Grüß Gott

Tja, die guten, alten Traditionen in meinem geliebten Bundesland Bayern. Ja, ich mag Traditionen, je älter, desto besser. Traditionen bewahren unsere Werte (welche auch immer?), geben Halt und Stabilität (ja, wer’s braucht) und stiften eine Art Identität (wichtig in solchen Zeiten der Relativität). Im Prinzip ist das Alter der Tradition ja auch eine Art Gradmesser der Wahrheit und überhaupt, wenn man etwas schon immer so gemacht hat, dann kann es doch nur gut sein!

Allerdings gibt es doch eine kleine Ausnahme, eine Tradition, die ich doch nicht so ganz verinnerlicht habe und die doch hier und da an mir nagt: Die Grußformel in Bayern.

Nun, vielleicht finden es einige ungerecht, übertrieben und kleinlich über dieses Thema einen Artikel zu schreiben. Diese Leute dürfen dann gerne hier weiterlesen.

Ja, ich als Mitt-Dreißiger finde es immer wieder lustig, wenn mich jemand mit „Grüß Gott“ anspricht. Meist sind das eher ältere bis alte Menschen und ich tue mich schwer, ein Grinsen zu unterdrücken, und antworte meist mit einem langweiligen „Hallo“. Im Moment bin ich dabei über alternative Strategien für eine bessere oder interessantere Reaktion nachzudenken.

Mir ist durchaus klar, dass dieses „Grüß Gott“ nur eine Floskel darstellt und wahrscheinlich gut gemeint ist. Deswegen bin ich mir nicht sicher, ob es zu rüde ist, wenn man einfach kurz entgegnen würde: „Wen soll ich grüßen?“ oder „Wer grüßt mich?“. Wäre vielleicht eine Erwiderung wie „Grüß Einhorn“, „Grüß Kobold“ oder „Grüß Loch-Ness-Monster“ ein wenig zu viel des Guten? Oder darf ich sagen: „Das ist aber nett, dass sie mir Grüße von Gott ausrichten. Wann haben sie denn das letzte Mal mit ihm geredet und wie geht es dem Guten denn? Tut ihm sein eigeklemmter Ischias Nerv immer noch so weh?“

So ganz überzeugt mich keine dieser Antworten, obwohl ich durchaus gewisse Sympathien für die eine oder andere Antwort hege. Wofür ich eher wenig Sympathie hege, ist dies. Das hier ist schon wieder lustig. Aber was soll man dazu auch sagen, außer, dass die Uhren in Süddeutschland offensichtlich irgendwie anders gehen.


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