Scientabilität – Kritik einer Gegenrede

Letzte Woche bin ich zufällig auf eine Kritik am Konzept der „Scientabilität“ gestoßen. Diese Gegenrede wurde von Sebastian Bartoschek verfasst und kann hier gelesen werden.

Ich finde es gut, dass Sebastian Bartoschek hier eine weitere Diskussion angestoßen hat, denn es hat noch nie geschadet, sich Gedanken über das pro und kontra einer Idee oder eines Konzeptes zu machen.

Seine Kritik an der „Scientabilität“ kann ich zu großen Teilen nicht nachvollziehen bzw. teile sie nicht, da ich die meisten der fünf Argumente, die er anführt für schwach, falsch oder irrelevant halte.

Deshalb hier nun eine kleine Kritik zu seiner Kritik.

Bevor ich ins Detail gehe, will ich kurz meinen Eindruck wiedergeben, dass ich denke, er kritisiert einen Strohmann von „Scientabilität“ bzw. definiert und versteht es anders als ich.

Es klingt für mich so, dass Sebastian Bartoschek Sorge davor hat, dass man durch die Forderung nach „Scientabilität“ Gefahr läuft (zu viele) Fehler 1.Art zu machen. Man lehnt eine Hypothese ab, obwohl sie wahr ist (Beispiel: Kontinentaldrift).

Tendenziell mag es so sein, dass (konservative) Skeptiker eher zu einem Fehler 1.Art neigen. Das ist bei Esoterikern oder religiösen Menschen genau umgekehrt, diese neigen stark dazu, Fehler 2.Art zu begehen, d.h. eine Hypothese oder Behauptung für wahr zu halten, obwohl sie in Wirklichkeit falsch ist.

Meiner Meinung nach, ist die Vorgehensweise des Skeptikers dennoch die richtige, mindestens aus zwei Gründen: Erstens gibt es unendlich (wortwörtlich!) viele Behauptungen, die falsch sind, man fährt also schon aus Wahrscheinlichkeitserwägungen besser, wenn man eine Behauptung für falsch hält, weil die Wahrscheinlichkeit viel höher ist, dass sie falsch als wahr ist (es gibt mehr falsche, als wahre Behauptungen!). Zweitens liegt die Beweislast einer Hypothese bei dem Behauptenden, d.h. wenn dieser die Existenz eines Phänomens nicht belegen kann, dann sollte man dessen Hypothese für falsch halten, nicht für wahr. Man könnte sich eventuell noch auf einen agnostischen Standpunkt einigen und sagen: Warten wir mal eine Weile ab, vielleicht kannst du diese Hypothese doch noch belegen. Aber diesen agnostischen Standpunkt nehmen wir ja im praktischen Leben auch so gut wie nie an (höchstens vorläufig, aber nicht dauerhaft) und ich halte ihn für verlogen und falsch. Ja, prinzipiell könnte es unsichtbare, rosa Einhörner geben, aber ich enthalte mich nicht eines Urteils, sondern gehe davon aus, dass diese Hypothese falsch ist und es diese Einhörnern nicht gibt. Warum? Weil ich keinerlei Gründe, Belege oder Argumente kenne, die die Wahrheit dieser Hypothese nahelegen würden.

Hinzu kommt natürlich, dass erst dann eine einigermaßen befriedigende Situation erreicht ist, wenn man ein Phänomen im Rahmen einer sinnvollen Theorie erklären und verstehen kann.

Zusammengefasst scheint Herr Bartoschek mehr Sorge vor Fehlern 1.Art zu haben als vor Fehlern 2.Art. Man kann sich jetzt natürlich darüber streiten, welcher Fehler praktisch für unser Leben „schlimmer“ ist und ich würde dazu tendieren, dass es wahrscheinlich schlimmer ist, wenn wir Dinge für wahr halten, die in Wirklichkeit falsch sind, aber da mag man geteilter Meinung sein.

Ich halte es jedenfalls für sinnvoller, wenn man in der Auseinandersetzung mit Quacksalbern, Scharlatanen und Esoterikern diese und alle Menschen darauf hinweist, dass man sehr leicht einen Fehler 2.Art macht.

Außerdem ist es ja nun auch nicht so, dass der Skeptiker, falls er einen Fehler 1.Art macht, diesen nicht korrigieren kann bzw. dazu nicht bereit ist, ganz im Gegenteil. Zeigen Sie mir gute Belege oder nennen Sie mir gute Argumente dafür, dass es unsichtbare, rosarote Einhörner gibt, und ich ändere meine Ansicht hierzu.

Ich wage die Behauptung, dass viele (fast alle) Esoteriker ihre Meinung nicht ändern, wenn Sie einen Fehler 2. Art machen, was sie ständig machen.

In dieser Hinsicht ist auch die Einleitung von Herrn Batoschek irreführend, wenn er erklärt, was eine Hypothese und eine Theorie ist. Eine wissenschaftliche Theorie ist erst von einer Hypothese zu einer Theorie „aufgestiegen“, weil es gute Belege und Argumente für die Wahrheit dieser Hypothese gab, deswegen darf man sie dann „Theorie“ nennen. Natürlich kann man von einer Theorie ausgehend weitere Hypothesen entwickeln, aber die Theorie ist ja nicht „einfach so“ zu einer Theorie geworden.

Soviel zu meiner allgemeinen Sicht, nun will ich noch etwas ins Detail gehen, am stärksten kritisiere ich seine Argumente Nummer 3, 4 und 5, fangen wir mit dem fünften an:

In seinem 5. Argument schreibt Sebastian Bartoschek:

„Ein Beleg ist ein Beleg ist ein Beleg. Das Gute an der wissenschaftlichen Methode und damit einhergehend an statistischen Verfahren ist, dass sie geeignet ist, Vorhersagen zu überprüfen und gegebenenfalls zu falsifizieren, gleich aus welchem Bereich sie kommen.“

Ich befürchte, er ist da durch sein Fachgebiet „Psychologie“ etwas voreingenommen. Ja, Statistik ist wichtig, sogar sehr wichtig, aber Statistik ist nicht Alles. Es gibt Belege, die viel besser sind als jede noch so ausgefeilte und fehlervermeidende Statistik.

Und es ist natürlich völlig falsch zu sagen, dass „ein Beleg ein Beleg ein Beleg“ ist. Belege unterscheiden sich in ihrer Güte. Belege kann man nach ihrer Aussagekraft, Sicherheit für die Wahrheit der Hypothese und eben Stärke klassifizieren!

Das hat nichts mit Carl Sagan zu tun und ist auch keine emotionale Wertung. Sorry, aber das ist Blödsinn. Selbstverständlich gibt es (außerordentlich) gute und (außerordentlich) schlechte Belege, genau wie es gute und schlechte Argumente gibt.

Sebastian Bartoschek, Zitat:

„Der Wunsch nach außerordentlichen Belegen für außerordentliche Behauptungen ist letztlich kein wissenschaftlicher, sondern emotional wertend. Er geht davon aus, dass es eben Forderungen gibt, die man objektiv als außerordentlich beurteilen kann. Doch was für den einen außerordentlich ist, ist für den anderen normal und was den anderen total begeistert, holt den anderen nicht hinterm Ofen hervor.“

Ich weiß wirklich nicht, was die Aussage dahinter sein soll? Es geht doch nicht um den subjektiven Streit, ob man nun die Farbe Blau schöner als Grün findet. Es geht darum, dass Anekdoten, Geschichten, Zeugenaussagen etc. keine guten Belege für die Wahrheit einer Hypothese sind, im Gegensatz z.B. zu Messungen, Experimenten und ähnlichem, die unabhängig und reproduzierbar mehrfach wiederholt wurden.

Und das ist aus meiner Sicht ja der Kern der „Scientabilitätsforderung“, dass es überspitzt gesagt, keinen Sinn macht, die Gravitationstheorie aufzugeben oder anzuzweifeln, weil jemand behauptet, gesehen zu haben, wie ein Stein in den Himmel hochgefallen ist!

Ich meine, das ist doch das 1×1 der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie.

Sebastian Bartoschek, Zitat:

 „Deswegen haben wir uns in der Wissenschaft auf Kenngrößen, Signifikanzlevels und experimentelle Settings geeinigt. Wir kommunizieren darüber weltweit. Und wir diskutieren leidenschaftlich darüber, wenn die Ergebnisse eines Kollegen so gar nicht zu dem zu passen scheinen, was bisher erhoben wurde und aktueller status quo ist. Wir bieten jedem an, der eine Behauptung hat, diese mit wissenschaftlichen Methoden prüfen zu lassen, da sie sich bisher als die besten Methoden zur Wissensanhäufung gezeigt haben.“

Er versteht hier, meines Erachtens, die eigentliche „Scientabilitätforderung“ falsch. Diese sagt doch nur, dass man bitte nicht versuchen soll mit einer Feder einen Nagel ins Holz zu hauen, sondern besser einen Hammer nimmt.

Sebastian Bartoschek, Zitat:

 „Diesen Weg durch die Einführung eines Konstrukts wie das der Scientabilität zu verlassen, und sei es um leidige Debatten zu beenden, heißt den Weg des Dialoges zu verlassen und Denkscheren und Schranken hoch zu ziehen. Wir würden der „anderen Seite“ den Gefallen tun, genau die Verbohrtheit zu leben, die ohnehin Wissenschaftlern ab und an vorgeworfen wird.

Ich will niemandem diesen Gefallen tun. Ich möchte weiter im Dialog bleiben und möchte jedem die Möglichkeit geben, seine Theorien, seine Hypothesen mit dem Instrumentarium der Wissenschaft untersuchen zu lassen.“

Es geht nicht darum dogmatisch zu sein oder „interessante“ Hypothesen sofort „auszusondern“ bzw. eine weitere Forschung komplett zu vermeiden oder gar zu unterdrücken. Es geht ganz einfach um die sinnvolle Wahl der (wissenschaftlichen) Mittel, um die Wahrheit einer Hypothese zeigen zu können. bzw. die Wahrscheinlichkeit für die Wahrheit einer Hypothese zu erhöhen. Und es geht darum irreführende Mittel nicht anzuwenden.

Es geht darum, dass es keinen Sinn macht, Belege höherer Güte und besserer Qualität zu ignorieren (so solche denn vorliegen) und Belege schlechterer Güte für eine Interpretation heranzuziehen, die den Belegen höherer Güte komplett oder teilweise widersprechen.

Überspitzt ausgedrückt sollte man bei Zeugenaussagen oder Anekdoten, die behaupten dass sie den Stein ganz deutlich in den Himmel hoch fliegen gesehen haben, nicht die Theorie der Gravitation (oder Einsteins 4 dimensionale Raum-Zeit Theorie) aufgeben.

Es braucht mehr als eine oder tausende Zeugenaussagen und vor allem benötigt man mindestens die gleiche Qualität an Belegen um die Gravitation ernsthaft und sinnvoll anzweifeln zu können.

Es geht kurz gesagt um die Rechtfertigung der Wahrheit unserer (wissenschaftlichen) Theorien, bzw. um die Rechtfertigung wann und unter welchen Bedingungen und mit welchen Belegen man eine Theorie als falsifiziert ansehen kann und darf.

Nun zu dem 4. Argument.

Sebastian Bartoschek, Zitat:

„So reizvoll das Konzept der Scientabilität erscheint, um den seit über 200 Jahren verfolgten und unveränderten Irrweg der Homöopathie zu verlassen, so darf man nicht vergessen, dass die Einführung der Scientabilität eben nicht nur für auf bisherige quacksalberische Methoden und auch nicht nur für den Bereich der Paramedizin gelten müsste, sondern für alle zukünftigen Forschungsfelder, insbesondere der Medizin.“

Ja, genau, das ist völlig korrekt. Offensichtlich schreckt ihn der Gedanke, dass man „Scientabilität“ prinzipiell überall anwenden sollte. Mich schreckt das überhaupt nicht, sondern ich halte das sogar für selbstverständlich.

Man muss Hypothesen mit angemessenen Mitteln untersuchen. Ich brauche nicht mit einem Mikroskop, welches 500-fache Vergrößerung erreicht, nach Atomen zu suchen.

Und vor allem brauche ich nicht versuchen, mit meinen Augen Atome zu sehen und suchen, wenn nicht einmal das Mikroskop mit 500-facher Vergrößerung das schafft.

Sebastian Bartoschek, Zitat:

„Ich bin kein Prophet. Aber es ist gut denkbar, dass es völlig neue Erkenntnisse in irgendwelchen Bereichen der Wissenschaften geben wird, die zunächst mit teils abstrusen Theorien daher kommen werden, und die Denkwenden mit sich bringen werden.“

Es hat doch niemand etwas gegen „ungewöhnliche“ Hypothesen (nicht Theorien, wie er falsch schreibt!), aber auch ungewöhnliche Hypothesen müssen angemessen getestet und überprüft werden (können). Können sie das nicht, sind sie per definitionem sinn- und nutzlos. Scientabilität schließt doch nicht unbedingt bestimmte Hypothesen aus, sondern sagt, dass Hypothesen, die Dinge behaupten, die gegen Naturgesetze verstoßen, Belege für die Falschheit der Naturgesetze vorlegen müssen.

Nun zu dem 3. Argument.

Sebastian Bartoschek, Zitat:

„Nicht zu jedem Effekt, der in den Wissenschaften beschrieben wird, liegt sofort eine Theorie vor. Ein gutes und bekanntes Beispiel ist die Entdeckung der Röntgenstrahlung, die beschrieben wurde, und deren Hintergrundtheorie erst nach und nach erforscht und ausformuliert wurde. Die geheimnisvolle Strahlung, die alles durchdringt, wird deswegen auch im angelsächsischen bis heute mit dem Buchstaben für das Unbekannte, dem X, als X-Rays bezeichnet.“

Nun, das mag sein, bzw. ist wahrscheinlich so. Aber solange es wenigstens belastbare Belege dafür gibt, dass tatsächlich ein Effekt oder ein Phänomen vorliegt, ist das kein Problem. Man hat auch noch keine Theorie zur dunklen Materie und dunklen Energie, aber es ist anhand der Belege kaum abstreitbar, dass wir irgendwas fundamental (noch) nicht verstanden haben, was den Aufbau der Materie oder die Gravitation selbst betrifft.

Das tangiert die Scientabilität doch nicht unbedingt.

Mal abgesehen davon, dass Homöopathie selbst an dieser Hürde schon scheitert und keinen „Effekt“ belegen kann.

Sebastian Bartoschek, Zitat:

„Man stelle sich vor: der Effekt der Röntgenstrahlung wird entdeckt. Nun steht aber keine mit den aktuellen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen in Einklang zu bringende Theorie zur Verfügung. Wendet man das Prinzip der Scientabilität hier ganz eng an, wäre an dem Effekt nicht zu forschen. Oder?“

Nein, so einfach ist es nicht. Es ist kein Problem des Effekts. Es ist ein Problem einer Hypothese. Wenn eine Hypothese diametral dutzenden von (Natur)Erkenntnissen, die gut belegt sind, widerspricht, dann müssen mindestens genauso gute und viele Belege für die neue Hypothese sprechen. Es geht also nicht um den Effekt, sondern um Hypothesen, hier trennt er nicht die Begrifflichkeiten. Ein Effekt ist etwas völlig anderes als eine Hypothese.

Sebastian Bartoschek, Zitat:

„Aber auch ein anderer Zusammenhang zwischen Theorie und Effekt ist denkbar, nämlich der, dass es tatsächlich einen Effekt gibt, dass der aber nicht in Zusammenhang mit dem theoretischen Modell steht, das postuliert wird. Wenn jedoch eine Scientabilitätsprüfung bereits bei der Grundlagentheorie ansetzt, besteht die große Gefahr, dass real existente Effekte gar nicht erst betrachtet werden, weil die benannte Theorie, die dahinter stehen soll, schlicht und ergreifend nicht scientabel ist. Im Bereich der Parapsychologie spielen solche Überlegungen durchaus eine Rolle.“

Auch hier wieder das gleiche Spiel, er trennt nicht genau genug zwischen Effekt und Hypothesen.

Wenn gute Belege und Argumente für die Existenz eines realen Effektes sprechen, dann ist das überhaupt kein Problem für die Wissenschaft(en). Das ist business-as-usual.

Wenn man aber schon einen Effekt nicht nachweisen kann und sich irgendwelche haarsträubenden Hypothesen ausdenkt, die „allen“ bisherigen Erkenntnissen widersprechen, dann muss man zumindest Belege präsentieren können, die zeigen, dass die eigenen Hypothesen wahr sind bzw. Belege präsentieren, dass und warum die bisherigen Erkenntnisse falsch oder lückenhaft sind.

Kann der Behauptende das alles nicht, warum soll man ihn dann ernst nehmen?

Was unterscheidet solche Hypothesen dann überhaupt noch von der „Es gibt den Weihnachtsmann-Hypothese“ oder ähnlichem? Dann müsste man auch zu der Weihnachtsmann-Hypothese weiter forschen, oder nicht?

Man müsste dann auch die Storchenhypothese erforschen, die besagt, dass Störche die Kinder bringen. Oder nicht?

Nun noch kurz ein Wort zu dem 2. Argument:

Auch sein zweites Argument ist aus meiner Sicht falsch.

Die Homöopathie kann doch gerne im Grundlagenbereich forschen. Soll die Homöopathie doch versuchen nachzuweisen, dass unsere Vorstellungen und Erkenntnisse über Atome, Moleküle physikalisch und chemisch falsch oder lückenhaft sind.

Ich erwarte freudig diese Forschung und wünsche allen viel Glück.

Die Beweislast liegt bei der Homöopathie, da die Naturgesetze schon viel zu viele gute Belege für ihre Wahrheit angehäuft haben.

Sollte die Homöopathieforschung scheitern, dann trägt sie noch einmal etwas mehr als Beleg zur Richtigkeit der Naturgesetze bei. Sollte sie erfolgreich sein, umso besser und interessanter.

Aus der Sicht eines echten und guten Wissenschaftlers eine klare Win-Win Situation, aus der Sicht der Homöopathie wahrscheinlich eher nicht…


1 Kommentar

  1. Ein für uns Skeptiker (und Skeptikerinnen) zentraler Punkt dürfte die Frage sein, wie “außerordentlich” eine Behauptung ist.
    Diese Frage wird aber in vielen wissenschaftlichen Studien nicht gestellt, da sie auf Methoden beruhen, die das nicht können, nämlich dem Nullhypothesen-Signifikanztest (ein Begriff, der beim Scrabble sehr nützlich sein kann). Den haben viele Forschende gelernt (darunter wohl auch Sebastian Bartoschek und ich), aber leider stößt er bei außerordentlichen Behauptungen an seine Grenzen.
    Denn es macht sehr wohl einen Unterschied, ob ich eine Hypothese teste, die grundsätzlich zum gesammelten Wissen einer Disziplin passt, oder ob ich diesem Wissen grundlegend widerspreche.

    Deshalb setzen sich (u.a. in der Psychologie) allmählich Methoden durch, die das einbeziehen, nämlich Bayessche Statistik.
    Aktuelles, skeptisches Beispiel: die PSI-Studien von Daryl Bem, die unter Beachtung der “Außerordentlichkeit” statistisch entkräftet wurden: http://www.sciencebasedmedicine.org/the-power-of-replication-bems-psi-research/

    Die Weiterentwicklung von Methoden – die es ja in den Pseudowissenschaften gerade NICHT gibt – löst dieses Problem also möglicherweise auch ohne Scientabilität.

    Noch eine nerdige Anmerkung: Wenn ich mich nicht irre, hat Stephan die beiden Fehlertypen vertauscht. “Fehler 1. Art” heißt, die NULLhypothese (das ist in der Regel nicht die eigene!) irrtümlich abzulehnen.

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