50 populäre Dinge, die Menschen für wahr halten (Teil 2)

Hier folgt nun der zweite Teil, zu meiner Buchempfehlung.

Was soll ich nur schreiben und sagen? Es verblasst alles, vor dem Hintergrund der Einleitung, die Guy P. Harrison für sein Buch verfasst hat.

Deswegen rede ich jetzt nicht lange um den heißen Brei herum und lasse Guy Harrison selbst das sagen, was man kaum besser formulieren kann:

_______________________________________________________________________

Wir alle glauben dumme Dinge. Es kommt nur darauf an, wie dumm und wie viele.”

- Guy P. Harrison

Skeptizismus ist eine Fähigkeit und eine Einstellung, um uns durch die oftmals verrückte Welt zu führen. Lückenlos und nachdrücklich angewandt, kann uns der Skeptizismus helfen, ein sichereres, glücklicheres und produktiveres Leben zu führen. Er kann uns auch dabei helfen unsere Psyche gesund und frei zu halten, indem er viel von dem irrationalen Müll verwirft, der ansonsten unsere Ansicht des wundervollen Universums verdunkeln würde. Wenn Verrückte, Betrüger und Narren versuchen uns auf kostspielige und gefährliche Wege zu locken, dann ist der Skeptizismus das Schutzschild welches wir benötigen, um sie abzuwehren.

Einige Leute halten Skeptiker für zynische, negative, engstirnige und verschlossene Menschen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Skeptizismus ist wirklich nichts anderes, als ein schicker Name für den Versuch klar, sorgfältig und gründlich zu denken, bevor man die Entscheidung trifft etwas zu glauben, zu kaufen oder bei etwas mitzumachen. Es geht darum, die Realität von Lügen und Sinnestäuschungen zu bereinigen. Was ist daran schlecht oder negativ?

Eine skeptische Einstellung anzunehmen bedeutet, sich der Welt anzunähern mit offenen Augen, einem eingeschalteten Gehirn, dem Willen die notwendigen Fragen zu stellen und einem Gefühl von Bescheidenheit, das aus dem Wissen herrührt, wie leicht es jedem passieren kann, von dem was wir sehen, hören und worüber wir nachdenken, in die Irre geführt zu werden. Ein Skeptiker zu sein bedeutet ehrlich und weise genug zu sein, um nach Antworten zu streben, die auf Belegen und Logik beruhen, statt auf Hoffnungen und Träumen. Das bedeutet auch klug genug zu sein, um zu akzeptieren, dass manchmal keine befriedigenden Antworten verfügbar sind.

James Randi, der weltberühmte Skeptiker und Zauberkünstler, hat viel Zeit seines Lebens darauf verwendet, Leute vor sich selbst zu schützen, indem er erklärt hat, wie wir klar durch die unerbittlichen Lawinen verrückter Behauptungen und irrationaler Ansichten hindurchsehen können, mit denen wir von der Kindheit bis ins Grab bombardiert werden. James Randi wurde dafür kritisiert, zu harsch zu irrationalen Gläubigen gewesen zu sein. Aber wie sanft muss jemand sein, wenn so viel Elend und Verluste von unbelegten Behauptungen  verursacht werden? Weit über hunderte von Milliarden von Dollars, weggeworfen für Lügen und Fantasien. Menschen leiden und sterben wortwörtlich jeden Tag auf der ganzen Welt aufgrund von Behauptungen, die jeder gute Skeptiker in wenigen Sekunden durchschaut hat.

Nicht alle irrationalen Ansichten sind gleich, jedoch sind sie alle zusammen in einer gefährlichen Art und Weise miteinander verbunden. An Astrologie zu glauben, zum Beispiel, mag kein direktes Gesundheitsrisiko für einen Einzelnen sein, aber die Art von fehlerhaftem Denken, die es überhaupt zulässt von Astrologie beeindruckt zu sein, kann eines sein. Seltsame Ansichten ohne Belege zu übernehmen ist ein gefährliches Spiel, warnt James Randi: „Es kann dich Geld kosten, emotionale Sicherheit und sogar dein Leben. Ich kann mir einige Ausnahmen vorstellen, aber meistens haben die Unwahrheit oder der Betrug einen negativen Einfluss.“

Das ganze Buch hindurch habe ich mein Bestes versucht, positiv und respektvoll zu sein. Ohne Zweifel werden es manche Leser nicht so sehen. Aber ich hoffe, dass sie mir glauben werden, wenn ich sage, dass es nicht mein Ziel ist, eine Auseinandersetzung zu gewinnen oder irgendjemandes Spaß, Glück oder Zufriedenheit wegzunehmen. Ich verstehe es vollkommen, dass es ein Teil des Menschseins ist, seltsamen und unbelegten Ansichten zu verfallen und es passiert den Besten unter uns. Es ist ein Teil des menschlichen Befindens. Wir alle glauben dumme Dinge. Es kommt nur darauf an, wie dumm und wie viele.

Um gefährliche irrationale Ansichten zurückzudrängen, müssen wir jede Behauptung und jede Geschichte durch den Filter des Skeptizismus und der Wissenschaft schütteln. Obwohl es hilft etwas von Geschichte und Wissenschaft zu verstehen, ist Bildung alleine nicht genug. Noch ist außergewöhnliche Intelligenz genug. Viele hochgebildete und hochintelligente Leute nehmen die lächerlichsten und unbegründetsten aller Behauptungen bereitwillig an. Niemand sollte daran zweifeln, dass der Mangel an Skeptizismus eine, weitgehend unbemerkte, globale Krise darstellt.

Ich bin um die ganze Welt gereist und egal wo ich war, habe ich immer mit ansehen müssen wie Geld, Zeit und Energie auf Ansichten verschwendet wurde, die fast mit Sicherheit falsch waren, und das gilt für Leute aus jeder sozialen und wirtschaftlichen Schicht. Diese Verschwendung von Energie und Ressourcen betrübt mich. Wir könnten so viel mehr machen und könnten möglicherweise so viel besser sein, wenn nur der Skeptizismus weiter verbreitet wäre. Dennoch, so frustriert ich auch sein mag, widerstehe ich der Verspottung, dem lächerlich-machen und der Ablehnung von denjenigen, die an unbelegten Ansichten festhalten. Ich bevorzuge es konstruktiv zu sein und denjenigen Hilfe statt Verurteilung anzubieten, die noch nicht erkannt haben, dass nicht alles, was man uns in der Kindheit erzählt hat, wahr ist.

Ich will, dass die Leser meine Motive zum Schreiben dieses Buches kennen. Ich betreibe keine Schelte, halte keinen Vortrag und predige nicht, um mich selbst wichtig zu machen. Ich versuche nur zu kritischem Denken zu ermutigen und anzuregen und die Botschaft verbreiten, dass Skeptizismus wichtig ist.

Ich will helfen und aufbauen nicht verdammen und einreißen. Die Wahrheit ist, dass es mir völlig egal ist, was jemand glaubt. Es ist nur so, wenn ich sehe, wie das Leben von jemandem durch unbelegte Ansichten erschwert wird oder andere deshalb Schaden nehmen, dass ich mich verpflichtet fühle, zu helfen. Wenn irrationale Ansichten nicht so oft gefährlich wären und nicht so einen starken Widerstand gegen den Fortschritt der Menschheit darstellen würden, würde man niemals einen Ton von mir zu dem Glauben von irgendjemandem hören. So wie ich es sehe, ist die Förderung von Vernunft und Skeptizismus eine moralische Angelegenheit. Es geht darum sich um seine Mitmenschen zu kümmern.

Ein Skeptiker zu sein, ist der einzige Weg, den ich mir vorstellen kann, um mein Leben zu leben. Es ist Teil eines positiven Weltbildes, der mir hilft und mich motiviert jeden Morgen aus dem Bett zu kommen. Es gibt dort draußen so viele aufregende Erfahrungen und wichtige Entdeckungen, die auf mich warten, dass ich nicht abgelenkt werden oder Zeit verschwenden will, an Dinge zu glauben, bei denen unwahrscheinlich ist, dass sie wahr sind. Wir sollten uns nicht fürchten zu zweifeln oder Fragen zu stellen, sogar wenn die um uns herum es nicht machen.

Skeptizismus ist konstruktiv, nicht destruktiv. Es ist eine positive Bejahung lebendig und reif genug zu sein, die Realität so zu akzeptieren wie sie ist, statt so wie wir sie uns wünschen oder wie jemand uns sagt, dass sie ist. Die beste Art von Skeptiker konzentriert sich nicht auf Ablehnung und lächerlich-machen. Sie oder er will mehr vom Leben, nicht weniger. Skeptizismus hilft uns Astrologie für Astronomie aufzugeben, durch den Nebel zu sehen und die Sterne zu finden, aufzustehen und vollständig als denkende Menschen zu existieren.

Ein Leben so weit wie möglich frei von Illusionen und Täuschungen zu führen, bedeutet dieses Leben wertzuschätzen und zu verstehen, dass nicht ein einziger kostbarer Moment willentlich einer Lüge oder einer unbelegten Ansicht geopfert werden sollte.

Guy P. Harrison

Erde, 2011


2 Kommentare

  1. Scheint mir wirklich ein interessantes Buch zu sein. Zumindest das Intro ist eine wundervolle Homage an die Vernunft.

    Ich denke, der Knackpunkt ist, wie erwähnt, tatsächlich, dass Glauben sehr viel einfacher (und vordergründig angenehmer) ist, als hinterfragen und ggf seine voreingestelle Meinung zu revidieren.

    Das Essay hat mich neugierig gemacht.

  2. Stephan

    Hi Josc,

    ja, ich finde es auch wunderschön ausgedrückt. Er spricht mir da aus dem Herzen (nicht nur aus meinem Verstand). Er erklärt genau das, was und wie ich denke und warum ich das tue.
    Das ist der Grund, warum ich Skeptiker bin.

    Hier hatte ich schon ein gutes Buch von Ihm empfohlen:

    http://www.nachdenken-bitte.de/kritisches-denken/denk-nach-warum-du-alles-in-frage-stellen-solltest/

    Viele Grüße
    Stephan

Trackbacks/Pingbacks

  1. 50 populäre Dinge, die Menschen für wahr halten (Teil 3) | Nachdenken...bitte - [...] sich von Teil 1 und Teil 2 nicht hat überzeugen lassen, den wird das Gesagte hier wahrscheinlich auch nicht ...