Wählt man seine eigene Religion?

Warum ist jemand Christ oder würde sich selbst so bezeichnen? Warum Moslem? Warum Buddhist oder Hindu?

Oder anders gefragt, wovon hängt es (hauptsächlich und höchstwahrscheinlich) ab, ob jemand dieses oder jenes ist, bzw. sich selbst so nennen würde bzw. sich dort zugehörig fühlt?

Wenn man sich diese Frage ehrlich stellt, dann muss man antworten, dass es zum größten Teil daran liegt, wo man geboren ist. Wurde man in den USA geboren, ist man höchstwahrscheinlich ein Christ bzw. wird mit dem christlichen Glauben indoktriniert erzogen. Wurde man in Saudi-Arabien bzw. dem Iran geboren, dann ist man wohl ein Moslem bzw. wurde mit dem Islam indoktriniert erzogen.

Wenn man irgendwo in Europa geboren wird, dann hat man eine realistische Chance mit keiner Religion erzogen zu werden und so zu bleiben, wie jeder geboren wurde, nämlich ein Atheist.

Irgendwie erinnert mich das an Fußballvereine. Wobei der Vergleich leider hinkt. Manchmal wählt man sich seinen Fußballverein ja tatsächlich aus. Außerdem geht es bei Fußballvereinen nicht um die Wahrheit, sondern darum, zu welcher Gruppe man sich zugehörig fühlt und von welchen Gruppen man sich abgrenzen möchte. Also irgendwie doch wie bei den Religionen mit ihren Ingroup-Outgroup-Denken. So nach dem Motto: Mord ist falsch, aber nur innerhalb der eigenen Gruppe, bringt man einen Gegner um, ist das irgendwie ok.

Die Antwort auf die Frage selbst sollte inzwischen klar sein: Nein, meist wählt man sich nicht seine Religion aus, sondern man wird hineingeboren. Warum stelle ich überhaupt die Frage, ob man seine Religion in der Regel frei auswählt?

Was sagt es denn über die Wahrheit seiner eigenen Religion aus, wenn man zufällig in diese hineingeboren ist? Nehmen wir einmal Christian Müller und Salih Muhammad. Christian ist in Deutschland (Bayern) geboren und christlich erzogen worden. Er ist fest davon überzeugt, dass das (katholische) Christentum die einzig wahre Religion ist. Salih ist im Iran geboren, Moslem und fest davon überzeugt, dass der Islam die einzig wahre Religion ist.

Was wäre nun, wenn Salih in Bayern geboren wäre und Christian im Iran? Der Witz ist, sie würden genau das Gegenteil von dem denken und behaupten, was sie im Moment denken!

Die Wahrheit (oder den Irrtum) von irgendwelchen Religionen kann man so nicht feststellen. Man kann dies nur mit Argumenten und Belegen entscheiden, ob überhaupt irgendeine Religion wahr ist oder vielleicht gar keine. Die Überzeugung der Anhänger oder Mitglieder von irgendwelchen Religionen, tragen kein bisschen dazu bei die Frage der Wahrheit zu klären. Ganz im Gegenteil, der Punkt, dass fast niemand seine Religion nach reiflicher Überlegung wählt, sondern die gängige Religion der Gesellschaft, in die er hineingeboren wurde, akzeptiert, ist ein Beleg, für die Leichtgläubigkeit und das Desinteresse der Menschen an der Suche nach der Wahrheit.

Wem es also egal ist, ob das was er denkt, wahr oder falsch ist, soll weiter glauben, was er will und sich gut anfühlt.

Wem dies nicht egal ist, der sollte anfangen Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.


1 Kommentar

  1. Zeitbuerger

    Da trifft sich manches mit diesem Blog-Eintrag über religiös geprägte Abbilder der Realität.

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