeptizismus/50-populare-dinge-die-menschen-fur-wahr-halten-teil-3/#more-2003

      „Ich teile ja nach der Lektüre etlicher deiner Beiträge anscheinend viele deiner Ansichten, folge dir allerdings in vielen Ableitungen nicht, auch wenn ich sie exzellent argumentiert finde.“

      Hier würde mich interessieren, wo und warum du mir bei „vielen Ableitungen“ (ich nehme an, du meinst Schlussfolgerungen), nicht folgst. Kannst du ein paar Beispiele nennen und es ein wenig erläutern?

      Ich komme nun zur ersten Antwort, dem Placeboeffekt:


      „Beim Placebo-Effekt akzeptierst du also die Existenz eines Effektes von wirkungslosen Substanzen auf das Befinden bzw. die Selbstwahrnehmung vieler Menschen. Er ist ja statistisch ausreichend oft nachgewiesen.“

      Natürlich akzeptiere ich die „Existenz des Placeboeffektes“, weil (wie du schon schreibst) gute Belege vorhanden sind, die zeigen, dass es ihn gibt.

      Der Placeboeffekt ist aber kein „spukhaftes Phänomen“, der alles oder vieles in Frage stellt, was ich/wir von der Welt verstehen, ganz im Gegenteil. Dinge, die in unserem Gehirn vor sich gehen, können Entscheidungen, Handlungen und physische Dinge beeinflussen. Das ist überhaupt nichts Außergewöhnliches.

      Wenn ich dich bitte ein paar Brötchen vom Bäcker zu holen oder einen Sixpack Bier von der Tankstelle, dann sind meine Worte Schallwellen, die in dein Gehör gehen, dort in Nervenimpulse umgewandelt werden, die du verstehen kannst und eventuell entsprechende Handlungen durchführst. Nur durch meine „spukhaften“ Worte! Ist das nicht der Wahnsinn?

      Aber im Ernst, das sind materielle Dinge die dabei ablaufen, es werden Moleküle dabei verändert und finden vielfältigste Interaktionen statt. Das ist plausibel und man kann das sogar belegen.

      Das gleiche gilt für den Placeboeffekt. Hinwendung, Empathie, Fürsorge wird „gespürt“, über Hirnprozesse, die materiell ablaufen. Wenn diese Hirnprozesse krass gestört sind (tiefste Komapatienten oder ähnliches), bzw. gar nicht mehr ablaufen können (wenn man tot ist), dann passiert da auch nichts mehr und der Placeboeffekt kann nicht mehr eintreten.

      Es ist also völlig irrelevant, dass man entweder physiologisch unwirksame Substanzen gibt, oder reinen Zucker (Globuli), Alkohol oder Wasser. Es sind ja nicht die unwirksamen Substanzen, die den Placeboeffekt auslösen (denn der Placeboeffekt wird ja auch bei spezifisch, echt physiologisch wirksamen Substanzen ausgelöst), sondern es sind die Hirnprozesse, die ablaufen und zu einer Linderung, Schmerzmittelausschüttung oder was die wissenschaftliche Erforschung des Placeboeffektes noch herausfinden wird, führen.

      Der Placeboeffekt tritt auch bei Babys, Kleinkindern und sogar Tieren auf. Ein Pferd spürt die Hinwendung und es kann sein, dass diese positiven Gedanken, die Heilung leicht beschleunigen.

      Der Placeboeffekt tritt bei Menschen sogar auf, wenn man genau gesagt bekommt, dass es nur ein Placebo ist und erklärt bekommt, was ein Placebo ist. Das ist in Studien belegt worden.

      Aber der Placeboeffekt hat seine Grenzen, wie ich oben schon angedeutet habe. Egal wieviel Fürsorge jemand erfährt, und egal wie fest er an was glaubt und egal, wie positiv seine Gedanken sind, es liegt nicht in der Macht von reinen Gehirnprozessen, abgetrennte Gliedmaßen nachwachsen zu lassen, AIDS zu besiegen oder eben tausend andere Beispiele, die nicht durch reine Gehirnprozesse zu beeinflussen sind.

      Das ist in Kürze erklärt das Wichtigste, was mir so aus dem Stand zu dem Thema einfällt. Ich hoffe, die Erklärung ist einigermaßen nachvollziehbar.



      Ich komme nun zur zweiten Antwort auf: „Schadet Religion mehr als sie nützt?“

      Natürlich stimme ich dir nicht zu, dass „die Menschheit in Summe von Religion mehr profitiert, als dass es schadet.“ Und hier sind meine Argumente:

      Ich will es erst einmal ganz grundsätzlich erklären und dekliniere es danach am Beispiel „Religion“ durch. Vergiss „Religion“ mal für einen Moment.

      Ich habe eine Frage an dich: „Denkst du, dass objektiv nicht-wahre, also falsche Überzeugungen zu Schäden führen können?“
      Noch genauer gefragt: „Denkst du, dass objektiv falsche Überzeugungen mit hoher Wahrscheinlichkeit zwangsläufig mittel- oder langfristig zu Schäden führen werden?“

      Nehmen wir als erstes Beispiel Impfgegner. Diese sind überzeugt, dass Impfungen mehr Schaden als Nutzen haben. Ich denke und es ist praktisch sicher belegt, dass sie sich darin irren. Sie lassen sich und ihre Kinder also nicht impfen. Sie und/oder ihre Kinder stecken sich selbst an und andere. Von 1000 Maserninfizierten stirbt ein Kind, dutzende haben Komplikationen teilweise mit Spätfolgen etc…
      Und da habe ich nun nur eine Krankheit erwähnt, von einem halben oder ganzen Dutzend, die man besprechen könnte.
      Impfgegner irren sich also, leben in einer Fantasie-/Wunsch-/Wahnwelt und schädigen damit sich selbst und andere.

      Nächstes Beispiel: Nehmen wir einen Krebskranken, der überzeugt ist, dass reine Vitaminpillen seinen Krebs heilen und besiegen. Das ist okjektiv, soweit wir überhaupt irgendwas wissen können, falsch. Was wird passieren? Er wird schneller und qualvoller sterben, obwohl er vielleicht bei einer rechtzeitigen Operation und Chemotherapie noch hätte gerettet werden können.

      Was ist, wenn ich überzeugt bin Multimillionär zu sein. Ok, ich habe keinerlei Belege, dass dies der Fall ist, ganz im Gegenteil. Alle Bankbelege zeigen, dass ich eben kein Multimillionär bin. Meine Überzeugung ist also objektiv falsch. Aber ich bin überzeugt davon, also gebe ich schnell und viel Geld aus. Das ist kurzfristig schön, aber mittel- und langfristig gerate ich in große Schwierigkeiten und schädige mich und andere.

      Nächstes Beispiel: Es gibt Leute, die sind überzeugt, dass es gut für ihre Kinder ist, wenn sie diese regelmäßig (täglich) mit einem Rohrstock schlagen („Die Vier Stämme“ machen das). Das steht in der Bibel und deshalb glauben sie das. Es ist objektiv in soziologischen Studien erwiesen, dass dies äußerst negativ für Kinder ist und diese dadurch zu absolut „gestörten“ Menschen und Persönlichkeiten erzogen werden.

      Und so könnte ich jetzt mindestens 10 Jahre mit tausenden weiteren Beispielen weitermachen, die zeigen, dass es eben mittel- und langfristig nicht gut und positiv ist, objektiv falsche Vorstellungen und Überzeugungen zu haben. Weder für sich selbst, noch für andere, noch für die ganze Menschheit.

      Das ist ja gerade der Grund dafür, warum ich Skeptiker bin und so viele wie möglich wahre und so wenig wie möglich falsche Dinge glauben möchte.

      Darüber habe ich hier geschrieben: http://www.nachdenken-bitte.de/kritisches-denken/meinungen-ansichten-ideen-uberzeugungen-entscheidungen-und-handlungen/

      Und das ist überhaupt nicht auf das Thema „Religion“ zu begrenzen. Falsche Vorstellungen und Überzeugungen jedweder Art sind mittel- und langfristig (manche oder viele sogar kurzfristig) schädlich. Es ist egal, ob es sich um politische (Rassismus, Antisemitismus), pseudomedizinische, esoterische oder sonstige Vorstellungen handelt.

      Ich beantworte also beide Fragen, die ich dir oben gestellt habe, ganz klar mit „Ja“!

      Und wenn du das ähnlich siehst, oder sogar gleich, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt dazu, zu verstehen, warum Religionen deutlich schädlicher als nützlich sind.

      Es gibt kaum etwas, wo so gut belegt ist, dass es objektiv falsch ist. Alle Behauptungen von Religionen, die überprüfbar sind, wurden überprüft und als objektiv falsch erkannt.

      Wenn man den ganzen Berg an Unsinn, den Religionen behaupten einfach nur glaubt, also für wahr hält, dann lebt man nicht mehr in der Realität sondern in einer Fantasie-/Wunsch- und Wahnwelt.



      „Ich sehe hier Parallelen zu anderen Phänomenen im Menschlichen. Z.B. auch wenn ich selbst nicht religiös bin, habe ich kein Problem damit zu akzeptieren, dass der Glaube an einen (vermutlich nicht existierenden) Gott und die Einhaltung religiöser Regeln vielen Menschen hilft, sich besser zu fühlen und im Leben besser zurecht zu kommen. Das ist vermutlich auch ein Placebo-Effekt.“

      Deinem ersten Satz würde ich hier zustimmen, deinem zweiten aber nicht.
      Und ich stimme deinem ersten Satz wahrscheinlich aus einem anderen Grund zu, als du.

      Warum fühlen sich Menschen teilweise in Religionen wohl? Weil es Traditionen und Riten gibt und weil den meisten Menschen Gemeinschaft, Unterstützung und gemeinsame Aktionen gefallen. Wir sind soziale Lebewesen.

      Es ist aber völlig egal, ob wir das im Chor, im Tanzverein, im Tennisverein, im Skat-Club, oder sonst wo machen. Man braucht keine lächerlichen, übernatürlichen, irrationalen und gefährlichen Behauptungen dafür, um sich wohl, angenommen und unterstützt zu fühlen. Dafür reichen einfach empathische, nette andere Menschen und Zusammenkünfte.

      Und ist es nicht sogar ein wenig arrogant, zu sagen, dass man manchen oder sogar vielen Menschen irgendwelche Lügengeschichten erzählen muss, damit sie sich wohlfühlen? Dass diese Menschen nur in einer Fantasiewelt zurechtkommen, die Realität aber nicht ertragen können?

      Es sind also, nach meiner Meinung, nicht die lächerlichen Behauptungen, die Menschen sich wohlfühlen lassen, sondern der soziale Zusammenhalt, den man ohne Probleme anders und außerhalb der gefährlichen Religionen und Kirchen organisieren kann.

      Deswegen ist das also kein Placeboeffekt, sondern einfach unsere Natur, als soziale Lebewesen.

      „Wären diese Menschen alle Skeptiker wie du, fühlten sie sich schlechter.“

      Oh…das ist aber mal eine sehr freche und gewagte Behauptung. Hast du dafür irgendwelche Belege oder wenigstens gute Argumente, die die Wahrheit dieser Behauptung nahelegen?

      Vielleicht solltest du doch nochmal die 5 Artikel von oben lesen, was ein Skeptiker ist. Skeptiker sind keine zynischen, unzufriedenen Menschen, die ständig mit Depressionen herumlaufen. Weit entfernt davon!

      Man findet wahren, langanhaltenden Trost und echte Hoffnung nur in wahren Dingen.

      Ja, man kann sich kurzfristig mit einer Flucht in eine Fantasiewelt trösten. Völlig richtig. Das ist wie bei Drogen. Man zieht eine Line Koks, raucht einen Dübel, spritzt sich etwas Heroin ins Blut und fühlt sich eine Weile super gut.

      Und dann? Mittel- und langfristig sind Drogen keine Hilfe. Sie lösen keinerlei Probleme, sondern schaffen im Gegenteil noch mehr Probleme.

      Außerdem darfst du nicht vergessen, für jeden religiös Gläubigen gilt nicht nur das Positive aus ihrer Illusion, also dass sie in den Himmel kommen etc…sondern auch das Negative…Regeln, die einem nicht gefallen, Angst vor der Hölle oder das geliebte Menschen in die Hölle kommen etc…

      „Man müsste nun eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung aufmachen.“

      Ja, das kann man machen. Wurde sogar schon gemacht.

      10 Bände mit über 6000 Seiten. Viel Spaß beim Lesen:
      http://www.amazon.de/Kriminalgeschichte-Christentums-1-10-Sachregister-Personenregister/dp/3499630559/ref=pd_sim_14_7?ie=UTF8&refRID=11EEV1CHXRMVF0T8C4FP

      Und das sind nur die konkret nachweisbaren Dinge. Meine abstrakte Überlegung von oben, mit objektiv falschen Überzeugungen, gilt unabhängig davon.

      Und wenn du die 6000 Seiten gelesen hast, über die Kriminalgeschichte NUR des Christentums (da haben wir noch nicht über andere Religionen und deren Kriminalgeschichte geredet!), dann kannst du dir hier auch noch ein paar Bücher über Religionskritik kaufen und durchlesen:
      http://www.nachdenken-bitte.de/kritisches-denken/meine-subjektiven-buchempfehlungen/

      Dürften auch so 30-40 Stück sein, aber ich habe zum Thema “Religionskritik” über 100 Bücher gelesen.
      Da gibt es viel für dich zu lesen und lernen.

      „Dass Religion von Eiferern zu allen Zeiten und in allen Gegenden der Welt immer wieder missbraucht wird, um Agressionen und Kriege zu schüren, ist sicherlich wahr (auch wenn ich dieses Wissen selbst nur aus den Medien habe).“


      Oh nein. Nicht „missbraucht“! Du unterschätzt (wie viele andere auch) das Potenzial von Menschen, felsenfest an Dinge zu glauben und diese wirklich für wahr zu halten, die du nach 10 Sekunden Überlegung als lächerlich verwirfst.

      Die Attentäter vom 11. September mögen auch politische Gründe gehabt haben, aber sie haben genauso sicher „wegen ihrer Religion“ die Flugzeuge ins WTC geflogen. Es ist aus ihrer Überzeugung logisch und erstrebenswert, Ungläubige oder Andersgläubige zu töten. Dafür kommen sie ins Paradies und werden belohnt.

      Das ist kein Missbrauch von Religionen, sondern einfach nur die Logik, den Behauptungen ihrer Religion (in diesem Fall: dem Islam) zu folgen.

      Das gleiche gilt für die christlichen Kreuzzüge, die „heilige-römische“ Inquisition, die Hexenverbrennungen (passiert in Afrika auch im Jahr 2015 noch!) usw.

      Religionen haben den Fortschritt verhindert, wo sie es konnten. Sie haben nicht nur nichts für Menschenrechte, Grundrecht, Freiheit und viele andere Dinge getan, nein viel schlimmer, sie haben es aktiv versucht zu verhindern.

      Überall auf der Welt, wo Religionen (und deren Behauptungen) Macht über Menschen haben (oder in der Vergangenheit hatten), grassiert das Elend (siehe z.B. fast alle afrikanischen Staaten).
      Überall von die Menschen, Gesellschaften und Staaten am wenigstens religiös sind, sind alle Parameter auf Spitzenplätzen im internationalen Vergleich.

      Das haben Religionen für uns getan:
      http://commonsenseatheism.com/wp-content/uploads/2009/04/darkages.gif


      „Allerdings schätze ich mal, dass in einem beliebig gewählten Zeitabschnitt der Menschheitsgeschichte immer nur Minderheiten davon faktisch betroffen sind/waren und die Menschheit in Summe von Religion mehr profitiert, als dass es schadet.“

      Jetzt machst du aber Scherze, oder? Minderheiten? Du denkst vielleicht an Homosexuelle?

      Was ist denn mit der Minderheit „Frau“, die nur 50% der Bevölkerung ausmacht?

      Außerdem, selbst wenn du Recht hättest (was nicht der Fall ist), dann sind z.B. 5% Homosexuelle von einer Bevölkerung immer noch Millionen von Menschen.

      Was ist mit dem Kondomverbot der kath. Kirche? Das hat Millionen Afrikaner, die sich daran gehalten haben, das Leben gekostet!

      Was ist mit dem dreißigjährigen Krieg in Europa, der darum ging, ob die eine Fantasiereligion (Protestantismus) „wahrer“ ist, als die andere Fantasiereligion (Katholizismus)?

      Was ist mit den ganzen anderen Kriegen, die oft durch Religionen verursacht oder zumindest verstärkt werden?

      Ich höre jetzt hier mal auf, obwohl mir bestimmt noch viel einfallen würde…aber wenn dich das bisher gesagte nicht überzeugt, dann weiß ich nicht, was dich überhaupt überzeugen kann…

      Viele Grüße
      Stephan

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