Geschwurbel und Intransparenz

Geschwurbel sind unverständliche, realitätsferne oder inhaltslose Aussagen. Das ist eine schöne, kurze und treffende Definition.

Intransparenz ist das Gegenteil von Transparenz. Transparenz bedeutet, dass man etwas durchschaubar, verständlich, anschaulich und vor allem von außen (und anderen) nachvollziehbar darstellt.

Was haben diese beiden nun miteinander zu tun, wo ist die Verbindung? Sie sind quasi Brüder oder Schwestern, da sie sich sehr ähnlich und teilweise sogar komplett deckungsgleich sind.

Geschwurbel wird gerne von Esoterikern, Pseudowissenschaftlern, Pseudomedizinern („Alternativmedizin“, Heilpraktiker, Naturheilkundler) und nicht zu vergessen Theologen benutzt. Solche Texte sind schwer zu lesen, da sie mit vielen Fachwörtern gespickt sind, die aber meist keinen Sinn ergeben in dem Zusammenhang. Man benutzt sie offensichtlich, um zu blenden, zu tricksen und zu täuschen. Die Aussagen sind eine Mischung aus Unverständlichkeit, Realitätsferne und Inhaltslosigkeit. Stellt man (kritische) Fragen, was das denn genau zu bedeuten habe oder bittet um Definitionen, wird man keine Antwort erhalten, weil sie es selbst nicht wissen oder verstehen, was sie da geschrieben haben.

Intransparent ist etwas hauptsächlich dann, wenn die Sache, Aussage oder Behauptung nicht nachvollziehbar ist, man sie nicht prüfen kann oder sie undurchschaubar und unverständlich ist. Das kann unterschiedliche Gründe haben, meist ist es auf mangelnde Informationen zurück zu führen. Allerdings ist es häufig so, dass mit Vorsatz und Absicht diese fehlenden Informationen zurückgehalten werden bzw. selbst bei Nachfrage die Existenz weiterer Informationen bestritten wird. Manchmal sind die fehlenden Informationen nur ein Versehen und man kann sich diese selbst besorgen und dadurch Transparenz und Verständnis gewinnen.

Sowohl Geschwurbel als auch Intransparenz sind Möglichkeiten sich vor Kritik zu schützen, weil man kaum etwas kritisieren kann, was unklar, unverständlich oder inhaltslos ist. Genau dies ist der Grund für die angesprochenen Personengruppen, sich dieser Methode zu bedienen. Esoteriker oder auch Theologen benutzen Wörter, die andere Bedeutungen haben, als man ihnen gewöhnlich zuschreibt. Sie vernebeln und verwässern Aussagen von Sätzen in einem extremen Ausmaß, dass kaum noch verständlich wird, was sie eigentlich aussagen und bedeuten sollen.

Man sollte sich wirklich nicht auf deren Niveau herabbegeben. Wenn ein Text, auch bei wohlwollender Betrachtung und Anstrengung, nicht sinnvoll lesbar ist, dann sollte man seine Zeit nicht damit verschwenden. Dies gilt umso mehr, wenn der Verdacht aufkommt, dass der Autor Theologe oder Esoteriker ist und sich wahrscheinlich nur vor Kritik immunisieren (=schützen) will.

Man hat die verdammte Pflicht nicht die Zeit der Leser zu verschwenden und deshalb muss man seine Ideen klar ausdrücken können. Kann man das nicht, dann soll man es lassen.

Passend dazu möchte ich hier den großen Philosophen Karl R. Popper zitieren:

„Aus meiner sozialistischen Jugendzeit habe ich viele Ideen und Ideale ins Alter gerettet. Insbesondere: Jeder Intellektuelle hat eine ganz besondere Verantwortung. Er hatte das Privileg und die Gelegenheit, zu studieren; dafür schuldet er es seinen Mitmenschen (oder „der Gesellschaft“), die Ergebnisse seiner Studien in der einfachsten und klarsten und verständlichsten Form darzustellen. Das Schlimmste – die Sünde gegen den heiligen Geist – ist, wenn die Intellektuellen versuchen, sich ihren Mitmenschen gegenüber als große Propheten aufzuspielen und sie mit orakelnden Philosophien zu beeindrucken. Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann. […] Was ich oben (Punkt 1) die Sünde gegen den heiligen Geist genannt habe – die Anmaßung des dreiviertel Gebildeten –, das ist das Phrasendreschen, das Vorgeben einer Weisheit, die wir nicht besitzen. Das Kochrezept ist: Tautologien und Trivialitäten gewürzt mit paradoxem Unsinn. Ein anderes Kochrezept ist: Schreibe schwer verständlichen Schwulst und füge von Zeit zu Zeit Trivialitäten hinzu. Das schmeckt dem Leser, der geschmeichelt ist, in einem so ‚tiefen‘ Buch Gedanken zu finden, die er selbst schon mal gedacht hat.


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