Eleganter Unsinn II: Science War oder Naturwissenschaft vs. Geisteswissenschaft

Alan Sokal schreibt in Bezug auf seine Motivation:

Aber was hat mich dazu bewogen? … [...] ich bin ein spießiger alter Wissenschaftler, der naiv glaubt, daß eine äußere Welt existiert, daß es objektive Wahrheiten über sie gibt und daß meine Aufgabe darin besteht, ein paar davon zu entdecken … Es geht mir darum, einen gegenwärtig im Trend liegenden postmodernen / poststrukturalistischen / sozialkonstruktivistischen Diskurs — und allgemeiner: eine subjektivistische Tendenz— zu bekämpfen, der — beziehungsweise die — nach meiner Überzeugung für die Werte und die Zukunft der Linken schädlich ist. (Alan Sokal/Jean Bricmont 1999. Eleganter Unsinn: S.321)

Was hat das alles mit der Postmoderne, dem Relativismus und Konstruktivismus zu tun? Sind diese (philosophischen) Positionen oder Ansichten gut begründet?

Paul Boghossian zeigt in seinem Buch „Angst vor der Wahrheit: Ein Plädoyer gegen Relativismus und Konstruktivismus“, dass es schwerwiegende Argumente gegen die Position(en) des Relativismus und Konstruktivismus gibt und dass sie letztendlich inkonsistent sind.

Der Relativismus verneint absolute Wahrheiten, was sich als selbstwidersprüchlich herausstellt. Der Konstruktivismus beinhaltet teilweise schon einen Relativismus und erklärt Objektivität für unmöglich, d.h. er bestreitet, dass es möglich ist eine objektive Realität zu erkennen. Dies ist eine Kritik an naiven Realismus, aber diesen vertritt praktisch niemand mehr, der z.B. etwas von optischen Täuschungen gehört hat.

Der Konstruktivismus geht aber viel zu weit mit seinen Behauptungen und ist genau wie der Relativismus falsch und selbstwidersprüchlich, wie Paul Boghossian in seinem Buch ausführlich erläutert.

Postmoderne Ansichten beruhen zu einem großen Teil auf dem Relativismus und Konstruktivismus, wie man z.B. an seinen wesentlichen Elementen erkennt.
Die Kritik an Vertretern der Postmoderne fällt auch dementsprechend deutlich aus und führt direkt zu den „Science Wars“.

Postmodernisten lehnen wissenschaftliche Objektivität, die wissenschaftliche Methode und die Möglichkeit zu Wissen und Erkenntnissen zu gelangen ab. Den geschichtlichen Hintergrund kann man hier kurz nachlesen.

Wenn es wahr wäre, dass alles subjektiv ist und es keine absoluten Wahrheiten gäbe, dann ist dieser Satz nicht einfach nur falsch, sondern er wird sinnlos.

Wenn ich nun sage, dass die Erde die Form eines Quaders hat, jemand anders behauptet, dass die Erde die Form einer Kugel hat und wieder jemand anderes, dass sie eine Dreiecksform hat, dann sagt die Postmoderne, dass wir alle „irgendwie“ Recht haben aus unserer Perspektive und es keine absolute Wahrheit und Realität gibt.

Noch viel schlimmer: Wenn ich mich für Napoleon Bonaparte halte, für den Kaiser von China, für die Bundeskanzlerin Angela Merkel oder für Gott, dann sagt der Anhänger der Postmoderne, dass dies legitime subjektive Ansichten sind und es sinnlos ist, zu fragen, was davon denn nun objektiv wahr und richtig sei, falls überhaupt irgendetwas davon wahr ist. Es gibt für die Anhänger der Postmoderne keine absolute, objektive Wahrheit.

Nun, mit solch einer Ansicht wundert es mich überhaupt nicht, dass die Herausgeber von der Zeitschrift „Social Text“ diesen Phantasiebeitrag von Alan Sokal veröffentlicht haben. Sie können nach ihrer eigenen Philosophie ja nicht einmal unterscheiden zwischen subjektiv und objektiv, zwischen wahr und falsch und zwischen Fantasie und Realität. Nicht weil sie zu dumm oder zu faul wären, Alan Sokals Beitrag zu überprüfen und analysieren, nein viel schlimmer, sie streiten Objektivität, Wahrheit und Realität von Anfang an ab. Aus ihrer Sicht ist Alan Sokals Beitrag genauso gut, wie wenn ein Affe zufällig auf einer Schreibmaschine herumtippt und dann diesen „Text“ einreicht.

Hier wird die Sokal-Affäre sehr gut beschrieben und erläutert.

Zitat daraus:

„Als Hauptmotiv für seinen Aufsatz führt Sokal den beunruhigenden Trend auf, dass große Teile der Geistes– und Sozialwissenschaften sich eine Philosophie zu Eigen gemacht haben, die dadurch gekennzeichnet sei, dass sie die Wissenschaft als eine gesellschaftliche Konstruktion unter vielen betrachte und sie damit auf eine Stufe mit ”Mythen“ und ”Erzählungen“ stelle. Dieser postmoderne relativistische Einfluss schlage sich in zahlreichen Werken amerikanischer und französischer Intellektueller nieder, die Theorien aufstellten, ohne sie empirisch zu belegen oder rationale Gründe für ihr Vorgehen anzugeben. So würden naturwissenschaftliche Theorien auf Gebiete der Geisteswissenschaften übertragen, zwischen denen ganz offenkundig keine Verbindung bestehe. Da die betreffenden Autoren die naturwissenschaftliche Methodik zur Ratifizierung von Theorien ablehnten — eben weil sie diese nur als eine Sichtweise unter vielen sähen —, sei für sie der Weg frei, die wildesten Behauptungen aufzustellen.“

Man sollte sich auch unbedingt die Unterschiede zwischen der Methodik der geisteswissenschaftlichen und der naturwissenschaftlichen Arbeitsweise von Seite 6 bis Seite 9 durchlesen.

Hier geht es zum ersten Teil…

Hier geht es zum dritten Teil…


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