50 populäre Dinge, die Menschen für wahr halten (Teil 3)

Das ist nun der letzte Hinweis und die letzte Empfehlung von diesem wunderbaren Buch.

Wer sich von Teil 1 und Teil 2 nicht hat überzeugen lassen, den wird das Gesagte hier wahrscheinlich auch nicht überzeugen. Aber für alle anderen, hier das Schlusswort von Guy P. Harrison, wie immer wundervoll formuliert:

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 Lebewohl und viel Glück

 

“Das ganze Leben ist nur ein kurzer Augenblick. Deshalb ist es unsere Pflicht, es zu nutzen und nicht einfach wegzuwerfen.”

- Plutarch

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Es erschreckt mich, mir vorzustellen, wie mein Leben hätte verlaufen können, wenn ich nicht früh eine skeptische Einstellung angenommen hätte. Ich hätte unzählige Stunden darauf verschwenden können, mir Sorgen zu machen über Hellsehen, Horoskope oder darüber ob und welche/r der Millionen von Götter mich wohlwollend annimmt.

Das hätte bedeutet weniger Zeit zur Verfügung zu haben Bücher zu lesen, die Welt zu erforschen, mit Mädchen zu flirten, Science-Fiction Filme anzuschauen und mit Schokolade überzogene Nüsse zu essen. Ganz sicher ein trauriges Leben.

Ich hätte vielleicht auch tausende von Dollar verschwendet und meine Gesundheit mit medizinischen Quacksalbereien geschädigt. Noch schlimmer, vielleicht hätte ich mein Leben der Verbreitung und dem Verkauf von gefährlichen irrationalen Überzeugungen gewidmet. Ich bin froh und stolz, dass ich bereit und fähig dazu bin, darüber nachzudenken, was ich denke. Die Angewohnheit zu denken, bevor ich etwas glaube, hat mir sehr geholfen.

Niemand sollte denken, dass Skeptizismus und Wissenschaft zu kompliziert oder herausfordernd sind. Du musst kein professioneller Wissenschaftler sein, um die Prinzipien der Wissenschaft benutzen zu können. Du musst kein ausweistragendes Mitglied irgendeiner skeptischen Gesellschaft sein, um fähig zu sein, dir deinen Weg um all die dampfenden Haufen Unsinns herumdenken zu können. Es ist nicht schwer ein Skeptiker zu sein. Stell dir einfach vor, du hättest einen skeptischen Filter um dein Gehirn gewickelt.

Jede seltsame Behauptung, die sich in dein Leben einschleichen will, muss sich zuerst durch diesen Filter zwängen. Wenn sie es nicht kann, dann ist sie deine Zeit nicht wert. Je früher du so anfängst zu denken, umso besser. Als meine Kinder noch sehr klein waren, habe ich Ihnen erklärt, wie wertvoll es ist, dem Leben als kleine Amateur-Wissenschaftler gegenüber zu treten. Ich habe sie darin bestärkt alles zu hinterfragen, die Quelle zu betrachten, nach Belegen zu fragen, nach Fehlern in Behauptungen zu suchen, andere Erklärungen zu berücksichtigen und so weiter.

Heute beeindrucken sie mich regelmäßig mit ihren aufschlussreichen Fragen und der Fähigkeit Dinge zu durchschauen, die sie in der Fernsehwerbung sehen oder in alltäglichen Unterhaltungen hören. Ich habe sie nicht gelehrt so zu denken wie ich. Ich habe sie gelehrt für sich selbst zu denken und ihr Leben wird dadurch sicherlich besser sein.

Ein Leben als Skeptiker ist für jeden und für alle machbar. Man ist nicht angewiesen auf eine umfangreiche Bildung oder eine außergewöhnliche Intelligenz. Das Herzstück dessen, was es bedeutet ein Skeptiker zu sein, ist es etwas über natürliche Prozesse, Schwächen und Verwundbarkeiten des menschlichen Gehirns  zu bemerken und zu verstehen und sich zu entscheiden, nicht ohne einen Kampf aufzugeben. Es geht darum zu erkennen, dass wir alle getäuscht werden können und werden, immer wieder, unser ganzes Leben hindurch. Das ist unvermeidbar.

Niemand ist vor einer Infektion durch schlechte Ideen oder verrückte Überzeugungen gefeit. Ich bin der Autor von drei Büchern, die Skeptizismus als Thema haben, und kann dennoch zu einem Opfer von minderwertigem Denken werden. Vor einigen Jahren zum Beispiel, habe ich nach dem Sport gewohnheitsmäßig teure Protein-Shakes in mich geschüttet. Es schien mir damals das richtige zu sein, aber ich war ein Opfer der Werbung und des Einflusses Gleichaltriger. Seitdem habe ich verstanden, dass ein proteinreiches Essen nach dem Sport sinnvoller und besser für mich ist.

Ich fiel damals in den 90er Jahren auch kurz auf diese fixe Idee herein, dass Mozart Musik einen schlauer macht. Während der Arbeit hörte ich Mozart, in der Hoffnung, dass es mir dabei hilft einen Weg zu finden, um endlich die Existenz von Paralleluniversen zu beweisen oder vielleicht eine bessere Glühlampe zu erfinden. Wie auch immer, jetzt weiß ich es besser und höre Musik von Mozart nur noch, weil ich sie mag. Du lebst und lernst. Du fällst und stehst wieder auf.

Diese Welt, die wir uns selbst erschaffen haben, ist ein Irrgarten des Wahnsinns. Hinter jeder Ecke gibt es jemanden, der darauf wartet dir eine Geschichte über Dinge zu erzählen, die nie passiert sind, oder eine Versprechung macht, die niemals wahr wird. Das Beste, was wir gegen Illusionen, Täuschungen und Betrügereien machen können ist, diese mit kritischem Denken und der wissenschaftlichen Methode zu bekämpfen. Aus meiner Sicht ist der Skeptizismus überall und für jeden notwendig.

Wer, der bei vollem Verstand ist, will es nicht vermeiden, hereingelegt und in die Irre geführt zu werden, während er dabei Zeit und Geld verschwendet. Fall nicht auf die Lüge herein, dass Skeptizismus das gleiche sei wie Zynismus und ein negatives Weltbild oder irgendein großes Opfer verlangen würde. Nur diejenigen, die sich durch eine offene und ehrliche Untersuchung bedroht fühlen, erheben solche Anschuldigungen. Millionen von skeptisch denkenden Menschen beweisen jeden Tag, dass es möglich ist produktiv, kreativ und zufrieden zu sein, ohne sich an irrationale Überzeugungen zu klammern.

Außerdem, wenn der Skeptizismus einmal seine Arbeit getan hat, den ganzen Unsinn auszusondern, dann bleibt viel mehr Zeit und Energie übrig für Familie, Freunde, Spaß, Sport, Selbstverwirklichung und kreative Freizeitbeschäftigungen – also genau die Dinge, die sich zu einem glücklichen Leben ansammeln können.

Es ist nichts Negatives dabei in der realen Welt leben zu wollen und das Leben so zu bewältigen, wie es wirklich ist. Ist das nicht ein Teil dessen, was es bedeutet, erwachsen zu sein? Leid, Unglück und der Tod sind schreckliche Dinge, die niemand von uns vermeiden kann. Aber ich behaupte, dies mit Fantasie, absichtlicher Ignoranz oder dem Festklammern an Lügen ausschalten zu wollen, ist nicht die beste Verteidigung gegen die Härten des Lebens.

Hoffnung kann man genauso gut in der Realität finden. Inspiration gibt es ebenso auch in der Wahrheit. Wir mögen vorübergehende Staubkörnchen in einem unfassbar riesigen Universum sein, aber das unglaubliche menschliche Gehirn hat die Möglichkeit etwas Zuversicht, Trost und Zufriedenheit in der Realität zu finden, wenn wir ihm die Chance dazu geben. Zwischen den endlosen Geschenken der wissenschaftlichen Entdeckungen und der Herzlichkeit einiger Mitmenschen, welches Bedürfnis haben wir für das Katzengold der Mythen und Fantasiewelten?

Eine Fiktion ist wunderbar – bis zu dem Punkt an dem man sie mit der Realität verwechselt – dann wird sie eine Belastung und Bürde.

Wir sind nicht unbedingt auf ewig dazu verdammt mit irrationalen Überzeugungen belastet zu sein.

Vergiss nie, dass das Gehirn, welches uns so oft in Fallen lockt, das gleiche Gehirn ist, welches uns befreien kann.

Wir müssen uns nur die notwendige Mühe geben, wachsame skeptische Denker zu sein. Wenn wir uns dazu entschließen, können wir unserem Leben einen großen Sinn und eine Bestimmung geben, aufbauend auf den Dingen von denen wir wissen, dass sie real sind. Niemand muss diese Richtung einschlagen, natürlich, aber zweifle nicht daran, dass du es könntest.

Um stark zu sein, ist es nicht notwendig sich auf den Aberglauben zu stützen oder die Fantasie unsere Existenz definieren zu lassen. Wenn du ein netter Mensch sein willst, dann sei nett. Wenn du ein Drückeberger sein willst, dann hör auf damit dieses Buch zu lesen und leg dich schlafen. Du brauchst keine unbewiesenen Behauptungen von übernatürlichen und paranormalen Dingen, die dich führen oder dich auf deinem Weg beruhigen sollen.

Du bist ein Mensch mit einem ungeheuer mächtigen Gehirn. Unterschätze nicht seine Fähigkeit dich vor vielem Unsinn und Gefahren da draußen zu schützen.

Dein Leben ist deines, lebe es weise.

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Guy P. Harrison

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