Presseschau: Stimmt es wirklich?

Eigentlich glaubt der Mensch lieber, statt zu zweifeln. Skeptiker hatten es seit jeher schwer, Gehör zu finden. Aber ihr Einfluss wächst. Eine kleine Reise in die Welt des Zweifels. Hier geht’s zum Artikel.


Zitate:

Nur weil es keine absolute Wahrheit gibt und Meinung gegen Meinung steht, bedeutet ein Skeptiker zu sein nicht automatisch, sich mit allem abzufinden. „Es ist nicht sinnvoll, eine Behauptung zu glauben, wenn es keinen Grund zu der Annahme gibt, dass sie wahr ist“, schreibt der britische Philosoph Bertrand Russell 1928 in seinem Aufsatz „Der Wert des Skeptizismus“.

 Die moderne Wissenschaft verdankt den Skeptikern entscheidende Impulse. So arbeitet der englische Aufklärer David Hume 1740 in seiner „Untersuchung über den menschlichen Verstand“ heraus, dass der Zusammenhang von Ursache und Wirkung aufgrund der Schranken unseres Denkens nicht zu beweisen ist. Absolutes Wissen ist daher nicht möglich – aber immerhin wahrscheinliches.

Auch die Naturwissenschaft hat sich von der Idee entfernt, im völligen Besitz der Wahrheit zu sein. Sie besitzt – siehe überlichtschnelle Neutrinos – keine unerschütterlichen Dogmen. Indem der Forscher Annahmen aufstellt, diese überprüft, etwa in einem Experiment, und am Ende bestätigt oder verwirft, hat er sich der Wahrheit jedoch zumindest angenähert. Er hat sie „wahrscheinlicher“ gemacht. Es ist kein Zufall, dass statistische Berechnungen heute in der Wissenschaft eine zentrale Rolle spielen. Sie stecken den Rahmen des Wahrscheinlichen ab.

Es könnte auch sein, dass die Welt um Sie herum nur die Kulisse einer Fernsehsendung ist, in der sich alles um Sie dreht, wie in dem Film „Die Truman Show“. Gewiss, das alles könnte sein. Aber es ist sehr unwahrscheinlich. Auch wenn alles anzweifelbar ist, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass alles möglich ist.

Was die Frage aufwirft, warum viele Menschen einen zweifelhaften Glauben dem vernünftigen Zweifel vorziehen. Ein Grund dafür sieht Mahner im menschlichen Hang, ursächliche Zusammenhänge herzustellen. Wenn der Steinzeitmensch in der Savanne ein Rascheln im Busch hörte, tat er gut daran, die Beine in die Hand zu nehmen. Der skeptische Steinzeitmensch dagegen, der das Geräusch nicht unmittelbar mit Gefahr in Verbindung brachte, wurde vom Löwen gefressen. Der Mensch von heute, der gegen Schlafstörungen homöopathische Kügelchen schluckt, wird seine Nachtruhe künftig mit der Homöopathie verknüpfen, obwohl vielleicht gar kein echter Zusammenhang existiert – und die Alternativmedizin hat einen Anhänger mehr.

Zumindest in Sachen Einstein und Lichtgeschwindigkeit hat das gewissenhafte System 2 gesiegt. Im Februar 2012 teilten die Experimentatoren mit, dass technische Versehen für die revolutionären Ergebnisse ausschlaggebend waren, darunter ein schief angeschraubter Stecker. Und einen Monat später veröffentlichte ein anderes Team seine Messergebnisse. Sie bestätigten Einsteins Annahme: Nichts ist schneller als Licht. Gut, dass wir skeptisch waren.

 


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