Fundamentalismus und das Fähnchen im Wind

George W. Bush ist ein Mann mit festen Ansichten. Er glaubt Mittwoch an das Gleiche, an das er schon am Montag geglaubt hat, völlig egal was am Dienstag passiert ist.

Das ist frei nach Stephen Colberts berühmter Rede über George Walker Bush zitiert und es ist eine der besten Definitionen für Fundamentalismus.

Manche Menschen denken, es sei eine Tugend und erstrebenswert eine felsenfeste Meinung zu haben. Manche Menschen denken, es wäre falsch und schlecht die eigene Meinung ständig zu ändern oder sie wie ein Fähnchen im Wind zu ändern. Nun, das ist teilweise richtig, aber teilweise eben auch nicht.

Überlegen wir einmal…Wann könnte oder sollte man eine feste Meinung über ein bestimmtes Thema haben? Vielleicht, wenn man sich bei und in einem Thema gut auskennt, schon oft darüber nachgedacht hat, sich alle gängigen Argumente und Gegenargumente angehört und bedacht hat. Wenn man sich nach reiflicher Überlegung für eine feste Meinung zu einem Thema „entschieden“ hat, sollte man dann immer bei seiner Meinung bleiben und diese niemals unter keinerlei Umständen ändern? Wer das bejaht ist ein Fundamentalist, weil er denkt, dass er sich nicht irren kann.

Egal wie gut man sich in irgendeiner Sache auskennt, egal wie gut die eigenen Argumente und Belege sind, sollte man immer offen dafür sein, dass es noch bessere Argumente und Belege geben könnte.

Sollte man von diesen besseren Argumenten und Belegen erfahren, und man ist intellektuell redlich und erkennt die Überlegenheit dieser Argumente, dann sollte man auch seine eigene feste Meinung ändern.

Menschen, die die eigene Meinung wie ein Fähnchen im Wind ändern, haben meist keine gefestigte Meinung zu dem Thema und müssten sich erst einmal überlegen, welche Argumente und Belege gut und welche schlecht sind.

Fundamentalismus ist eine Art Egoismus oder noch besser, eine Art Narzissmus. Man ist so stark in seine eigene Meinung „verliebt“ und hält daran fest, völlig egal welche und wie viele Argumente und Belege es für die gegenteilige Meinung gibt. Um jeden Preis und auf Kosten aller ignoriert man diese Argumente und gestattet sich selbst keine genauere Prüfung dieser, weil man Angst hat, dass man sich vielleicht doch irren könnte.

Sowohl der Fundamentalismus als auch das Fähnchen im Wind sind gefährlich, was schlimmer und gefährlicher ist, das soll sich jeder selbst überlegen. Wenn man mit seiner Meinung den guten Argumenten und Belegen folgt und sich von diesen führen lässt (und nicht umgekehrt die Argumente und Belege sich für seine Wohlfühlmeinung zurecht legt) und offen dafür bleibt, sich eventuell doch zu irren, dann ist man kein Fundamentalist und auch kein Fähnchen im Wind.

Dies wäre das Ziel, welches es zu erreichen gilt.


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