Existiert Gott?

Ich dachte mir, bevor wir zu den wirklich schwierigen und komplizierten Fragen kommen, fangen wir lieber einmal langsam und vorsichtig an und steigen mit etwas leichtem ein, einer total einfachen Frage wie z.B.:
„Existiert Gott?“

Man sollte meinen, dass eine Frage, die nur aus zwei Wörtern besteht, recht leicht zu beantworten sei, oder? Und tatsächlich, diese Frage ist wirklich leicht zu beantworten, entgegen ihren Erwartungen, vermute ich. Das meine ich völlig ernst und kein bisschen ironisch, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sie die folgende Antwort erwarten. Lassen sie sich überraschen und lesen sie weiter.

Die Frage „Existiert Gott?“ besteht nur aus zwei Wörtern, aber unglücklicherweise werfen beide Wörter Probleme auf, über die man reden muss.

Ich will mit dem zweiten Wort, also „Gott“ beginnen. Was ist „Gott“? Wie ist „Gott“ definiert? Leider habe ich noch niemals eine Definition von dem Wort „Gott“ gehört, die Sinn macht, nicht in sich selbst widersprüchlich ist und nicht leer ist. Es gibt unendlich viele Definitionen von dem Wort „Gott“, jeder stellt sich etwas anderes darunter vor, aber niemand kann eine sinnvolle, konsistente Definition präsentieren. Wie soll man ernsthaft über etwas reden, ob es dieses „Ding“ gibt, wenn man nicht einmal genau sagen kann, was es eigentlich ist?

Ich erlaube mir einmal die Frage zu ändern in: „Existiert Habalahabtschab?“ Sie fragen mich dann, was zum Teufel soll „Habalahabtschab“ sein und ich antworte: „Na ist doch völlig klar, das Unbegreifliche, das Übernatürliche, das Unverständliche!“. Auf eine Frage mit Begriffen, die nicht definiert sind, oder noch schlimmer, nicht definierbar sind, Antworten zu suchen, ist sinnlose Zeitverschwendung. Wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen. Das bedeutet, schon an dieser Stelle, hat sich diese Frage selbst disqualifiziert. Ignorieren wir dies einmal für den Moment und machen wir dennoch weiter in der Analyse.

Was ist mit dem Wort „Existieren“ oder „Existenz“? Was versteht man darunter? Im Allgemeinen könnte man sagen, es existiert dann etwas, wenn es „da ist“. Aber wo ist „da sein“? Hier im Diesseits, in der Welt die aus Materie/Energie besteht, aus Raum und Zeit. Aber wenn wir hier nicht feststellen, dass es etwas gibt, dann kann man doch behaupten, dass dieses „Ding“ in einer anderen Welt, dem Jenseits, dem Transzendentalen sei. Natürlich, man kann viel behaupten, wenn der Tag lang genug ist, man kann sogar unendlich viele Dinge behaupten, allerdings sind oder werden sie nicht deshalb wahr.

Wenn man also behaupten sollte, das dieses Ding in einer anderen Welt existiert, als die, die wir kennen, dann hat man noch mindestens eine zusätzliche Behauptung aufgestellt, nämlich die, dass es eine andere Welt gibt. Tja, dumm gelaufen könnte man sagen, denn leider gibt es nicht den Hauch eines Beweises, dass es eine andere Welt, ein Jenseits oder eine Transzendentale Welt gibt. Aber wir sind noch nicht fertig.

  • Existiert „Audi“? Ja, die Automarke Audi kenne ich, ich habe auch schon Autos von Audi fahren sehen.
  • Existiert ein blauer Audi? Na, bestimmt hat schon einmal irgendjemand einen blauen Audi gekauft.
  • Existiert ein blauer Audi, mit 8.530 PS? Nun wird es spannender. Hier neige ich schon dazu gegen die Existenz zu wetten, da es doch unwahrscheinlich ist, dass dieser Audi existiert.
  • Existiert ein blauer Audi, der Wasser in Wein verwandeln kann, allmächtig ist und fliegen kann? Äußerst unwahrscheinlich.

Dieses Spiel kann man natürlich ewig weitertreiben. Wenn man die Frage „Existiert Gott?“ einmal als Behauptung eines Theisten sieht, also „Gott existiert!“, dann sieht es so aus:
Derjenige, der eine Behauptung aufstellt, hat die Beweislast zu tragen, muss also zeigen, dass seine Behauptung wahr ist. Kann er dies nicht, hat man jedes Recht, seine Behauptung nicht für wahr zu halten. In Ermangelung einer vernünftigen Definition des Wortes „Gott“ und im Angesicht der Tatsache, dass es keinerlei Belege oder gute Argumente für die Existenz eines „Gottes“ gibt, ist es rational und vernünftig, davon auszugehen, dass es keinen „Gott“ gibt. Etwas für wahr (und in diesem Falle existent) zu halten, für das man keine Belege hat, ist irrational!

Manche Theisten sagen nun, dass es 0:0 steht, weil man die „Existenz Gottes“ weder beweisen noch widerlegen kann. Das Spiel ist offen, quasi unentschieden. Das ist falsch, erstens weil die Begriffe nicht oder nicht sauber definiert sind. Je genauer der Theist „seinen Gott“ definiert, umso leichter kann man ihn widerlegen. Und zweitens trägt derjenige die Beweislast, der eine Behauptung aufstellt. Kann er keine Beweise vorlegen, dann ist die Standardposition die, seine Behauptung als falsch zurückzuweisen. Das ist definitiv kein unentschieden oder 0:0!

Hinzu kommt, je außergewöhnlicher eine Behauptung ist, umso stärker und besser müssen die Beweise sein. Die Behauptungen einer Welt hinter dieser Welt oder die „Existenz eines Gottes!“ sind die wohl außergewöhnlichsten Behauptungen, die man sich überhaupt ausdenken kann. Um diese für wahr halten zu können, benötigt man wohl auch die allerbesten Beweise, die es überhaupt nur geben kann.
Existieren der Weihnachtsmann, Einhörner, Kobolde, das Loch-Ness-Monster, der Yeti, Big-Foot, Elfen, Engel, Dämonen, der Teufel? Glauben wir, dass Menschen mit ihren Armen rudernd fliegen können, Schlangen sprechen, die Erde 6.000 Jahre alt ist, Elvis noch lebt oder niemals Menschen auf dem Mond waren?

Nein, in der Regel denken wir nicht, dass diese „Dinge“ existieren oder diese Behauptungen wahr sind. Nun die Preisfrage, warum denken wir das? Ganz einfach, weil es nicht den Hauch eines Beweises für die Existenz und die Wahrheit dieses Behauptungen gibt, aber teilweise sehr gute Beweise, die dagegen sprechen. Deshalb, und nur deshalb, ist es korrekt diese Dinge für nicht existent und nicht wahr, also falsch, zu halten!

Zusammengefasst kann ich sagen, dass die Frage „Existiert Gott?“ oder die Behauptung „Gott existiert!“, wahlweise entweder sinnlos sind (da man es nicht sinnvoll definiert) oder es keine Belege für „Gott“ gibt, aber sehr viele dagegen. Es ist intellektuell redlich, völlig vernünftig und höchstwahrscheinlich davon auszugehen, dass “Gott” nur eine Erfindung im Gehirn der Menschen ist, so wie “Sauron” eine Erfindung von J.R.R. Tolkien, “Harry Potter” von J.K. Rowling und “Aschenputtel” von den Gebrüdern Grimm ist.

Die Argumente und Belege für und gegen die Existenz Gottes werde ich an anderer Stelle erläutern, aber es sei so viel verraten, dass sie eindeutig in eine Richtung und auf eine Antwort hindeuten.


7 Kommentare

  1. Siegesritter

    wäre auf dein Fazit gespannt.

    Ich habe mir eins gebildet, das unumstößlich ist. Verrate ich dir aber erst, wenn ich deins weiß :)

    UdoLSch@gmx.de

  2. Stephan

    Welches Fazit?

    Du meinst, wie ich die Frage „Existiert Gott?“ beantworten würde?
    Kommt das in diesem Artikel nicht klar und deutlich genug raus?

    Ich glaube nicht, dass „Gott existiert“. Das ist meine Antwort. Warum ich das nicht glaube? Aus den gleichen Gründen, warum ich nicht an die Existenz des Weihnachtsmann, Geister, Elfen, Kobolden, Einhörnern und dem Loch-Ness-Monster glaube: Keine guten Argumente oder Belege dafür, und sehr viele gute Argumente dagegen.

    So simpel ist das in der Kurzfassung.

    Die lange Fassung besteht darin, dass du dir viele Bücher mit allen Argumenten durchliest, siehe unter der Überschrift „Religionskritik“:
    http://www.nachdenken-bitte.de/kritisches-denken/meine-subjektiven-buchempfehlungen/

    Aber ich finde es traurig, dass du schreibst:

    „Ich habe mir eins gebildet, das unumstößlich ist.“

    Egal welches „Fazit“ du dir gebildet hast, wenn es „unumstößlich“ ist, dann bist du per definitionem ein Fundamentalist. Du änderst deine Meinung dann niemals, egal welche Argumente oder Belege du präsentiert bekommst. Das ist kein Grund stolz zu sein und es ist auch keine Tugend ein Fundamentalist zu sein, sondern eines der schlimmsten Dinge, die man sein kann.

    Darüber habe ich auch schon einmal einen Artikel geschrieben:
    http://www.nachdenken-bitte.de/skeptizismus/fundamentalismus-und-das-fahnchen-im-wind/

    Wie ist denn nun dein „unumstößliches Fazit“, wenn ich fragen darf?

  3. Siegesritter

    Guten Morgen + Tag mein Lieber,

    kann sein, dass ich mit meiner Ansicht ein Fundamentalist bin…Wikipedia sagt aber eher das Gegenteil:
    ………………………………………………………
    Fundamentalismus (von lateinisch fundamentum ‚Unterbau‘, ‚Grund‘, ‚Fundament‘) ist eine Überzeugung oder soziale Bewegung, die ihre Interpretation einer inhaltlichen Grundlage (Fundament) als einzig wahr annimmt. Fundamentalismus wird durch eine stark polarisierte Auslegung einer Letztbegründung umgesetzt.
    ………………………………………………………….

    gleich verstehst du auch warum.

    Mein unumstößliche Überzeugung ist, anders als deine:

    Gott existiert, das so wahr ist, wie das er nicht existiert!

    Mein Beweis ist, dafür dass es ihn gibt – eine spürbare und erkennende Nähe Gottes in allem, was er geschaffen hat. In der Tatsache, dass wir jeden Tag einen neuen Tag erleben….darin, dass die Natur von allein und ohne unser Zutun wächst gedeiht und sich entwickelt. Weiterhin habe ich selbst einige Erfahrungen machen dürfen, die mir gezeigt haben, dass er existiert …. ein bewusst gesprochenes Gebet …. das aber letztlich ganz anders erhört wurde, als ich es mir gewünscht hätte.

    Mein Beweis, dass es Gott nicht gibt ist, dass er per Definition für jeden etwas anderes bedeutet. Es gibt einen Konsenz darüber, wer er ist und was er tut und was er nicht tut. Wer sagt uns denn, dass all das – selbst was ich oben geschrieben habe – von diesem Gott erschaffen wird oder erzeugt ist? Es sagen uns Menschen, Menschen die in Wahrheit und Lüge, Heil und Unheil leben und deren Bild Subjektiv und veränderbar ist zu allen Zeiten. Folglich keine wirkliche Grundlage für seine Existenz.

    Mein Fazit. Im gern bin ich mehr beim 1. Text verbunden, aber das Kontra ist mir ebensowichtig….also glaub ich 50:50. :)

  4. Stephan

    „Gott existiert, das so wahr ist, wie das er nicht existiert!“

    Das ist totaler Unsinn. Entweder etwas existiert oder es existiert nicht. Beides gleichzeitig ist unmöglich!
    Du selbst existierst oder eben nicht.

    Das ist so, wie wenn ich sage: 2+2 = 4 UND 2+2 =736
    Beides zugleich kann nicht korrekt und damit wahr sein!

    Sag mal, so ganz unter uns, was verstehst du überhaupt unter „wahr“ oder „Wahrheit“?

    „Mein Beweis ist, dafür dass es ihn gibt – eine spürbare und erkennende Nähe Gottes in allem, was er geschaffen hat.“

    Das ist kein Beweis. Das ist nicht einmal ein Beleg. Das ist nur ein schlechtes Argument. Nur weil du irgendwas spürst, bedeutet das nicht, dass es „Gott“ gibt.

    „In der Tatsache, dass wir jeden Tag einen neuen Tag erleben….darin, dass die Natur von allein und ohne unser Zutun wächst gedeiht und sich entwickelt. Weiterhin habe ich selbst einige Erfahrungen machen dürfen, die mir gezeigt haben, dass er existiert …. ein bewusst gesprochenes Gebet …. das aber letztlich ganz anders erhört wurde, als ich es mir gewünscht hätte.“

    Auch das sind alles keine Beweise, sondern nur Allgemeinplätze, die alle falsch sind. Ich erkläre dir jetzt nicht lange, warum diese alle falsch sind.

    Du gehst von deinen Erfahrungen aus und denkst du kannst dich nicht irren. Und du interpretierst deine Erfahrungen so, wie es dir passt. Damit machst du exakt den gleichen Fehler, wie alle „Gläubigen“, religiösen, esoterischen Menschen vor dir.

    Du irrst im Dunkeln umher und merkst es nicht einmal.

    „Mein Beweis, dass es Gott nicht gibt ist, dass er per Definition für jeden etwas anderes bedeutet.“

    Auch das ist kein Beweis dafür, dass es „Gott“ nicht gibt. Man muss das Wort „Gott“ natürlich erst einmal definieren, also festlegen, was man darunter versteht. Dann kann man darüber reden, ob es so ein Ding gibt oder nicht.

    „Es gibt einen Konsenz darüber, wer er ist und was er tut und was er nicht tut.“

    Falsch. Es gibt KEINEN Konsens darüber.

    „Wer sagt uns denn, dass all das – selbst was ich oben geschrieben habe – von diesem Gott erschaffen wird oder erzeugt ist?“

    Das ist die beste Frage, die ich bisher von dir gelesen habe. Sehr gut. Denk mal über die möglichen Antworten nach.

    „Es sagen uns Menschen, Menschen die in Wahrheit und Lüge, Heil und Unheil leben und deren Bild Subjektiv und veränderbar ist zu allen Zeiten. Folglich keine wirkliche Grundlage für seine Existenz.“

    Das ist ein wenig richtig. Niemand sagt uns, ob es diesen Gott wirklich gibt. Es gibt nur Behauptungen von Menschen, dass es sie (Göttin) gibt. Aber Menschen irren sich. Deshalb muss man sich die Argumente und Belege für Gottes Existenz ansehen.
    Und diese Argumente und Belege halten einer Überprüfung nicht stand. So einfach ist das.

    • Anon Nymus

      Guten Morgen Stephan!

      Wieder einmal fällt mir auf, dass du bewusst “Göttin” anstelle von “Gott” schreibst.
      Mich interessiert was dahintersteckt und ich wäre dir für eine kurze Erklärung sehr verbunden.

      Viele Grüße
      Tobias

  5. Stephan

    Hallo Tobias,

    warum ich ab und zu “Göttin” statt “Gott” schreibe?

    Ganz einfach: Dadurch rege ich vielleicht bei manchem zum Nachdenken an. Es ist provokativ bzw. auffällig, wenn man mal darauf deutet, dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist, dass Gott ein Mann sein muss (so er denn überhaupt existiert).

    Hat Gott überhaupt ein Geschlecht oder ist das nur eine lächerliche menschliche Vorstellung und Projektion, weil wir uns kein Wesen vorstellen können oder wollen, ohne Geschlecht?

    Gibt es Belege, dass Gott ein Mann ist?

    Und so könnte man jetzt noch viele Fragen in diesem Zusammenhang stellen.

    Ich denke natürlich nicht, dass es überhaupt irgendeinen “Gott/Göttin/Gott-Es” gibt.
    Es gefällt mir einfach, wenn ich dadurch Leute irritieren kann, einfach indem ich “Göttin” schreibe.

    Das ist so eine Art Versuch der Bewusstseinserweiterung.

    Ich hoffe, das reicht dir als Erklärung.

    Viele Grüße
    Stephan

    • Anon Nymus

      Hallo Stephan,

      Danke, das habe ich mir schon gedacht.
      Schade dass zB. Siegesritter nicht wirklich darauf eingagen ist.

      Aber die irritierende Wirkung erzielst du jedenfalls.

      Es wiederspricht sich an sich schon selber einerseits zu behaupten, dass es eine einzige allmächtige Instanz geben soll welche alles ‘geschaffen’ haben soll und diese gleichzeitig zu personifizieren und ihr menschliche Eigenschaften zuzuschreiben wie zum Beispiel “gnädigkeit”. Dabei sind wir Menschen bspw. den katholischen Christen nach fast alle Sünder und müssten andauernd dieses und jenes leisten um ” Gott” ‘gnädig’ zu stimmen? Wer kann sich dann anmaßen diesen angeblich existenten “Gott” mit uns zu vergleichen oder gar im Sinne der Renaissance mit “ihm” (bzw ihr ^^) gleichzusetzen?

      Naja das war eher weniger an dich gerichtet Stephan, sondern eher an alle verfechter der Religion die in Zukunft möglicherweise etwas dazu schreiben wollen.

      Danke für die Erklärung
      viele Grüße
      Tobias

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