Warum Wissenschaft und Religion völlig inkompatibel sind

Im Folgenden möchte ich zwei Weltbilder beschreiben:

Das erste Weltbild geht davon aus, dass wir nichts wissen, nichts verstehen und uns jederzeit bei allem irren können. Wenn dem so ist, fragt dieses Weltbild, haben wir dennoch eine Chance irgendetwas zu erkennen oder zu wissen? Die Antwort dieses Weltbildes lautet „Ja“. Wir können zwar nie etwas mit absoluter Sicherheit wissen und erkennen, aber wir können uns der Wahrheit annähern.

Dies funktioniert so, dass man rät, eine Intuition hat, wild spekuliert, eine Idee hat und irgendwas vermutet. Dann kritisiert man diese Idee, diese Hypothese oder Behauptung. Man prüft, ob sie harter und härtester Kritik standhält, wie ein Schiff, welches man auf Löcher und Schwachstellen überprüft, bevor man es zu Wasser lässt. Man prüft, ob die Hypothese dem Vergleich mit der Realität standhält, ob sie korrekte Vorhersagen und Beschreibungen macht.

Besteht die Hypothese diese Prüfungen und die Kritik und kann nicht falsifiziert (als fehlerhaft erkannt) werden, dann erhält sie (vorläufig) die höchste Anerkennung die dieses Weltbild zu vergeben hat, nämlich den Status einer „Theorie“. Man kann sie aber jederzeit kritisieren und sollte irgendwann jemand einen Fehler entdecken und nachweisen können, dann muss man sie ändern oder aufgeben. Dieses Weltbild schätzt gute Argumente und Belege und passt ihre Theorien an die Belege an. Dieses Weltbild hält nur Dinge für wahr, für die es gute Argumente und Belege gibt. Auf diese Weise hat dieses Weltbild für eine Anhäufung von Wissen und Erkenntnissen gesorgt, die beispiellos sind.

Jeden Tag zeigt uns dieses Weltbild, dass es funktioniert, nämlich wenn man z.B. einen Lichtschalter betätigt, sich anzieht, Auto fährt oder im Internet surft. Dieses Weltbild hat dafür gesorgt, dass wir ein viel besseres Leben führen und unzählige Menschenleben verschönert, verlängert und gerettet. Dieses Weltbild hat uns teilweise schwierigste und tiefste Fragen beantwortet und arbeitet ständig an der Beantwortung noch offener Fragen.

Das zweite Weltbild geht davon aus, dass es unbezweifelbare absolute Wahrheiten (Dogmen) gibt, die es erkennen kann. Diese Dogmen dürfen nicht kritisiert, in Frage gestellt, bezweifelt oder verworfen werden, da sie die absolute Wahrheit darstellen und man sich hier nicht irren kann. Dieses Weltbild stellt Behauptungen auf, die nicht kritisiert werden sollen. Wenn jemand dieses Weltbild kritisiert hat, wurde er vor nicht allzu langer Zeit dafür auf grausame Weise getötet (und das passiert eigentlich immer noch!).

Das gleiche galt, wenn jemand einen Fehler in den Behauptungen dieses Weltbildes nachweisen konnte. Nachgewiesene Fehler, von denen es inzwischen unzählige gibt, führen nicht dazu, dieses Weltbild zu ändern, sondern ändern nur den Umgang mit den Fehlern, die wahlweise bestritten und geleugnet werden, bis es zu offensichtlich und lächerlich wird, oder man definiert dieses Weltbild in „unerklärlich und unverständlich“ um, mit dem Ziel es vor Kritik zu immunisieren und zu schützen. Kurz gesagt, es wird alles, wirklich alles unternommen, um dieses Weltbild niemals substanziell ändern zu müssen, völlig egal was geschehen mag.

In diesem Weltbild wird nichts überprüft, man lässt das Schiff einfach zu Wasser, egal wie durchlöchert der Rumpf sein mag. Viel schlimmer noch, Überprüfungen anderer, die auf die Löcher im Rumpf hinweisen, werden systematisch ignoriert und verschwiegen. Es liegt im Selbstverständnis dieses Weltbildes, dass es keine Fehler enthält und deswegen können auch keine Fehler zugegeben werden und viel schlimmer, niemals korrigiert werden. Es geht immer so weiter, weil man ja von Anfang an die korrekten Antworten und die absoluten Wahrheiten hatte und sich prinzipiell nicht irren konnte.

Dieses Weltbild passt die Argumente und Belege ihren Behauptungen an, nicht umgekehrt. Dieses Weltbild basiert auf dem „Glauben“, d.h. es werden Dinge für wahr gehalten, für die es keine guten Argumente oder Belege gibt, ja es gilt sogar als besondere Tugend, wenn man entgegen der Belege trotzdem „glaubt“. Dieses Weltbild entzweit Menschen und hat für unsäglich viel Schmerz, Qualen und Tote in seiner Geschichte gesorgt. Dieses Weltbild behauptet Antworten auf unsere tiefsten Fragen zu haben, aber diese Antworten sind Scheinantworten die beruhigen sollen, lächerlich und gefährlich sind.

 

Kann es zwei Weltbilder geben, die noch unvereinbarer, also noch inkompatibler sind?

Um die Frage zu beantworten:

Die Wissenschaften basieren auf dem ersten Weltbild, auf dem zweiten Weltbild basieren die Religionen.


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