Weltanschauung


Ich hoffe der Inhalt des Films „Matrix“ ist bekannt, falls nicht sollte man ihn sich unbedingt ansehen. Die entscheidende Szene ist die, in der Neo von Morpheus gefragt wird, ob er die blaue oder die rote Pille schlucken will:

Deutsches Video:

 

Morpheus:  “Dies ist Deine letzte Chance, danach gibt es kein Zurück mehr! Wenn Du die blaue Pille nimmst, ist alles vorbei. Du wachst auf in Deiner Welt und glaubst an das, was Du glauben willst. Nimm die rote Pille, und Du bleibst im Wunderland. Und ich führe Dich in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus!”

Die blaue Pille steht dafür, dass einem die Realität und die Wahrheit egal sind. Sie steht für Wunschdenken, Selbstbetrug und Illusionen.

Die rote Pille steht dafür, dass einem die Realität und die Wahrheit wichtig sind und dass man Wunschdenken, Selbstbetrug und Illusionen ablehnt.

Jeder von uns muss immer wieder wählen, welche Pille er oder sie schlucken wird. Ich habe die rote Pille geschluckt (und versuche immer wieder diese zu nehmen) und nachdem ich das gemacht hatte, hat sich für mich folgendes Weltbild oder folgende Weltanschauung entwickelt.

Philosophie:

In aller Kürze gesagt bin ich ein Realist, kritischer Rationalist, Skeptiker und Naturalist. Was bedeutet das genau?

Fangen wir damit an, dass ich ein Realist bin, d.h. ich denke, dass es eine physikalische Wirklichkeit (Realität) gibt, die unabhängig davon existiert, was ich mir wünsche oder vorstelle. Ich bin also kein Idealist, der denkt, dass die physikalische Welt nur als Objekt für das Bewusstsein oder sogar nur im Bewusstsein existiert. Noch einen Schritt weiter geht ein Solipsist, der ich ebenfalls nicht bin, der davon ausgeht, dass nur das eigene Ich und eigene Bewusstsein existieren und nichts anderes. Ich bin kein naiver Realist, also ich denke nicht, dass wir die Welt mit unseren Sinnen 1:1 so wahrnehmen, wie sie wirklich ist (Sinnestäuschungen). Ich bin Realist, weil es gute Argumente dafür gibt, dass es eine Wirklichkeit gibt.

Ich bin kritischer Rationalist und muss hier quasi gleich zwei Begriffe erläutern. Vernunft und Verstand sind die einzige Methode und Chance, um objektives Wissen zu erreichen und begründen zu können. Nur damit ist es möglich zwischen wahr und falsch unterscheiden zu können und die Realität zu erkennen. Kritik ist dabei wichtig als Korrektiv, um Fehler zu erkennen und daraus zu lernen. Man irrt sich zur Wahrheit empor. Der kritische Rationalismus ist aus meiner Sicht so wichtig, dass man wenigstens den wikipedia Artikel dazu lesen sollte. Ich bin in diesem Sinne ein Anhänger Karl Poppers und dessen Ansichten:  Kritischer Rationalismus

Ja, ich bin auch ein Skeptiker. Es gibt kein absolut sicheres Wissen, was übrigens auch der kritische Rationalismus feststellt. Der Skeptizismus lehrt uns bescheiden und offen zu sein, was Erkenntnisse und Wissen anbelangt. Allerdings bin ich kein radikaler Skeptiker, ich zweifle nicht an, dass es eine Realität gibt. Ja, rein theoretisch könnten wir alle in der Matrix leben oder Gehirne in einem Labor sein, ohne die Chance es zu merken. Aber es ist erstens sehr unwahrscheinlich, zweitens gibt es keinerlei Anhaltspunkte oder Belege dass dem so wäre und drittens selbst wenn es so sein sollte, macht es trotzdem keinen Sinn dies anzunehmen für mein Leben im hier und jetzt. Skeptisch zu sein bedeutet, bestimmten Behauptungen mit gesteigertem Zweifel zu begegnen. Man muss lernen und üben, woran man erkennt, wann stärkerer und größerer Zweifel angebracht ist und wann nicht. Im Zweifel sollte man lieber mehr zweifeln als leicht- und gutgläubig zu sein, denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine Behauptung wahr ist, ist viel kleiner, als dass sie falsch ist. Das Gegenstück zum Skeptiker ist übrigens der Dogmatiker, der einfach ein Dogma als wahr oder gut festlegt und das darf niemals bezweifelt werden, sondern alle sollen und müssen es als wahr akzeptieren, egal wie offensichtlich es ist, dass es falsch ist.

Last but not least, bin ich ein Naturalist. Das bedeutet, ich denke, dass es in Universum „mit  natürlichen und rechten Dingen“ zugeht. Ich denke nicht, dass es irgendetwas „Übernatürliches“ gibt. Ich bin nicht abergläubisch und ich denke nicht, dass es Geister, Gespenster, Dämonen, Engel, Feen, Kobolde, Chakren, PSI, Auren, Meridiane, Telekinese, Hellsehen oder eine Seele gibt. Ich denke auch nicht, dass es Gott gibt. Atheist bin ich daher praktisch automatisch als Folge meines Naturalismus. Warum sehe ich das alles so? Ganz einfach, weil es nicht den Hauch eines ernstzunehmenden Beleges gibt, dass es irgendwelche übernatürlichen Dinge gibt. Ehrlich, ich würde hier, wie bei allen anderen Dingen auch, sofort meine Ansicht ändern und ein Supernaturalist (der glaubt an Engel, Gespenster etc…) werden, wenn ich ernstzunehmende Belege präsentiert bekommen würde. Es wäre doch spannend von einem Engel, Dämon oder einem Geist endlich einmal zu erfahren, ob P=NP oder eben nicht. Wer zum Thema Naturalismus mehr erfahren will, auch hier empfehle ich zum Einstieg wikipedia:  Naturalismus

 

Leben:

Das Leben, unser Leben, ist ein ganz wichtiger Punkt und Bestandteil (m)einer Weltanschauung. Wir sind etwas anderes als ein Stein, wir haben Gedanken, Ideen, Wünsche, Ziele und vor allem Gefühle.

Eine gängige Kritik, welche aus meiner Sicht nur ein Missverständnis ist, geht in etwa so: „Du betonst hier auf diesen Seiten ständig, wie wichtig kalter Verstand, Vernunft und Rationalität sind, aber so kann man doch nicht leben, wo bleiben denn da Kreativität, Kunst, Musik, Kultur, Leidenschaft, Intuition und die Gefühle?“

Ich bestreite, das Vernunft, Verstand und Rationalität „kalt“ sind, vielmehr benötigt man unbedingt Kreativität, Intuition und Leidenschaft diese richtig anzuwenden und bekommt oft Ergebnisse zurück, die unsere Gefühle aufs Tiefste berühren. In der oben zitierten Kritik wird unterstellt, dass Vernunft und Gefühle zwei diametral entgegengesetzte „Dinge“ sind. Genau das trifft aus meiner Sicht nicht zu.

Hinzu kommt, selbst wenn dies so wäre, schließt das eine doch nicht das andere aus. Man kann doch rational und vernünftig durchs Leben gehen und zusätzlich Kunst, Musik, Kultur, Leidenschaft und Gefühle genießen und erleben. Ja, das ist wirklich möglich!

Allerdings steckt auch ein kleines Körnchen Wahrheit in obiger Kritik, weswegen ich sie für so wertvoll halte und hier ausführlich anspreche. Ich betone hier nämlich wirklich die Wichtigkeit und das Primat der Vernunft über die Gefühle, im Hinblick auf der Suche nach Wahrheit, Wertschätzung der Realität und dem Treffen sinnvoller Entscheidungen.

Warum ist das so? Ganz banal gesagt ist es so, dass man sich seinen Leidenschaften und Gefühlen hingeben kann und darin versinken kann, aber dadurch wird man erstens nie erkennen, dass 2+3=5 ist oder die Winkelsumme im Dreieck 180° Grad beträgt, und zweitens könnte man auch nie begründen oder jemandem erklären, warum dies so ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der, dass sich auch und sogar der Verstand und die Vernunft irren können und sich tatsächlich oft irren. Leider schneiden Gefühle hier in keiner Weise besser ab, ganz im Gegenteil, wer nur oder zu oft alles auf seine Gefühle setzt, irrt nur durchs Leben. Wenn nun jemand sagt: „Aber meine Gefühle haben mir bisher immer oder mehr geholfen, als geschadet, ich habe immer oder meistens richtige Entscheidungen getroffen. “ Hier wird nur leider verkannt, dass es nicht reine und pure Gefühlswallungen waren, sondern eher eine Intuition, also bewusst oder unbewusst wurde der Verstand und die Vernunft benutzt, wahrscheinlich sogar hauptsächlich diese. Reine Gefühle, wie Glück, Freude, Trauer oder Liebe sind einfach, man kann mit Ihnen nichts erkennen, geschweige denn sinnvoll entscheiden.